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Gemälde von Künstler Albert Weisgerber werden online ausgestellt

St. Ingberter Künstler bekommt digitale Ausstellung : Weisgerbers Werke wandern ins Internet

Albert Weisgerber gilt als bedeutendster saarländischer Maler der Klassischen Moderne. Zuletzt gab es seine Gemälde selten zu sehen. Das ändert sich jetzt.

Richtig ungemütlich war das Wetter, als die Initiatoren vor wenigen Tagen das digitale Albert-Weisgerber-Museum vorgestellt haben. Und so lieferte das im Schneetreiben stattfindende Treffen vor dem Geburtshaus des Künstlers mit Kapuze und Schutzmaske den besten Beweis dafür, warum es eine zeitgemäße Entscheidung war, seine Werke künftig über das Internet mit allen Interessierten zu teilen.

Zum einen bleibt Weisgerbers Lebenswerk somit der Nachwelt erhalten. Zum anderen bietet die Internetseite – vor allem während der andauernden Corona-Pandemie – die Möglichkeit, das Schaffen eines der berühmtesten Söhne der Stadt ohne Hygienevorkehrungen, Abstandhalten und ohne Wettereinflüsse in Ruhe würdigen zu können.

Seit im Jahr 2007 nach der Auflösung des Albert-Weisgerber-Museums seine rund 400 Werke ins Depot gepackt wurden, war es in den vergangenen Jahren eine Seltenheit, Weisgerbers Kunst live und in Farbe sehen zu können. Zwar gab es immer wieder Ausstellungen, bei denen auch Weisgerber-Originale gezeigt wurden. Doch der geplante Umzug seiner vollständigen Werksammlung in die alte Baumwollspinnerei geriet in die Warteschleife. Bis heute ist das Gebäude nicht bezugsfertig.

Museum bleibt ein Thema

Der Gang ins Internet bietet Weisgerber-Fans zwar keinen gleichwertigen Ersatz für das Museumserlebnis. Doch wie Oberbürgermeister Ulli Meyer erläuterte, wird Weisgerber dadurch zumindest „jedem Bürger wieder zugänglich gemacht“. Trotz des zu begrüßenden Online-Auftritts bezeichnete Meyer, auch Vorsitzender der Albert-Weisgerber-Stiftung, es als eine „Herzensangelegenheit, dass wir die Bilder Weisgerbers wieder in einem Museum präsentieren können“. Wann das passiert, wollte Meyer nicht prognostizieren. Wer zumindest ein bisschen Weisgerber-Luft schnuppern möchte, kann das zurzeit im Saarlandmuseum und dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte, wo insgesamt sieben Originale ausgestellt sind.

Dass es darüber hinaus nun auch das virtuelle Weisgerber-Andenken gibt, ist neben der Albert-Weisgerber-Stiftung dem Rotary Club St. Ingbert zu verdanken. Dessen Vorsitzender Mathias Beers sagte, dass es „gerade in Zeiten, in denen Kunst und Kultur gar nicht erreichbar erscheinen“, für die Rotarier wichtig gewesen sei, „dem bedeutendsten Künstler der Stadt ein virtuelles Museum zu schaffen, das für jeden kunstinteressierten Bürger einfach online zugänglich ist“. Damit würdige man nun das Lebenswerk eines Menschen und Künstlers, „der sich zeit seines Lebens mit St. Ingbert identifiziert hat“.

Weil die Rotarier sich in der Vergangenheit so intensiv mit Weisgerbers Schaffen auseinandergesetzt hätten, sei, wie Beers erzählte, die Frage aufgekommen, ob  Weisgerber unter Umständen sogar selbst Rotarier geworden wäre. Denn auch der Künstler habe sich zu Lebzeiten stets für andere eingesetzt. Oberbürgermeister Meyer sorgte daraufhin für Schmunzler in der Runde als er sagte, zwar nicht belegen zu können, dass sich Weisgerber den Zielen der Rotarier verpflichtet gefühlt hätte, aber sich alle etwas anderem sicher sein könnten: „Er war St. Ingberter.“

Seite geht früher als geplant an den Start

Gemeinsam mit den Rotarieren sei in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur aus Neunkirchen und der Kuratorin der Albert-Weisgerber-Stiftung, Andrea Fischer, in den vergangenen Monaten die Seite entstanden, die nun sogar noch vor ihrem geplanten Veröffentlichungsdatum an Weisgerbers Geburtstag, der sich am 21. April zum 143. Mal jährt, an den Start gehen konnte. Wie Mathias Beers den versammelten Pressevertretern erklärte, habe es im Entstehungsprozess „lange und mühevolle Diskussionen gegeben“, doch das Ergebnis könne sich nun „mehr als sehen lassen“.

Wie Fischer betonte, liege der Fokus der digitalen Sammlung vor allem auf den Gemälden des Künstlers. Neben den Abbildungen aller Werke stünden zusätzlich Werkbeschreibungen, Audiobeiträge und vertiefende Informationen zu Weisgerbers großen Themen bereit. Eine ausführliche Biografie zeichne den Lebensweg des Künstlers nach und begebe sich auf die Spuren des begabten Malers in seiner Heimatstadt St. Ingbert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Weisgerbers schönste Werke