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Klettern: Lucie Molitor aus St. Ingbert wird Dritte bei Lead-DM

Sportklettern : Mit einem Lächeln an der glatten Wand hoch

Lucie Molitor aus St. Ingbert hat bei der deutschen Meisterschaft der Lead-Kletterer in Augsburg die Bronzemedaille gewonnen. Damit krönte die 20-Jährige ein erfolgreiches Jahr.

Klettern – schon ihr halbes Leben lang gehört der Sport für Lucie Molitor zum Alltag. Und kürzlich feierte sie in Augsburg ihren größten Erfolg: Einfach mit dem stolzen Gefühl, dabei sein zu können, war die 20-Jährige St. Ingberterin zur deutschen Meisterschaft im Lead (Klettern mit Seil) gefahren. Zurück kam sie – auch für sie selbst überraschend – mit der Bronzemedaille.

„Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet“, sagt Molitor. Umso schöner sei es, dass gegen die starke nationale Konkurrenz so ein „extrem gutes Ergebnis“ heraussprang. Den DM-Titel sicherte sich Martina Demmel (Kempten) vor Lokalmatadorin Sandra Hopfensitz (Augsburg).

Gut gelaunt erzählt Molitor von ihrem Auftritt. „Die erste Quali-Route lief ziemlich gut. Der Kurs hat mir gelegen, da konnte ich mich ordentlich reinklettern.“ Zu Beginn schaffte die Studentin (Soziale Arbeit) 40 Griffe, lag damit auf dem fünften Platz. In der zweiten Quali habe sie an einer Stelle „zu viel nachgedacht“, sei verunsichert gewesen und habe sich in der Folge auch einen Fehler geleistet. Bereits nach 16 Griffen war Schluss. Es reichte aber dennoch zum Halbfinal-Einzug.

Dort kam Molitor dann „sehr gut in einen Flow“. Doch oben rutschte ihr dann der Fuß weg. „Das war ein bisschen schade. Ich hätte gerne noch ein paar Züge gemacht, weil ich noch relativ viel Kraft übrig hatte und fürchtete, dass ich jetzt raus bin. Ich dachte, wenn ich da noch so viel Kraft habe, dann klettern die anderen da locker drüber.“ Taten sie aber nicht. Mit 36 Griffen landete Molitor auf Rang sechs und qualifizierte sich so für den Endkampf der besten Acht.

Die Freude war der 20-Jährigen, die für den Deutschen Alpen-Verein (DAV) Zweibrücken startet, dann auch beim Herangehen an die Final-Wand anzusehen. Mit einem Lächeln im Gesicht nahm sie diese in Angriff. „Ich habe mich einfach riesig gefreut, dass ich überhaupt ins Finale klettern konnte. Ich wollte die Route genießen und Spaß haben“, erklärt Molitor, die im Alter von zehn Jahren eher zufällig erstmals den Weg in die Kletterhalle fand. „Mein Vater hatte einen Gutschein für das Camp4 in Zweibrücken geschenkt bekommen und hat mich mitgenommen“, erzählt die St. Ingberterin, die dann einer Kindergruppe beigetreten und mit 14 Jahren so richtig in den Klettersport eingestiegen ist.

Wie gut ihre Finalroute rund sechs Jahre später bei der Lead-DM war (mit 24,5 Griffen plus dem Erreichen des nächsten, den sie aber nicht halten konnte), habe sie in dem Moment, als sie ins Seil fiel, noch nicht abschätzen können. Molitor war als Dritte auf die Route gegangen, lag danach auf Rang zwei – die fünf besten des Halbfinales kamen aber noch. „Ich habe überhaupt nicht erwartet, dass die anderen da auch rutschen oder Fehler machen würden“, sagt sie. Doch Molitor sah dann, wie Luisa Flohé (Aachen), Titelverteidigerin Roxana Wienand (Aschaffenburg) sowie die beiden stärksten des Halbfinals, Lucia Dörffel (Chemnitz) und Hannah Meul (Köln), früher fielen als sie selbst. Lediglich die deutsche Meisterin Martina Demmel kam mit starken 30 Griffen noch höher.

DM-Bronze bedeutet für Molitor den bislang größten Erfolg in ihrem Sport, von dem sie gar nicht ganz genau sagen kann, was sie daran gleich so gefesselt hat. „Es ist auf jeden Fall diese Bewegungsvielfalt, dass man lernt, über seine Grenzen hinauszugehen. Manchmal, wenn man eine Bewegung immer wieder versucht hat, wird man einfach überrascht, wenn es endlich klappt. Man hat konkrete Erfolgspunkte“, versucht sie aber doch zu beschreiben, was die Faszination des Kletterns für sie ausmacht. Auch schmerzende Hände können da nicht abschrecken. „Man bekommt schon Hornhaut an die Finger. Aber wenn man viel Klettern oder Bouldern geht, dann werden die Fingerkuppen schnell trotzdem wund und können auch schon mal anfangen zu bluten“, erzählt sie. Aber das nehme sie in Kauf. Nach ein paar Wochen sei es schließlich wieder verheilt, und es gehe wieder ohne Probleme die Wände hoch.

In diesem Jahr ging das für die Saarländerin, die ihre durchschnittlich sechs dreistündigen Einheiten pro Woche vornehmlich im Boulder-Olymp ihres ehemaligen Trainers Mathias Conrad in Bexbach, im Camp4 in Zweibrücken, aber auch im Pfalz-Rock in Frankenthal und zeitweise sogar in Saarlouis absolviert, sehr erfolgreich: In den Disziplinen Lead und Bouldern sicherte sie sich die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft, wurde Zweite bei den westdeutschen Meisterschaften im Lead und nahm an zwei nationalen Titelkämpfen teil, an deren Ende zur Krönung die Bronzemedaille stand.

Und das in einer Zeit, in der viele Sportler unter den Einschränkungen der Pandemie zu leiden hatten. Molitor ist aber auch in dieser schwierigen Phase drangeblieben. Im ersten Lockdown, als sie nicht in die Halle konnte, habe sie zu Hause viel für sich gemacht. „Im langen Lockdown-Winter 20/21 hatte ich glücklicherweise die Möglichkeit, als Kaderathletin in Bexbach zu trainieren. “ Auch derzeit trainiert sie wieder. Denn auch wenn die Saison nun vorbei ist: Ganz ohne Klettern geht es für Lucie Molitor nicht. Und die nächsten Wettkämpfe warten schon.