Obsternte im Saarpfalz-Kreis : Erst Saft, dann Schnaps aus der Heimat

Kaum etwas ist in der Saarpfalz so beliebt wie das Keltern und Brennen von Obst. Jeder Verein hat sein eigenes Rezept und seinen eigenen Zeitplan. Die einen fangen jetzt mit den Äpfeln an, die anderen haben schon Schnaps gebrannt.

Man kann alles brennen: Löwenzahn und Rosenblüten, Saubirne und Vogelbeere, Hundsärsch und Rosmarin. Man kann seine Maische mit Geschmacksrichtungen versehen: Kümmel, Kräuter oder Zimt. Man kann Calvados oder Pastis herstellen – und man kann natürlich auch mal den ganzen Nachmittag nur im Brennhäuschen sitzen und probieren.

Kurzum, die Saarpfalz ist ein Paradies fürs Obst und diejenigen, die es auf vielfache Art verwerten, vom trüben Birnensaft bis zum klaren Mirabellenwasser. Wobei Wasser, wie sogar Laien wissen, durchaus hochprozentig ist und mit dem Leitungswasser nur das durchsichtige Aussehen teilt.

Natürlich bereitet das Obst auch eine Menge Arbeit, aber es geht für die Mitglieder in den heimischen Obst- und Gartenbauvereinen (OGV) nichts über das großartige Gefühl, wenn man es im November verarbeitet und auf Flaschen gezogen hat und diese Flaschen alle in Reih’ und Glied im Brennhäuschen stehen. Das ist die Ernte eines Sommers, der schon im April mit der Kirschbüte beginnt.

„In diesem Jahr war die Kirschblüte sehr gut“, sagt Edgar Emser vom OGV Erbach, „wir hatten keine Fröste, die uns die Ernte verdorben haben.“ Überhaupt sei es ein „großartiges Obstjahr“, es gebe alles, Mirabellen, Quetschen, Äpfel, Birnen. Am vergangenen Samstag startete der OGV mit dem Apfelsaft, „unsere Anlage ist auf dem neuesten Stand. Die Leute kommen aus der ganzen Gegend und bringen ihre Äpfel“. Erst einmal wird es Saft geben, mit dem Brennen beginnt man in Erbach erst Ende November.

„Die Maische braucht sechs bis acht Wochen“, so Emser, „wir beginnen erst mit dem Brennen, wenn wir die ganze Saftproduktion hinter uns  haben“. Und außerdem gibt es eine weitere Frucht, die erst Ende September erwartet wird: die Quitte. „Die ist was ganz Feines“, betont Edgar Emser, „Quittenschnaps ist sehr begehrt.“ Und was trinkt man noch gerne? „Erfahrungsgemäß die Mischschnäpse, zum Beispiel Quitte-Apfel oder Trauben-Quitte.“

Der Bliesgau mit seinen Streuobstwiesen und seinem regen Vereinsleben ist ein Paradies für die Saft- und Schnapsherstellung. „Wolfersheim ist das Schnapsbrennerdorf im Bliesgau schlechthin. Das Besondere ist, man muss seinen Schnaps selbst brennen. Brennereimeister stehen während des Brennvorgangs zur Verfügung, über die Qualität und die Stärke des Brandes entscheidet jedoch der Stoffbesitzer selbst. Man erhält also von seiner eigenen Maische seinen eigenen Schnaps, den man selbst brennen muss. Das ist eher einzigartig in unserer Region. Viele Sorten Schnäpse werden gebrannt, von der Kirsche im August, über die Mirabellen, Zwetschgen, Äpfel und Birnen im Herbst und Winter“, schrieb uns Wolfgang Blumenauer schon vor einigen Jahren.

Und wie sieht es in Ommersheim aus? „Bei uns ist alles sehr gut geworden“, sagt Jürgen Berresheim, der 2. Vorsitzende des OGV, „wir haben unsere Kirschen schon gebrannt. Der Schnaps ist hervorragend“. Die Mirabellen gären gerade, die Birnen sind ebenfalls eingemaischt. Allerdings ist man mit dem Apfelsaft nicht so schnell bei der Hand, „wir warten noch ab. Die Qualität der Äpfel ist nicht gut“.

Es habe schon drei Jahre in Folge im Sommer zu wenig geregnet, so Berresheim, „deshalb enthalten die Äpfel wenig Wasser und wenig Zucker, aber viel Stärke“. Das sei keine gute Basis für schmackhaften Apfelsaft, „denn der Schaum, der sich bei diesen Äpfeln bildet, verstopft unsere Geräte“.

Dieses Jahr sei ein gutes Fruchtjahr gewesen, „aber alles war 14 Tage früher als sonst. Bei den Äpfeln kann man sogar von Notabwürfen sprechen“. Es genüge, mal einen Blick auf die Obstwiesen zu werfen, „da liegt alles voll“. Was sind die Spezialitäten des OGV Ommersheim? „Also, wir machen Gin, unseren eigenen Pastis und einen Anisschnaps, der schmeckt wie Ouzo“.

Pastis klingt gut: „Ja, wir machen unsere eigene Mischung, das ist ziemlich kompliziert. Und wir haben nur positive Rückmeldungen auf unser Rezept.“ Und die Ommersheimer Damen, „die haben eine Vorliebe für unseren Weinbergpfirsichlikör, der auf der Basis von Apfelschnaps hergestellt wird“.

Auch am Höcherberg haben Saft und Schnaps eine lange Tradition. „Wir haben diesmal vor, in größerem Umfang Birnensaft zu keltern“, sagt der Vorsitzende des OGV Höchen, Thomas Hares, „wir haben so viele Birnen, dass sich das richtig lohnt“. Eine Spezialität der Höcher Obst-Fachleute: „Wir machen nur naturtrübe Säfte, beim Klärungsprozess gehen wertvolle Vitamine und Mineralien verloren.“

Aufs Schnapsbrennen freut sich Hares auch schon, „wir haben da immer ein paar Ideen. Diesmal wollen wir mal Birnenschnaps im Barrique ausbauen.“ Auch Gin gibt’s in Höchen, passenderweise „Högin“ genannt.

 Die Kirschblüte ist der erste große Prüfstein für die kommende Obstsaison. Oft kommen im Apil noch Nachtfröste und verderben die Ernte. In diesem Jahr war dies nicht der Fall, der erste Kirschbrand ist sogar schon fertig.
Die Kirschblüte ist der erste große Prüfstein für die kommende Obstsaison. Oft kommen im Apil noch Nachtfröste und verderben die Ernte. In diesem Jahr war dies nicht der Fall, der erste Kirschbrand ist sogar schon fertig. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Beliebt sind bei den Höcher Bürgern die Kümmel- und Kräuterschnäpse des örtlichen Vereins, „Verdauungsschnäpse braucht man sich in Höchen nicht im Laden zu kaufen,“ sagt Hares.