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Ein Neubau für die Polizei in Kirkel

Polizei in Kirkel : Ein Neubau für die saarländische Polizei

Für rund 28 Millionen Euro entsteht derzeit in Kirkel ein modernes Polizeizentrum. Dort sollen ab kommenden Mai unterschiedliche Dienststellen der Landespolizei ihr Zuhause finden.

„Der heutige Tag ist für mich einer zum Schmunzeln. Als ich die Idee hatte, aus den nicht mehr zeitgemäßen Gebäuden am Wackenberg auszuziehen, da erntete ich zuerst einmal Lächeln und ungläubiges Staunen.“ Anlässlich des Richtfestes für einen großen Hallenneubau des neuen Polizeizentrums „Guy Lachmann“ in Kirkel ließ Saar-Innenminister Klaus Bouillon aber die Gäste wissen, dass er sich bei seinem Auszug aus Saarbrücken nicht habe beirren lassen. „Wir haben die Dinge durchgesetzt. Auch das war nicht ganz einfach. Und wie man heute sieht, weiß man, dass es richtig war.“

Zu sehen gab es am Montag tatsächlich einiges. Dort, wo die frühere Baumarktkette Praktiker vor Jahren ihre Deutschlandzentrale hatte, entsteht derzeit mit einem Finanzvolumen von rund 28 Millionen Euro ein modernes Polizeizentrum für die saarländische Landespolizei. Die Konversion umfasst dabei zum einen den Umbau des großen Bestandsgebäudes, zum anderen den Neubau eines großen Hallenkomplexes im hinteren Bereich des Areals. Auch eine moderne Zwingeranlage für Diensthunde wird geschaffen. Ab Mai 2022, so der aktuelle Stand, sollen am Tannenwald dann ganz unterschiedliche Polizei-Dienststellen ihr neues Zuhause finden. Zu diesen Dienststellen zählt die Bereitschaftspolizei, die Verkehrspolizei und auch die Hundestaffel. Ebenfalls sollen kriminalpolizeiliche Kräfte in Kirkel stationiert werden. Dazu wird die frühere Praktiker-Zentrale „bedarfsgerecht“ umgebaut. Es entstehen Büroräume und Lehrsäle, Trainings- und Fitnessbereiche. Im Neubau werden in Zukunft rund 150 Fahrzeuge ganz unterschiedlicher Verwendung ihren Standplatz haben. Zusätzlich gibt es dort Werkstätten und Funktionsräume für die Werkstattangehörigen.

„Es ist einfach ein schöner Tag, wenn man sieht, dass aus einer Idee Realität wird“, freute sich Bouillon. Und er verwies noch einmal darauf, dass der aktuelle Standort Wackenberg der Bereitschaftspolizei in Saarbrücken nicht mehr den Ansprüchen genüge. Den Umzug nach Kirkel und die Schaffung des neuen Großstandortes wertete der Innenminister als Zeichen dafür, dass es mit der Modernisierung der saarländischen Polizei vorangehe.

Im Interview vor dem offiziellen Teil des Richtfestes verdeutlichte Klaus Bouillon auch nochmal die Gründe, die zur Entscheidung für Kirkel geführt hätten. „Zunächst einmal war wichtig, dass der Standort zur Verfügung stand. Es handelt sich hier um eine landeseigene Immobilie. Aber weiterhin haben wir eine wunderbare, zentrale Lage.“ Gefragt, wie es mit Fortgang der Arbeiten aussehe, versicherte Bouillon, dass die Kosten „bisher im Rahmen“ seien. „Der Umbau wird sich verzögern, zwei Firmen sind in die Insolvenz gegangen.“ Er rechne nun damit, dass man Mai/Juni 2022 die Baumaßnahme komplett einweihen könne. Der Innenminister räumte auch ein, dass es aufgrund von Baustoff-Mangel leichte Verzögerungen gebe. „Wir hoffen, dass sich die Situation verbessert – können es allerdings nicht garantieren.“

Aus Sicht der Führung der saarländischen Landespolizei bewertete die Polizeivizepräsidentin Natalie Grandjean den zukünftigen Standort mit einiger Begeisterung. „Das ist heute ein richtig guter Tag. Wir sind froh, dass wir heute hier am Neubau Richtfest feiern können.“ Am Kirkeler Standort würden, so Grandjean, „ganz, ganz viele Anforderungen für die saarländische Polizei erfüllt“. So habe man bald eine „moderne und zukunftsorientierte Infrastruktur.“ Darauf hingewiesen, dass der Standort in Kirkel eher Randlage als zentral sei, machte Grandjean aus ihrer Sicht deutlich: „Im Saarland gibt’s ja keine Entfernungen. Wir haben eine gute Autobahn-Anbindung und für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine gute Verkehrsanbindung, sodass die Lage für uns trotzdem eine sehr, sehr gute ist. Insbesondere dann, wenn in diesem Gebäudekomplex alle unsere sonstigen Anforderungen erfüllt werden. Es ist ein Quantensprung im Vergleich zum alten Wackenberg“.

Im Jahr 2018 hatte die Ankündigung von Klaus Bouillon, eben den Saarbrücker Wackenberg aufgrund seiner maroden Bausubstanz als Standort der Bereitschaftspolizei aufzugeben, in der Landeshauptstadt für eine Überraschung gesorgt (wir berichteten). Auch die Entscheidung, gerade in Kirkel einen neuen Großstandort als Ersatz zu schaffen, kam für viele recht unvorhergesehen. Hier äußerte auch die Gewerkschaft der Polizei Bedenken aufgrund der großen Entfernung zu Saarbrücken als größtem Einsatzort. Bemerkenswert auch der Umstand, dass aus einer ursprünglichen „kleinen“ Lösung mit drei Dienststellen (Bereitschaftspolizei, Verkehrspolizei und Hundestaffel) mit nun acht Dienststellen der größte Standort der Landespolizei entstehen wird. Damit hat sich auch das Kostenvolumen von ursprünglich fünf bis sechs Millionen auf die besagten rund 28 Millionen Euro erhöht.

 Der neue Hallenkomplex am ehemaligen Praktiker-Standort soll, wie auch das im Umbau befindliche Bestandsgebäude, im Mai 2022 an die Polizei übergeben werden.
Der neue Hallenkomplex am ehemaligen Praktiker-Standort soll, wie auch das im Umbau befindliche Bestandsgebäude, im Mai 2022 an die Polizei übergeben werden. Foto: Thorsten Wolf

Mehr als eine Fußnote: Der neue Großstandort trägt den Namen „Guy Lachmann“. Damit würdigt man den ersten Polizeipräsidenten des Saarlands. Der bekennende Jude Lachmann (1906-1987) floh mit seiner Familie 1938 vor dem Naziterror nach Frankreich. Dort nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. Im Krieg diente er erst in der französischen Armee. Hier geriet er 1940 in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung kämpfte er dann in der Résistance gegen Hitler-Deutschland. Nach Kriegsende kehrte im Dienst der französischen Armee als Kreiskommandant in Saarburg ins Saarland zurück. Hier wurde er im Jahr 1948 zum ersten Landespolizeipräsidenten des damaligen Saar-Protektorats. Dieses Amt bekleidete er bis zum Jahr 1957 – dem Jahr der Rückgliederung des Saar-Protektorats in die Bundesrepublik.