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Urlaub 2021: Große Nachfrage bei Reisebüros in Homburg

Reisebüros in Homburg im Dauerstress : „Egal wohin, wir wollen einfach nur ans Meer“

So viel Andrang in den Reisebüros war noch nie. Da die Corona-Zahlen deutlich sinken, ist für viele Kunden der Startschuss gefallen: Sie wollen endlich in Urlaub fahren. Davor müssen einige Hürden genommen werden. Aber es gibt Hilfe.

Was wird aus diesem Sommer? Mallorca oder Mandelbachtal? Bodrum oder Bostalsee? Die Zeichen stehen auf Sturm, viele Familien sind kaum noch zu halten: „Die Kunden sagen: Wir wollen nur noch ans Meer“, sagt Eva Reiss vom Holiday-Reisebüro Frank & Mettendorf in Homburg. Sie ist schon 20 Jahre im Geschäft, „aber im Moment ist ein Andrang, wie ich ihn noch nie gesehen habe, wir haben wahnsinnig viel zu tun.“

„Wir erleben derzeit einen regelrechten Run. Fast alle Agenturen sind dabei, ihre Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückzuholen“, berichtet auch Marija Linnhoff vom Verband unabhängiger Reisebüros, schreibt das Branchenblatt ReiseVor 9.

Der Grund für den Ansturm liegt auf der Hand: Corona. Natürlich steht es nirgendwo im Grundgesetz, dass deutsche Staatsbürger das Recht hätten, mindestens einmal im Jahr ans Meer zu reisen und in einem schicken Café in St. Tropez zu sitzen. Und doch ist der Urlaub des Deutschen liebstes Kind, auf das er nur im äußersten Notfall verzichten will. Umfragen, die angeblich eine neue Bescheidenheit propagieren, sind wenig glaubhaft, da die Wirklichkeit ganz anders aussieht.

Auch TUI-Deutschland-Chef Marek Andryszak beobachtet einen „großen Nachholeffekt bei Reisen“. Die wöchentlichen Buchungsvolumina lägen derzeit über denen der Vergleichswochen des Jahres 2019.  Dass unter den Buchungen der Anteil an Pauschalreisen wachse und aktuell bei 70 Prozent liege, sei ein Beleg für das gestiegene Bedürfnis der Kundschaft nach Sicherheit, meint Andryszak.

Gefragt seien vor allem Mallorca und die griechischen Inseln, aber auch die Türkei sei nach den jüngsten Reiseerleichterungen nun wieder vorne mit dabei. Auch die Kanaren, eigentlich eher ein Winterziel, warteten in diesem Sommer mit guten Buchungszahlen auf. Autoreisen und Inlandsurlaub liegen aber nach wie vor auch noch im Trend.

Bereits in den 50er Jahren fuhr, wer es sich leisten konnte, in den Süden. Zunächst in die Nachbarländer, vorzugsweise Frankreich, Österreich, Schweiz, sehr bald dann nach Italien und Spanien. Mit dem steigenden Wohlstand drehte sich das Urlaubskarussell immer schneller, man fuhr nicht nur einmal, sondern drei bis vier Mal weg, Skifahren im Februar, Ostern in die Provence, im Sommer in die Türkei, im Herbst in die Toskana, im November Wellness. Hinzu kamen Fernreisen, Bildungsreisen, Schiffsreisen.

Und dann? Dann wurde der Stecker gezogen. Fertig. Die letzten unbesorgten Urlauber trudelten Anfang März 2020 aus den Ski-Ferien ein und einige schleppten auch noch die Ursache allen Übels mit sich: das Corona-Virus. Und das war der Grund, dass seitdem nichts mehr so ist, wie es mal war.

Im vergangenen Jahr gab es im Sommer ein kurzes Aufflackern der Hoffnung, doch die wurde schnell zunichte gemacht, denn die Inzidenzzahlen stiegen nach dem Sommer steil an, die Herbstferien fielen komplett in den Lockdown, die Osterferien bei den meisten Deutschen ebenfalls.

Doch nun zeichnet sich tatsächlich ein stabiler Trend in Richtung Normalität ab. Was auf der Strecke blieb, ist das eine oder andere Reisebüro. Zum Beispiel in Homburg: da verkündet das ehemalige Reisebüro „Sonnenklar“ in der Saarbrücker Straße lediglich die Botschaft „Ladenlokal zu vermieten“. Laut den großen Reisebüroorganisationen erfolgten bisher zwar nur wenige Insolvenzen, allerdings hätten viele kleine Reisebüros mit nur ein oder zwei Beschäftigten doch ihr Ladengeschäft dauerhaft geschlossen. Darunter wohl auch das besagte Homburger „Sonnenklar“.

Dafür haben die verbliebenen um so mehr zu tun. „Ich habe eigentlich gar keine Zeit, mit Ihnen zu reden“, sagt Helge Hennes vom Reisebüro Stolz in Bexbach, tut es freundlicherweise aber doch: „Ich bin gleich in einer Beratung. Wir haben enorm viel zu tun.“ Beliebte Ziele gebe es nicht, „einfach wieder ans Meer und mal was anderes sehen. Wichtig sind Orte, an die man einfach hinkommt, kurze Flüge innerhalb Europas, nichts Ausgefallenes.“

Der Beratungsbedarf sei hoch, vor allem müssten viele Formulare ausgefüllt und genau hingeschaut werden: „Es ändert sich ständig etwas. Erst galt für einige Länder noch der PCR-Test, jetzt reicht ein einfacher Test, Risikogebiete werden heruntergestuft. Wir müssen da immer auf dem Laufenden sein.“

Für Eva Reiss vom Holiday-Reisebüro ist es eine Wertschätzung, dass auch viele junge Leute den Service der Profis zu schätzen wüssten. „Buchungen über das Reisebüro sind ja nicht teurer als eine Internet-Buchung. Bei uns gibt es dafür noch gute Beratung obendrauf.“

Auch in der Corona-Zeit hatte sie keinen Leerlauf: „Wir haben umgebucht, Anfragen beantwortet und Anzahlungen gerettet. Damit jetzt der Urlaub endlich angetreten werden kann.“ Wegen Corona sei der Informationsbedarf besonders hoch, denn niemand wolle schließlich mit den Koffern vor dem Hotel stehen und abgewiesen werden, weil ein Formular oder eine Testbescheinigung fehlten.

Die Buchung über ein Reisebüro gebe vielen Kunden die Sicherheit, dass an alles gedacht worden sei, „das ist derzeit ganz wichtig“, so Eva Reiss. Eine gewisse Menschenkenntnis gehöre zum Beruf: „Es gibt so viele Ziele, viele Kunden sind froh, wenn man ihnen Vorschläge unterbreitet, die zu ihnen passen.“ In diesem Sommer sei es aber einfach: „Alle wollen nur noch ans Meer.“

Eine Nachfrage im Homburger Dessous- und Bademoden-Geschäft En Vogue zeigt, dass die Reiseexpertin richtig liegt: „Unsere Bademode geht im Moment ganz schnell weg. Vor allem die Teile vom letzten Jahr, die sind reduziert“, sagt Laura Dresch, „ich höre nur, dass alle unsere Kundinnen endlich wieder an den Strand wollen.“

(Von Christine Maack)