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Lisa König aus Homburg macht aus alten PET-Flasche eine Outdoor-Decke

So wird aus einer Idee ein Unternehmen : Homburgerin macht eine Decke für Abenteurer aus alten Plastikflaschen

Lisa König kommt aus Homburg, liebt das Reisen und die Konzentration aufs Wesentliche. Nun hat die zweifache Mutter eine Decke entworfen, die aus gebrauchten PET-Flaschen hergestellt wird. Was nötig ist, damit aus einer Idee ein Unternehmen wird, das für Nachhaltigkeit steht, hat sie im Gespräch mit unserer Zeitung verraten.

Für Eltern ist das erste Wort ihrer Kinder etwas ganz Besonderes. Und nein, es ist nicht immer Mama oder Papa – auch wenn man sich das natürlich wünscht. Als Lisa Königs Sohn zu sprechen begann, da bekamen seine Eltern gleich zu Anfang „Müll“ aus seinem Mund zu hören, es war sein Wort Nummer drei, sagt seine Mutter.  Und im Grunde war das die Geburtsstunde ihrer Outdoor-Decke oder zumindest der Idee davon. Denn die Decke, deren erste Exemplare demnächst ausgeliefert werden, wird aus dem gefertigt, das andere wegwerfen: gebrauchten PET-Flaschen, 41 stecken in jedem Exemplar. Müll sei einfach pauschal und überall ein Problem, erklärt Lisa König. 30 Länder habe sie in den vergangenen zehn Jahren bereist, keines habe „seinen Müll im Griff“.

Für die 34-Jährige ist die Entwicklung der vergangenen Wochen noch kaum zu fassen: Sie hat für ihre Idee gerade mehr als 33 000 Euro eingesammelt über eine Crowdfunding-Kampagne, einer Finanzierungsmöglichkeit für Gründer, die darauf abzielt, dass viele Menschen ein Projekt unterstützen – mit überschaubaren Geldbeiträgen (Details zum Crowdfunding siehe Infokasten). Über 400 Mal wurde ihre Decke im Vorverkauf bereits geordert. Inzwischen ist ihr Shop online, Unfold nicht mehr nur eine gute Geschichte, sondern ein Unternehmen.

Dass die Decke aus Müll gefertigt wird, ist dabei nur die eine Seite. Zu Lisa König  gehört auch ihre Leidenschaft  für das Reisen, und dabei sei sie eben auch sehr minimalistisch unterwegs. Dinge, die sie mitnimmt, sollten möglichst vielseitig verwendbar sein und lange halten. Das passt wiederum zum Thema Nachhaltigkeit.

Im Moment lebt sie mit ihrem Mann, dem kleinen Sohn und ihrer viereinhalbjährigen Tochter auf Teneriffa, es ist eine Station ihrer Weltreise, geplant für die Elternzeit. Die Wirtschaftsingenieurin arbeitet sonst als Projektleiterin für Technik-IT-Projekte in Hamburg, das viele Kilometer, aber eben auch nur ein Buchstabe von ihrer Heimatstadt Homburg trennt. Hier hat sie das Gymnasium Johanneum besucht, und hier wohnen auch noch die Eltern.

2019, ihr Sohn war da gerade acht Wochen alt, ist die Familie aufgebrochen. Zunächst ging es im Camper durch Deutschland, dann waren es Ziele in Europa, schließlich ging es nach Kanada, in die USA, nach Mittel- und Südamerika, in Kolumbien hat die Familie dann die Corona-Pandemie erwischt, mit einem der letzten Flieger kamen sie im März 2020 nach Deutschland zurück. „Erstmal ging da ja gar nichts mehr.“ Das warf die Pläne komplett durcheinander, sobald wieder irgendetwas möglich war, sattelten sie um „von Fernzielen auf den Camper“, erzählt sie. Sich zurückzulehnen, ausruhen, einfach nichts tun, das ist nicht so ihre Sache. Abends am Campingtisch hat sie ihr Unternehmen gegründet und entwickelt. Praktisch war das nicht immer, aber es habe auch dazu gezwungen, Lösungen zu finden.

Aber warum denn jetzt gerade eine Decke? Am Anfang stand eine eigene Erfahrung. Die Familie sei mit dem Baby im Elbsandsteingebirge auf Tour gewesen. „Da ist uns klar geworden, wie viele verschiedene Decken wir mitnehmen mussten“, sagt König und zählt auf: eine Picknickdecke zum Draufsetzen, die aber nicht als Zudecke fürs Kind funktioniert. Eine kuschelige Zudecke, die aber ungeeignet war für den Boden. Eine Wolldecke, die zwar warm, aber nicht waschbar war. Hier sei dann die Idee entstanden, etwas zu entwickeln, mit dem sich alles unter einen Hut bringen lässt.

Aus der Kombination: Nachhaltig, dazu vielseitig verwendbar, wurde dann die Outdoor-Decke mit einer flauschigen und einer wasserdichten, weil beschichteten  Seite. Beides funktioniere mit den gleichen Pellets, erklärt sie, warum  es denn nun ausgerechnet recyceltes PET wurde. Sie habe gewusst, dass aus diesem Material unterschiedliche Garne hergestellt werden können und dass man daraus vieles machen könne, von der Yogamatte bis zum Rucksack, sagt Lisa König. (Details zu PET siehe Infobox).

Es ist immer auch eine Reise mit vielen neuen Wegen, wenn eine unternehmerische Idee umgesetzt werden soll. Zunächst musste Lisa König  erst einmal einen Hersteller finden, der ein Muster so einer Decke liefern konnte. Das war nicht so einfach, denn nach vielen E-Mails und umfangreicher Recherche habe sich herausgestellt, dass in Europa praktisch keine Outdoor-Produkte hergestellt werden. Deswegen musste sie vom ursprünglichen Plan, die Decke in Europa oder Deutschland fertigen zu lassen, abrücken. Sie arbeite jetzt mit einer Firma in China zusammen. Die hätten ihr sehr schnell Muster zugeschickt, in denen genau ihre Ideen umgesetzt sind, zudem ausgestattet mit den passenden Zertifikaten und Nachweisen.  Seit einem halben Jahr sei sie mit der Firma täglich in Kontakt. „Es ist eine richtige Partnerschaft daraus geworden.“ Die Erstlings-Decken hat sie dann selbst ausgiebig getestet: mehrfach gewaschen, auch mal zu heiß, sie in den Sand gelegt, zum Beispiel. Außerdem habe ich „zwei kleine Tester, die damit wirklich nicht zimperlich umgehen“. Ganz aufgeben will sie den Plan, doch noch eine europäische Lösung zu finden, aber  nicht: „Wir glauben noch daran.“

Die Idee und das Produkt sind das eine, die andere Frage sei: Wird es überhaupt gebraucht? Denn auch das ist einer ihrer Grundsätze: Man sollte nichts produzieren, was nicht sein muss.  Hier schlug sie dann mit der Crowdfunding-Finanzierung sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn einerseits konnte sie damit Geld für ihr Projekt einsammeln, andererseits konnte sie so auch feststellen, ob überhaupt jemand die Decke haben möchte. Die 400 Vorbestellungen zeigten: Es gibt dafür eine Markt. „Ich hätte nie gedacht, dass es so gut ankommt.“  Anstrengend seien die sechs Wochen der Kampagne dennoch gewesen, denn es gehe ja nicht nur ums Warten und die Spannung, ob daraus überhaupt etwas wird. „Man darf auch nicht müde werden, es immer wieder zu kommunizieren.“ Neben Freunden und Bekannten hat die Wirtschaftsförderung Saarpfalz Lisa Königs Projekt unterstützt, auch in der Online-Reihe zum fairen Handel, die von Homburgs Fairtradebeauftragter Anke Michalsky organisiert wird, konnte sie es vor kurzem vorstellen.

Nun genießt Lisa König mit ihrer Familie die letzten Wochen auf Teneriffa, dann geht es im Juni nach Homburg, wo hoffentlich die Outdoor-Decken schon bald eintreffen.  Noch hängen sie nach der Blockade durch einen Schiffsunfall vor einigen Wochen im Rückstau am Suezkanal fest. Lange werden sie und ihre Familie nicht im Saarland bleiben: Sie werden wieder in ihren Camper steigen und losfahren. Die Abenteuer-Decke werden sie sicher dabei haben.

https://unfold-outdoor.de/