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Vor 325 Jahren kam die Kartoffel in die Biosphäre Bliesgau

Die Rolle der Kartoffel im Bliesgau : Als die Kartoffel in den Bliesgau kam

Vor 325 Jahren brachte ein Reisender aus Frankfurt neuartige Knollen ins Saarland. Im Pfarrhaus von Bischmisheim wurden die ersten Kartoffeln dann schriftlich dokumentiert. In der Biosphäre Bliesgau spielen sie seitdem eine wichtige Rolle.

Große Ereignisse beginnen oftmals ganz klein. Zum Beispiel mit einer Schachtel. Darin brachte im Jahr 1696 ein Bischmisheimer Bauer eine krumme Knolle mit. Aufgetrieben hatte er das mit Erde bedeckte Ding in der großen Stadt Frankfurt. Und weil er nicht so recht wusste, was er damit anfangen sollte, übergab er die Knolle dem protestantischen Bischmisheimer Dorfpastor Georg Albrecht Beltzer. So fand die „Grombeer“ Einzug in die Grafschaft von der Leyen, ins Fürstentum Nassau-Saarbrücken und ins Herzogtum Pfalz-Zweibrücken.

So kompliziert und verzweigt waren im 18. Jahrhundert die Verhältnisse im heutigen Saarland. Und doch war es eine große Zeit, in der „Geschichte nicht nur erlitten, sondern auch gemacht wurde“, wie Klaus Friedrich betont.  Er ist einer der Initiatoren der Barockstraße Saarpfalz und bekannt durch seine historischen Stadtführungen durch Homburg, „1696 haben wir also die erste verbürgte Erwähnung der Kartoffel an der Saar“, betont er.

Den genauen Tag wissen wir natürlich nicht, aber da der 19. August auch noch der internationale Tag der Kartoffel war, machte sich vergangene Woche die Slow-Food-Bewegung im Saarland für die regionalen Kartoffeln stark. Um das Jubiläum in Erinnerung zu rufen, fand sogar ein Festakt im Saarbrücker Schlossgarten statt, bei dem symbolisch eine Setzkartoffel aus dem Bliesgau gepflanzt wurde.

Kein Wunder, denn der Biosphärenzweckverband Bliesgau unterstützte die Aktion. „Es handelt sich bei der Kartoffel um ein  wertvolles Grundnahrungsmittel, das auch in der Biosphäre Bliesgau umweltschonend und mit kurzen Wegen zum Verbraucher angebaut werden kann und nicht in Vergessenheit geraten darf“, lobte der Geschäftsführer des Biosphärenzweckverband Bliesgau, Gerhard Mörsch, die Kooperation.

Wie Klaus Friedrich berichtet, war es wohl auch die Gräfin von der Leyen, die in ihrer kleinen Grafschaft mit dem Zentrum Blieskastel für die Anpflanzung der Kartoffel gesorgt hat, „weil sie wusste, dass die Kartoffel die Menschen ernährt“. Sie wollte, dass den Untertanen gezeigt wird, wie sie die noch ungewohnte Knolle in die Erde setzen und kultivieren sollten.

Natürlich bekam der damalige Adel sprichwörtlich die dicksten davon ab, während das normale Volk nach wie vor in Armut lebte. Die ersten Kartoffeln waren klein, verhutzelt und braun und haben nichts zu tun mit den großen „Grombeere“, die man heute kaufen kann.

Sie ähnelten den schwarz-braunen Trüffeln, die man in der Erde fand, auf italienisch „tartufolo“ genannt. Abgeleitet davon ist das deutsche Wort „Kartoffel“. Während man heute zwischen den sündhaft teuren schwarzen Trüffeln und einer dicken Kartoffel kaum noch eine Ähnlichkeit feststellen kann, muss man sich die damalige Winzigkeit der Kartoffeln vor Augen halten, um zu verstehen, wie es zu der Namensgebung kam.

Auch manche Biosphären-Partner haben das Produkt auf ihre Speisekarte gesetzt: So stand beispielsweise im Café Lenert in Webenheim das Kartoffelbrot samt Kartoffeln auf dem Brotback-Kalender und im Restaurant und Biergarten Bellevue in Biesingen fanden kürzlich die Kartoffeltage statt. Kartoffelgerichte stehen dort nach wie vor auf der Speisekarte. Weitere Aktionen in der Gastronomie sollen folgen.

Dabei steht natürlich die Zusammenarbeit mit Kartoffellieferanten aus der Region im Vordergrund. Genießen kann man die saarländische Grombeere zum Beispiel auch in Form von  Reibekuchen, als Kartoffelpfanne, als Ofenkartoffel oder gebratene Kartoffelwürfel nach Großmutters Art.

Auch in anderen Ländern steht die Knolle hoch im Kurs. In Peru wird die Kartoffel traditionell am 30. Mai gefeiert. Man geht davon aus, dass spanische Seefahrer die ersten Kartoffeln im 16. Jahrhundert aus Amerika herbrachten. Den Ursprung des Gewächses vermutet man jedoch in Vorderasien. Heutzutage ist die Kartoffel aus der internationalen und insbesondere aus der heimischen Küche nicht mehr wegzudenken.

„Als wohlschmeckender Lieferant von Eiweiß, Mineralien und Kohlenhydraten, verdient die Kartoffel zu Recht den Titel „Superfood“, so Patric Bies, der mit der Bliesgau Ölmühle, Biosphären-Partner und gleichzeitig Unterstützer von Slow Food Saarland ist.

„Nudeln und Süßkartoffeln sind heutzutage starke Konkurrenten der alten Knolle. Mit den Aktivitäten von Slow-Food und dem Biosphärenzweckverband soll die heimische Kartoffel wieder stärker in das Bewusstsein der Konsumenten gerückt werden“, so auch der Verbandsvorsteher des Biosphärenzweckverbandes und Landrat des Saarpfalz-Kreises, Theophil Gallo.

Zum Verein „Bliesgau Genuss“ gehört auch der Kartoffelhof Gortner in Rheinland-Pfalz. Bei diesem Vereinsmitglied handelt es sich um einen traditionellen landwirtschaftlichen Familienbetrieb in der benachbarten Region Westpfalz.

Am Rand der Sickinger Höhe werden auf etwa zehn Hektar sandigen, teils lehmigen Äckern Kartoffeln angebaut. Die Kartoffeln reifen natürlich auf dem Acker aus und werden ohne Keim hemmende Mittel eingelagert. So bilden sie ihren aromatischen, erdigen Geschmack aus.  Von Juni bis Juni stehen  mehrere Sorten zur Auswahl. 

„Die schweren Muschelkalkböden, die wir im Bliesgau haben, sind nicht so besonders gut geeignet für den Kartoffelanbau“, sagt Gerhard Mörsch, Geschäftsführer vom Biosphärenzweckverband „aber sobald es sandiger und der Muschelkalk leichter wird, geht es sehr gut.“

Einige Betriebe wie Vogelgesang in Ommersheim und weitere Bauernhöfe haben Kartoffeln im Anbau, wenn auch in überschaubarer Menge. „Auf jeden Fall werden in den Hofläden in der Biosphäre auch immer heimische Kartoffeln angeboten“, so Mörsch. Die Nachfrage steige deutlich an.

 Grumbeere: Auf zehn Hektar Ackerfläche bauen die Gortners aus Lambsborn die „Knolle“ an.
Grumbeere: Auf zehn Hektar Ackerfläche bauen die Gortners aus Lambsborn die „Knolle“ an. Foto: Norbert Schwarz

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