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Roland Nelz aus Hassel,Präsident des Saarländischen Dartverbands, über die Zukunft seiner Sportart

Darts : „Darts-Sportler sind eine kleine Familie“

Der Darts-Sport boomt im Saarland. Das ist dem Aushängeschild Gabriel Clemens geschuldet. Aber auch der Arbeit von Menschen wie Roland Nelz. Der Hasseler engagiert sich seit zehn Jahren im Saarländischen Dartverband. Seit 2019 ist er dessen Präsident.

Wenn am 15. Dezember die Darts-Weltmeisterschaft im legendären Alexandra Palace in London beginnt, werden auch im Saarland viele Menschen gebannt vor dem Bildschirm sitzen und die Daumen drücken. Schließlich greift dort die deutsche Nummer eins, Gabriel Clemens aus Saarwellingen, zu den Pfeilen. Der Erfolg von Clemens ist einer – aber nicht der einzige Grund dafür, dass sich Darts im Saarland immer größerer Beliebtheit erfreut.

„Wir haben die Marke von 30 Vereinen geknackt. Im Saarland gibt es heute rund 260 aktive Spieler. Deshalb haben wir sogar die Zahl der Ligen erhöhen müssen“, freut sich Roland Nelz. Der 49-Jährige aus Hassel ist seit 2019 Präsident des Saarländischen Dartverbandes (SADV). Zu dem Sport kam der Schlosser vor 25 Jahren eher zufällig. Zu einer Zeit, als Darts keine mediale Präsenz genoss, sogar als reiner Kneipensport verschrien war. Ganz abgelegt hat Darts diesen Ruf noch immer nicht, bedauert Nelz. Die großen Turniere werden als eine Art Party mit Kostümen und Festzelt-Atmosphäre inszeniert. „Das bringt Fernsehpräsenz und ist auf der einen Seite natürlich nicht schlecht für uns“, sagt Nelz. Auf der anderen Seite würden die feiernden Menschen inmitten der gelösten Atmosphäre den Eindruck vermitteln, dass Darts zwar eine spaßige, aber keine allzu ernste Angelegenheit sei.

Ein Eindruck, der trügt, sagt Nelz. Denn sportliche Höchstleistungen und Spaß seien keine Faktoren, die sich ausschließen. Weder bei den in alle Teile der Welt übertragenen Turnieren, noch im kleineren Rahmen auf lokaler Ebene. „Während unseren Spielen wirft niemand ohne Ehrgeiz auf die Scheibe. Wenn ein wenig gefeiert wird – dann hinterher“, sagt der Hasseler, der im Alter von 24 Jahren zum ersten Mal mit Darts in Berührung kam, als er von einem Kumpel überredet wurde, mit in eine Gastwirtschaft in Rentrisch zu kommen.

Die gesteigerte mediale Präsenz, die Darts erfahren hat, habe zu einem Zulauf in den Vereinen geführt. Doch die Nachwuchsarbeit bleibt schwierig. Eltern haben mitunter Bedenken, ihre Kinder eine Sportart ausüben zu lassen, die in vielen Köpfen noch mit der Kneipe um die Ecke assoziiert wird.

„Wenn du nur so gesehen wirst, ist es natürlich schwer, gerade jüngere Spieler in einen Verein zu bekommen“, sagt Nelz. Wer sich ein echtes Bild davon machen wolle „was bei uns sportlich geleistet wird, kann das in unserer Halle in Geislautern tun“, erklärt der 49-Jährige. Die Kulturhalle des Dorfgemeinschaftshauses dient dem SADV als Zentrum für die Trainings- und Nachwuchsarbeit. In Geislautern werden am 15. August 2022 wie schon in diesem Jahr auch die Saarlandmeisterschaften im Doppel ausgetragen.

Im Verein spielt Roland Nelz für den in St. Ingbert ansässigen DC Stones, dessen Vorsitzender er seit 2012 ist. Was er am Darts-Sport auf Vereinsebene mag: „Du spielst zwar für dich alleine, aber am Ende werden die Punkte zusammengerechnet. Was zählt ist das Team. Darts-Sportler sind immer auch eine kleine Familie.“

Seine Liebe zum Sport hat er auch an Tochter Vanessa weitergegeben, die 2015 Zweite beim Turnier „German Masters Jugend“ wurde und in die deutsche Jugend-Nationalmannschaft berufen wurde. Ab 2018 konzentrierte sie sich zunächst auf ihre Ausbildung. Als sie diese abgeschlossen hatte, wollte Vanessa wieder angreifen, doch Corona machte dem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung. „Aber gerade kommt wieder alles ins Rollen. Mein Ziel bleibt die Berufung ins deutsche Nationalteam der Damen“, sagt sie.

Die Funktionärstätigkeit ihres Vaters Roland beim SADV begann 2011 als Landesspielleiter. 2018 wurde er zum Vizepräsidenten gewählt, seit 2019 steht er dem Verband als Präsident vor. Aushängeschilder wie Gabriel Clemens seien wichtig dafür, dass sich die Sportart auch in Zukunft weiter so gut entwickelt, ist sich der 49-Jährige sicher. „Gabriel ist ein sehr guter Bekannter von mir und hat trotz seiner großen internationalen Erfolge nie die Bodenhaftung verloren. Der Kontakt zur saarländischen Basis, wo er herkommt, ist ihm extrem wichtig. Oft tritt er auch noch bei den Turnieren hier in der Region selbst an. Und natürlich schauen die Nachwuchsspieler gerade zu solch einem bekannten Spieler wie ‚Gaga’ auf.“

Keine Frage: Auch Roland Nelz wird einer jener Saarländer sein, die gebannt vor dem Bildschirm sitzen und die Daumen drücken, wenn am 15. Dezember die Darts-Weltmeisterschaft im Alexandra Palace in London beginnt.