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Boris Nicolai in Tokio: Deshalb hatte Sportler aus St. Ingbert Pech

St. Ingberter bei paralympischen Spielen : Ehrenplatz für Boris Nicolai im Goldenen Buch

Nach seinem Abenteuer in Tokio hat Boris Nicolai Spaß an den paralympischen Spielen gefunden. Der St. Ingberter träumt schon vom Boccia-Wettbewerb in Paris in drei Jahren.

 Sportlich lief es für Boris Nicolai in Tokio nicht wie von der ganzen Stadt erhofft. Dennoch hat der erste deutsche Teilnehmer bei den paralympischen Spiele im Para Boccia eine besondere Anerkennung in seiner Heimatstadt erhalten. Dort durfte sich 36-Jährige jetzt ins Goldene Buch der Stadt verewigen. Auf einer Seite hinter Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger. Und unmittelbar vor Verfassungsrichter Peter Müller, der kurze Zeit danach in St. Ingbert weilte.

Oberbürgermeister Ulli Meyer hatte neben dem ehrenvollen Eintrag auch ein bisschen Trost für Nicolai in den kleinen Sitzungssaal der Rathauses mitgebracht. Es gelte vor allem das olympische Motto „Dabeisein ist alles“. Darüber hinaus könne dem St. Ingberter Sportler niemand nehmen, bei dem – auch durch die Corona-Bedingungen – für immer einzigartigen Ereignis dabei gewesen zu sein.

Die kurzen Momente am Tisch mit dem Goldenen Buch waren allerdings zugegebenermaßen die am wenigsten spannenden an diesem Nachmittag. Dafür hatte der Paralympionike aus St. Ingbert zu viele fesselnde Antworten auf die unzähligen Fragen rund um seinen Trip nach Tokio. Die 15 Tage in Japan hinterließen Eindrücke für ein ganzes Buch. Nicolai verbrachte sieben Tage in einem Vorbereitungscamp und acht Tage am Wettkampfort in Tokio. „Schon zwei Tage nach seinem Ausscheiden musste ich wieder heimreisen.“ Aber auch hier fand sich ein Trost. „Wegen der Corona-Bestimmungen bei den paralympischen Spielen hätte ich die Abschlussfeier ohnehin verpasst.“

Die Eröffnungsfeier im Nationalstadion von Tokio wiederum nannte Nicolai neben dem Kontakt zu Sportlern aus aller Welt („natürlich mit Abstand“) als schönste Erfahrung bei seinem sportlichen Abenteuer. „Aus den Katakomben zusammen mit 150 anderen Athleten sowie Trainern aus Deutschland ins das Stadion einzuziehen, das war schon cool – auch ohne Zuschauer.“

Ansonsten kam für den St. Ingberter während den Japan-Wochen einiges Unvergessliche zusammen. Sportlich hatte Nicolai aber Pech. Der Para-Boccia-Spieler kämpfte nach eigener Einschätzung mit Nervosität und Erfolgsdruck. Schon beim ersten Auftritt musste er ausgerechnet im großen Centercourt mit Livestream spielen. Zudem war die Gruppenauslosung in der Kategorie BC4 unglücklich. „Ich bekam zwei Sportler aus Kolumbien zugelost. Die traten zunächst gegeneinander an und ich musste sofort gegen eine starke Slowakin spielen.“ Und das in dem Wissen, dass nur der Gruppensieg ein Weiterkommen ermöglicht. „Vielleicht habe ich zu viel trainiert, zu viel gewollt oder die Wettkampfpause seit Oktober 2019 war zu lang.“

Und die Corona-Regeln? Die waren sehr streng, wie Nicolai erzählt. „Ich musste trotz vollständiger Impfung täglich einen PCR-Test machen.“ Überhaupt sei Kontrolle alles gewesen. Ein Beispiel: „Bei Fahrten aus dem paralympischen Dorf zu Trainings- oder Wettkampfhallen wurde immer erst die Temperatur gemessen und der Bus versiegelt. Dann bei der Ankunft alles von vorne: Versiegelung gecheckt, alle Businsassen überprüft und wieder Fiebermessung. Erst dann durfte man weiter zur Halle.“ Folge: „Für die drei Kilometer lange Busfahrt vom Quartier zum Spielort musste man statt fünf Minuten eine halbe Stunde veranschlagen.“

Und die Verpflegung? Im Vorbereitungscamp in Zaruoka versuchte es Nicolai mit „Wechselkost“. „Einen über den anderen Tag japanisch („Fischsuppe zum Frühstück ist gewöhnungsbedürftig“), dann europäisch. Im olympischen Dorf folgte aber das Schlaraffenland: „Dort stand ein 50 Meter langes Buffet mit zwei Etagen. Rund um die Uhr gab’s alles, was man sich vorstellen kann.“

Doch jetzt heißt es für Boris Nicolai: nach den Spielen ist vor der Spielen. Die Europameisterschaft im Para Boccia im Herbst ist der erste Schritt nach Paris, wo 2024 die paralympischen Spiele ausgetragen werden. Dort wäre der St. Ingberter gerne dabei. „Hoffentlich können sich für Paris nicht nur einer, sondern mindestens zwei oder drei deutsche Athletinnen und Atheleten aus meiner Sportart qualifizieren. Das würde dem Para Boccia auch mehr öffentliches Gewicht verleihen.“