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Warum es nichts bringt, Kinder zur Eile anzutreiben

Warum Hektik genau das Falsche ist : Kinder sind Zeitlupenkünstler

Wenn es richtig drängt, machen Kinder erst einmal schön langsam, findet unsere Autorin.

Es ist ein Phänomen: Wenn man’s eilig hat und das auch kommuniziert, fallen Kinder und Jugendliche (sowieso) in eine Art Slow-Motion-Version ihrer selbst. Alles, aber auch wirklich alles, läuft ab da in Zeitlupe. Es sind zwei sich auseinander bewegende Kurven. Je größer die Hektik, je drastischer man zur Eile drängt, desto langsamer geht’s. Das Faultier im Zeichentrick-Kinohit „Zoomania“, das die unter Zeitdruck stehende Häsin Judy zur Verzweiflung bringt, als es ein für ihre Ermittlungen zentrales Nummernschild überprüfen soll, prescht dagegen geradezu durch die Unterlagen.

Kind eins ist morgens spät dran, die Freundin wartet schon draußen. Der Schulbeginn ist gefährlich nah. Da gefällt der Pulli plötzlich nicht mehr und leider ist die Entscheidung, ob nun blau oder vielleicht doch schwarz die bessere Alternative zum grünen Exemplar wäre, nur in der gebotenen Ruhe zu treffen. Dabei sind weder die Zähne geputzt – Zahnpasta kommt nicht richtig aus der Tube- noch die Schuhe gebunden – „kann ich nie schnell, oh Mama!“.

Kind zwei wird ausnahmsweise gefahren – es hat nicht nur Ranzen, sondern auch Instrument dabei. Fünf vor acht vor dem Gymnasium hebt es müde die Augen vom Smartphone, muss erst mal die Schuhe binden – wir fahren ja erst seit 25 Minuten. Um dann sehr, sehr langsam auszusteigen und zum Kofferraum zu schlappen. „Muss noch was rausholen! Hetz mich doch nicht, das schaff‘ ich locker!“ Danach geht’s ungerührt gemächlich Richtung Schulgebäude.

Gut, manche zahlen heutzutage richtig viel Geld, um sich in den Zustand der Entschleunigung zu versetzen. Kinder und Teenies im Besonderen bringen das ohne größere Anstrengung einfach so mit – zumindest morgens, nachmittags, wenn es um Freunde und andere nette Dinge geht, sieht die Welt auch nochmal ganz anders aus.