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Einkaufen in St. Ingbert: So wird für eine lebendige Innenstadt gesorgt

Stationärer Handel : So stärkt St. Ingbert die Innenstadt

Im Gegensatz zu anderen Kommunen blickt man in St. Ingbert positiv auf die Zukunft des stationären Handels. Ein Stadtrundgang zeigt, wo Neues entsteht und gelingt.

Der Handel vor Ort leidet. Statt im Laden nach den gewünschten Waren zu suchen, ziehen viele Menschen es vor, am Computer einzukaufen. Wenige Klicks, und das Produkt ist bestellt, garantierte Lieferung in wenigen Tagen. Garantie auch dafür, dass sich das Stadtbild einer Kommune verändert. Ausbleibende Umsätze im stationären Handel sorgen dafür, dass Einzelhändler schließen müssen. Zurück bleiben verwaiste Bauten, Leerstände. Ein Teufelskreis, weiß Carsten Meier, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes. „Leerstand macht Standorte für Händler unattraktiv, zieht daher immer weiteren Leerstand nach sich.“

Vorausschauende, zukunftssichere Stadtplanung soll in St. Ingbert solchen Szenarien vorbeugen. „Wir gestalten mit den Unternehmern, entwickeln gemeinsam Lösungen“, sagt Oberbürgermeister Ulli Meyer (CDU). Er hat sein Jackett geschultert und führt die kleine Gruppe im gleißenden Licht der Mittagssonne in Richtung Innenstadt. Oberbürgermeister, der Geschäftsführer der IHK Saar Meier, Verwaltungswirtin Martina Quirin von der Wirtschaftsförderung der Stadt St. Ingbert, Nico Ganster als Vorsitzender des Vereins Handel und Gewerbe in der Stadt und dessen stellvertretender Vorsitzender, Alexander Eich, sie alle wollen sich anschauen, was sich in der St. Ingberter Innenstadt bereits getan hat.

Erste Station: das neue P43-Bürogebäude in der Poststraße. Gebaut dort, wo einst der Discounter-Treff und der Zebra-Markt zu finden waren. „Früher war der Gebäudekomplex in den Händen eines auswärtigen Eigentümerfonds“, erklärt Quirin. Durch einen St. Ingberter Investor habe das Gebäude jetzt diese Aufwertung erfahren. „Wie Sie sehen, hat hier im Neubau mit der ‚Lea’ auch ein italienisches Restaurant eröffnet“, sagt Ganster.

Weiter geht es durch die Unterstadt zum nächsten innerstädtischen Großprojekt, dem Umbau des ehemaligen Sinn-Gebäudes. „Über zehn Jahre stand das Gebäude leer“, erklärt Quirin. Durch Umbau und Sanierung soll dort Raum für modernes Arbeiten geschaffen werden. In „Coworking-Spaces“ und „Open Spaces“ sollen Jungunternehmen ab Mitte 2022 ein attraktives Arbeitsumfeld finden können. „Erste Mieter sind bereits gewonnen“, verdeutlicht Quirin.

Auch beim Thema städtische Sicherheit sehen Quirin und Eich Zugewinn. „Dass die Polizeiinspektion in der Innenstadt gehalten werden konnte, ist nicht selbstverständlich“, sagt Quirin. „Es bedeutet für alle mehr Sicherheit“, stimmt Eich zu. Die Gruppe passiert ein Café, begutachtet ein Geschäft mit Küchenartikeln, während IHK-Saarland-Geschäftsführer Meier und Oberbürgermeister Meyer über die Relevanz des Online-Handels sinnieren. „Der Online-Handel wird wichtiger. Corona ist lediglich als Beschleuniger dieses Trends zu sehen“, sagt Meier. Es müsse in den Ausbau der Breitband-Infrastruktur investiert werden.

Die Gruppe macht Halt vor einem Schaufenster. Gemälde auf Staffeleien sind darin zu sehen. „Das ist Teil unserer erfolgreichen Aktion ‚Kunst im Fenster’. Eine städtische Aktion zur Nutzung von Leerständen“, erklärt Meyer. Künstler aus der Region und Hauseigentümer würden dafür zusammengebracht. Meier jedenfalls zeigt sich überzeugt vom St. Ingberter Konzept gegen Leerstand. „Auch die zeitweise Nutzung der Räume für ‚Pop-up-Stores’, also vorübergehend betriebene Einzelhandelsgeschäfte, kann sinnvoll sein“, erklärt Meier.

„Ein weiteres Beispiel dafür, dass in St. Ingbert inhabergeführte Läden neben Filialisten wie Woolworth, NKD, Tedi, H&M oder Fielmann Fuß fassen können“, sagt Meyer und deutet auf einen Laden für italienische Feinkost, „Il Gattopardo“. „Gute Geschäfte“, wünscht Meier, als sich die Gruppe wieder auf den Weg macht in Richtung Ludwigstraße.

Neueröffnungen sorgen in der Straße dafür, dass ein von Leerstand geprägtes Bild der Vergangenheit angehört. Eröffnet haben dort beispielsweise die Sushi-Bar „Sukido“, die Glasbiermetzgerei, die gegrillte Burger und Würstchen serviert, und am Maxplatz das „Mon“, in dem asiatische Fusionsküche gereicht wird.

Nicht nur neue Gastronomie soll Gäste und Besucher in die Stadt ziehen. Ein wesentlicher Faktor, der den Stadtbesuch attraktiv mache, sei das Parken, erklärt Oberbürgermeister Meyer. „Im gesamten Zentrumsgebiet ist gebührenpflichtiges Parken Vergangenheit. Alle Stadtbesucher parken dort jetzt kostenlos“, sagt Meyer. Zusätzlich will die Stadt mit Anpassungen in der Verkehrsführung dafür sorgen, dass Besucher ungehindert flanieren können und das Stadtzentrum besser erreichbar wird. Dementsprechend sollen die Poststraße verkehrsberuhigt und die Kohlenstraße in beide Richtungen befahrbar werden.

Am städtischen Planungshorizont zeichnet sich zudem „eine Renaissance des innerstädtischen Wohnens“ ab. So nennt es Quirin. Auf den Arealen der ehemaligen Westpfälzischen Verlagsdruckerei und dem Gelände des einstigen Hallenbads sollen neue Wohnungen entstehen. „Insgesamt sehe ich gute Chancen, dass St. Ingbert mit all den Schritten eine lebendige Innenstadt erhalten bleibt“, sagt Quirin. IHK-Saarland-Geschäftsführer Meier sieht St. Ingbert in Sachen Innenstadtentwicklung saarlandweit „ganz oben dabei“.

Was die Zukunft des stationären Handels betrifft, rät Meier auf vorhandene Stärken zu setzen: „Die persönliche Ansprache und Beratung.“ Zugleich müssten neue Märkte genutzt werden: „Das bedeutet für den stationären Handel, Trends zu erkennen und bewusst Nischen zu besetzen“, erklärt Meier. Die IHK verstehe sich als Netzwerk, sei sowohl Impulsgeber als auch Plattform für alle beteiligten Akteure.

„Wir sind dankbar für die Beratung durch die IHK und die Handwerkskammer“, sagt Meyer. „Meine Eltern hatten selbst ein Geschäft. Ich kann versichern, dass wir in St. Ingbert alles machen werden, was die Zukunft des stationären Handels verbessert und sichert.“