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Zentrum für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie in Homburg wurde saniert

Homburger Palliativzentrum wurde saniert : Palliativmedizin in schöneren Räumen

Die Räume des UKS-Zentrums für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie in Homburg wurden für 70 000 Euro modernisiert und vergrößert. Und das inhaltliche Angebot nebenbei ordentlich aufgepeppt.

Schön ist das Gebäude 69 des Uniklinikums (UKS) in Homburg nicht. Vielleicht hat es den Charme des Vergänglichen. Aber schön? Nein. Und was außen eher pfui war, war es auch innen. Dabei hätte das dort beheimatete Zentrum für altersübergreifende Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie ansprechendere Räume und mehr Platz verdient.

Genau das hat sich das Team um Professor Sven Gottschling auch gedacht. Und so rückten im November des vergangenen Jahres die Handwerker an – um zumindest im Inneren das Gebäude auf einen akzeptablen Stand zu bringen. Am Dienstag nun präsentierte Gottschling zusammen mit Dr. Christiane Keller, der Oberärtzin der Ambulanz des Zentrums, und Dr. Katja Welsch, der Leitenden Psychotherapeutin, die neuen und neu strukturierten Räume. Mit dabei auch Vertreter des Wirtschaftsdezernats des UKS und Rüdiger Schneidewind als Vorsitzender des Fördervereins. Diese beiden Institutionen stemmten finanziell die Arbeiten, das UKS mit etwas über 30 000 Euro, der Förderverein mit mehr als 40 000 Euro.

Was ist nun im vergangenen Dreivierteljahr geschehen? Nun, natürlich wurde zuerst einmal an der Infrastruktur gearbeitet. „Wir haben nicht nur im Dachgeschoss, sondern auch ein Stockwerk tiefer mehrere Räume dazu bekommen, wir konnten neue Räume für die Ambulanz schaffen.“ Dies habe unter anderem bedeutet, so Gottschling bei der Präsentation des „neuen“ Zentrums, dass neue Leitungen hätten verlegt werden müssen, „es musste in diesem alten Gemäuer durch Decken und Wände gebohrt werden“. Dabei habe es, wie bei Sanierungen in Altbauten üblich, immer wieder Überraschungen gegeben. „Man macht irgendwo eine Decke auf – und hätte es besser nicht gemacht.“ Auch aufgedeckte Wasserschäden hätten zum Portfolio dieser Überraschungen gezählt. „Das Ganze hat etwas gedauert, auch Corona bedingt.“ Das Ziel der ganzen Maßnahmen, wie Gottschling deutlich machte: den Anblick des Zentrums von „unerträglich“ hin zu „ansprechend“ zu verändern. „Jetzt ist es nicht nur ansprechend, sondern richtig schön geworden.“ Und: Hatte man bislang nur eineinhalb Zimmer für die Ambulanz des Zentrums, so habe man jetzt vier.

Nun sind Räume „nur“ Räume, es sei denn, man füllt sie mit Leben. Und das ist dann auch das inhaltliche Mehr an der Sanierung, denn: Die Ambulanz des Zentrums hat nicht nur quantitativ seine Kapazitäten erhöht, sondern, bezogen auf die Breite des Angebots, auch qualitativ. „Das soll ein Angebot an die Menschen draußen sein. Und ein Aufruf: Nutzt uns!“ Konkret biete man nun eine Spezialambulanz für Akupunktur an, auch für Einsätze jenseits der Palliativmedizin, so für die Raucherentwöhnung, die Behandlung von Heuschnupfen, „eine breite Palette. Auch mit schmerzfreier Laserakupunktur für Nadelphobiker“. Gottschling musste allerdings einräumen, dass dieses Angebot der Akupunktur eines für Selbstzahler sei, „die privaten Krankenkassen übernehmen das aber in der Regel“.

Auch will man sich aus den neu gestalteten Räumen heraus als „südwestdeutsches Referenz-Zentrum für cannabis-basierte Medizin“ etablieren, so formulierte es Gottschling aus dem Stand. „Wir arbeiten sehr viel mit cannabis-basierter Medizin. Und das ist eine Riesen-Palette. Das reicht vom an Epilepsie erkrankten Kind bis zu Tumor-Patienten, bis zum Patienten mit Tourette-Syndrom.“ Auch das Thema der Schmerztherapie soll verstärkt besetzt werden, nun auch für Erwachsene. Dabei arbeite man mit der Schmerzambulanz in der Anästhesie des UKS zusammen. „Wir sind im engen Austausch. Wir bieten hier ein ergänzendes Angebot.“ Bei allem Neuen im Angebot profitiert auch der „Markenkern“ des Zentrums, die altersübergreifende Palliativmedizin, von der Neugestaltung. Hier nehme, neben den klassischen Behandlungsfeldern, das Thema der Frühintegration einen großen Raum ein. „Das heißt, dass Patienten nicht erst den Weg zu uns finden, wenn es stark dem Ende entgegen geht, sondern dass sie schon sehr frühzeitig unser Behandlungsangebot kennenlernen, sich über einen Plan B informieren, wenn eine gegen die Erkrankung gerichtete Therapie nicht mehr greift.“ Gottschlings Credo: „Wenn den anderen nichts mehr einfällt, dann geht’s bei uns erst richtig los.“ Vor diesem Hintergrund zeigte sich der Palliativ-Mediziner sicher, dass es für Patienten ein beruhigendes Gefühl sei zu wissen, „dass es da ein Backup gibt“.

Im Zusammenhang mit Krebserkrankungen biete man jetzt auch eine Misteltherapie-Sprechstunde an, „für Patienten mit soliden Tumoren. Das ist ein Stück weit eine Verbesserung der Lebensqualität“. Dieses Angebot gehe auch, je nach Krankheits-Status, in Richtung einer auf Heilung ausgerichteten Therapie. Zum Hintergrund: Mit diesem Therapieansatz sollen unter anderem die Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie gemildert werden. Ein ähnliches Angebot biete hier auch schon die Frauenklinik für Patientinnen mit gynäkologischen Erkrankungen. Komplettiert werde das Leistungspektrum schließlich auch durch Psychotherapie, „weil solche gravierenden Erkrankungen immer den ganzen Menschen betreffen“. Mit all den „alten“ und „neuen“ Angeboten wolle man nun, so Gottschling, einfach mehr Menschen erreichen.

 Hanf und Mistel stehen inhaltlich für neue Angebote des  Zentrums für altersübergreifende Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie.
Hanf und Mistel stehen inhaltlich für neue Angebote des  Zentrums für altersübergreifende Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie. Foto: Thorsten Wolf

Die Innen-Sanierung des Gebäudes 69 läuft also alles andere als unter dem Motto „alter Wein in neuen Schläuchen“, sondern eindeutig unter „neuer Wein in mehr neuen Schläuchen“. Dabei versteht sich die Hochschulambulanz des Zentrums, den Eindruck vermittelte Gottschling, mehr denn je als interdisziplinäre Anlaufstelle für alle Menschen – mit dem Ziel, deren Beschwerden mit ganz unterschiedlichen Therapieansätzen zu mindern.