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SGH st. Ingbert und Martin Rokay gehen getrennte Wege

Handball-Saarlandliga : Die SGH steht plötzlich ohne Trainer da

In rund drei Wochen wird Handball-Saarlandligist SGH St. Ingbert mit einem Heimspiel gegen den HSV Merzig-Hilbringen in die neue Saison starten. Wer dann bei den St. Ingbertern an der Seitenlinie stehen wird, ist allerdings fraglich. Nur eines ist sicher: Martin Rokay, der die SGH seit 2019 trainiert hat, wird es nicht mehr sein.

Rund drei Wochen vor dem geplantem Saisonstart in der Handball-Saarlandliga steht die SGH St. Ingbert ohne Trainer da. Wie der Verein auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung bestätigte, kündigte Martin Rokay in der zweiten August-Woche seinen Trainervertrag. „Unser Standpunkt war, dass wir mit dem Trainer in die Saison gehen und sie hoffentlich auch mit ihm beenden“, berichtet der Vorsitzende Johannes Engel und führt aus: „Diese Entscheidung ist nicht einvernehmlich entstanden. Wir hatten uns im Dezember eigentlich beidseitig auf eine Verlängerung der Zusammenarbeit verständigt.“ Auch ein entsprechender Vertrag existierte.

Was war passiert? „Wir waren mit der sportlichen Entwicklung, und ich kann das für den ganzen Vorstand sagen, sehr zufrieden“, betont der Vorsitzende. Soweit nachvollziehbar: Die SGH rangierte in der letzten ausgetragenen Saison, die nach 21 Saisonspielen corona-bedingt im März 2020 abgebrochen wurde, auf Platz drei – ihr bestes Ergebnis seit dem Aufstieg 2016. „Sportlich haben die Rahmenbedingungen gestimmt“, stimmt auch Rokay zu. Zu den Gründen seiner Entscheidung erklärt er aber: „Es gab Meinungsverschiedenheiten, weil der Verein einseitig Dinge beschlossen hat, ohne diese mit mir abzusprechen. Auf dieser Basis bin ich nicht mehr bereit, den erheblichen Aufwand zu betreiben.“ Eine Teilerklärung dieser „Meinungsverschiedenheiten“ liefert Rokay. Er kritisiert: „Wegen der Hallensituation hat ein gewisser Frust bei mir geherrscht, weil von Vereinsseite versäumt wurde, die im Vorbereitungsplan abgesprochenen Hallenzeiten frühzeitig zu belegen.“

Doch es gab offenbar auch finanzielle Gründe. „Als im vergangenen Jahr trainiert wurde, haben wir das volle Gehalt bezahlt, auch für angebrochene Monate. Aber als wegen Corona kein Trainings- und Spielbetrieb stattfand, haben wir auch keine Gehälter bezahlt. Das war so auch klar kommuniziert“, sagt Engel. Schon darüber habe es wohl Unstimmigkeiten gegeben, die die Zusammenarbeit belasteten. Weiter bestätigte der Verein SZ-Informationen, dass er das Juli-Gehalt Rokays um 25 Prozent gekürzt habe. Denn Rokay habe im Juli nur 50 Prozent der Trainingseinheiten betreuen können. „Der Trainervertrag sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, die Zahlung der tatsächlichen Anwesenheit anzupassen. Wir hätten sogar noch Luft gehabt“, hebt Engel hervor. Letztlich sei Rokay kurzfristig nach dieser Zahlung an den Verein herangetreten und habe seine Entscheidung mitgeteilt. Der inzwischen ehemalige Trainer wollte diese Aussagen nicht kommentieren. Er sagte: „Ich habe immer meinen Teil der vereinbarten Leistung erbracht. Im Detail möchte ich mich nicht weiter dazu äußern, da es sich um interne Dinge handelt.“ Der erste Teil seiner Aussage deckt sich dabei mit dem Standpunkt der SGH: „Aus unserer Sicht wurden alle Vereinbarungen erfüllt, im Zweifel sogar eher übererfüllt“, sagt auch Engel, der sich eine kleine Spitze aber nicht verkneifen kann: „Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.“

Das Training der Mannschaft hat nun interimsweise Rückraum-Spieler Philip Forster übernommen, der dabei Unterstützung von seinem Mannschaftskollegen Thomas Zellmer erhält. Der Verein muss indes das nahezu Unmögliche möglich machen: Auf einem fast leeren Markt bis zum Auftakt am Samstag, 18. September, zu Hause gegen den HSV Merzig-Hilbringen einen Trainer für die Saarlandliga finden. „Wir wollen einen reinen Trainer und haben schon mit Kandidaten gesprochen“, berichtet Engel. Gerüchte, dass der Verein im Gespräch mit Heinz-Werner Guthörl stehe, kommentierten beide Parteien nicht. Engel sagt: „Die Mannschaft ist intakt, die Stimmung in der Mannschaft sehr gut. Aber es ist kurzfristig. Die Suche wird daher sehr schwierig.“

Für die 2. Mannschaft , die in der Bezirksliga Ost spielt, hat der Verein derweil Marek Kordowiecki verpflichtet. Er war bei der SGH zuletzt in der Saison 2017/2018 tätig.