1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Kirkel

Kerb in Kirkel-Neuhäusel wurde groß gefeiert

Brauchtum in Kirkel : Kerwe-Jugend trotzt der Corona-Krise

Zwei Tage wurde im größten Kirkeler Ortsteil die Wiederauferstehung der „richtigen Kerb“ gefeiert – mit Livemusik und Kerwe-Redd und allem drum und dran.

Nein, in diesem Jahr wollten sich die Kergeler Straußbuwe und Straußmäde ihre Kerb von der Corona-Krise nicht noch einmal vermiesen lassen. Wir erinnern uns: Noch 2020 sorgten die Pandemie-Auflagen dafür, dass mit einer ordentlichen Kerb nix war. Stattdessen gab’s eine kontrollierte „Baustellen-Inspektion“ an einem Gebäude gegenüber der Kultkneipe „Tante Milli“ – getreu dem spontanen Motto: „Wenn schon ein Gerüst da steht, dann kann man von dort aus ja auch eine Rede halten“. (wir berichteten). Aber auch wenn das witzig war, eine echte Kerb konnte dieser Einfall nicht ersetzen. In diesem Jahr nun, und mit Einlass-Kontrolle auf Basis der 3G-Regel (getestet, geimpft, genesen), wurde wieder richtig gefeiert. Natürlich wieder vor der „Tante Milli“. Der Samstag bot mit dem Konzert der Band A.C.O. – also Arnulf Ochs, Clifford Ayers und Christoph „Osmo“ Ohsiek, unterstützt von Uwe Jolly – schon mal für den Einstiegs-Sound of Kergeler Kerb 2021.

Traditioneller Höhepunkt des Festwochendes ist und bleibt aber natürlich der Sonntag mit der mit Spannung erwarteten Kerwerredd. Wer hat’s in die gereimten Zeilen reingeschafft und warum? Was hat sich an zurückliegenden Monaten an in vielerlei Hinsicht an Kuriosem und Bemerkenswertem zugetragen? Wer hat sich so richtig blamiert? Und was bekommen die Limbacher in diesem Jahr ab? Fragen über Fragen. Und die beantwortete am Sonntag Kerweparrer Yannik Kessler vor zahlreichem Publikum, darunter natürlich Kirkel-Neuhäusels Ortsvorsteher Hans-Dieter Sambach und Kirkels Bürgermeister Frank John. Der musste als Limbacher stellvertretend so einiges einstecken – aber dazu später mehr.

Natürlich stehen viele Geschichten bei einer Kerweredd im Mittelpunkt, die für Außenstehende nicht immer ganz erklärlich sind. Aber immerhin konnte man ohne Zweifel auch als Nicht-Kirkel-Neuhäusler als Botschaft vom Sonntag mitnehmen, dass man sich nicht bei jedem im Ort Tipps für den Bau eines Swimming-Pools holen sollte. Das hat was mit hohem Schaufel-Engagement und Grabungstiefen zu tun. Da wandelt man mitunter auf einem „schmalen“ Grat. Und wenn es um Polizeikontrollen geht, dann sollte man als Kergeler Straußbub nicht unbedingt die Alkohol-Messgeräte der Beamten, auch wenn’s „Pälzer sinn“, anzweifeln – wenn die null Promille anzeigen, trotz ordentlichem Restalkohol. Auf eine Namensnennung verzichten wir hier gnädig, das Feld des Spotts wurde da am Sonntag schon reich bestellt.

Immer wieder wurde natürlich auch die Konkurrenz zum Nachbardorf Limbach wortreich bedient. Dass die Straußbuwe und Straußmäde mehrfach und lautstark dazu aufforderten, den Verwaltungssitz der Burgemeinde zu einer großangelegten Parkzone, allerdings keine mit Wiesen und Wäldern, umzuwandeln, das war nur eine der Botschaften in Richtung Limbach. Und auch der Umstand, dass eine Kirkeler Vereinsvorsitzende es gewagt hatte, in Limbach zu feiern, ließ Yannic Kessler mit deutlich „scharfem“ Unterton nicht unerwähnt. Man konnte fast meinen, er hätte diese Idee irgendwie närrisch gefunden. Und auch die „Roll-Rasen-Affäre“ bei der Palatia, Stichwort: „Geklaut oder nicht geklaut, das ist hier die Frage“, konnte sich der Kerwerparrer nicht als Chance entgehen lassen, den Limbachern noch eins mitzugeben.

So reimte sich Yannic Kessler von hier nach da quer durch das zurückliegende Jahr. Und unter der großen Leiter folgten nicht nur die Straußbuwe und Straußmäde seinen Worten, sondern natürlich auch Christina Kessler, Kerwermutter und Wirtin der „Tante Milli“. Sie hatte es geschafft, der Kerb nach dem mageren Jahr 2020 wieder eine ordentliche Reanimation zu verpassen. Die große Kunst dabei war, den Spagat zu schaffen zwischen Spaß und Verantwortung, immerhin ist die Corona-Pandemie ja noch lange nicht vorbei. Also galt es, sich an den mit Sicherheitspersonal besetzten beiden Zugängen vor der Milli als 3G-tauglich einzuweisen. Wer das konnte, der erhielt ein kleines Armbändchen und damit die offizielle Berechtigung, ebenso offiziell abzufeiern.

Und zu feiern gab es nach Monaten der Party-Pause, nicht nur in Kirkel, jede Menge. Und daran hatte auch die Band Firma Holunder ihren Anteil, die am Sonntag rund um die Kerweredd für Stimmung sorgte. Da wurde getanzt und mitgesungen. Dass das Wetter zudem mitspielte, Bier ohne Unterbrechung lief und viele, viele Gäste die Kerb feierten, machten den „höchsten Festtag“ dann komplett.

 Kerwepfarrer Yannic Kessler hatte einiges zu berichten.
Kerwepfarrer Yannic Kessler hatte einiges zu berichten. Foto: Thorsten Wolf

Die Latte in Sachen Kerb hängt jetzt also hoch in der Burggemeinde. Man darf gespannt sein, was Limbach, laut Hans-Dieter Sambach „Vorort“ von Kirkel-Neuhäusel, in diesem Jahr auf die Beine stellt. Eins ist allerdings definitiv sicher: Einen Parkplatz werden sie ganz sicher nicht bauen.