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St. Ingbert wird im Saarland zum Silicon Valley für Cybersicherheit

Cispa-Innovationscampus : St. Ingbert soll ein Silicon Valley der Cybersicherheit werden

St. Ingbert soll Standort des geplanten Cispa-Innovationscampus werden. Einen weiteren Schritt sind Stadt und Cispa nun gegangen. Mit weitreichen­den Folgen.

Das Internet verbindet – es ist Pulsader für Informationen, Eindrücke und Meinungen. Zugleich ist es ein Ort latenter Gefahren. Innerhalb von Sekundenbruchteilen wächst die Zahl der Bedrohungen täglich. Kriminelle nutzen Schadsoftware auf verschiedenste Art, um sich Zugang zum Gerät des Surfenden zu verschaffen und so an die wertvollste Währung der digitalen Welt zu gelangen: Daten.

Der Kampf gegen neue Bedrohungen im Netz gleicht einem gegen Windmühlen. Aber es ist ein weltweit notwendiger Kampf, den auch die Wissenschaft aufgenommen hat. Im Saarland wurde dem noch jungen Forschungsfeld der Cybersicherheit 2011 der Weg bereitet. Damals wurde an der Universität des Saarlandes das Cispa (Center for IT-Security, Privacy and Accountability) Kompetenzzentrum für IT-Sicherheit und Datenschutz gegründet. Als nationales Kompetenzzentrum wird es damals vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert.

 Die damals über 200 Mitarbeiter des Zentrums (heute sind es mittlerweile 360) ziehen 2016 in ein eigenes Gebäude auf dem Uni-Campus. 2019 wird das Cispa dann Teil der Helmholtz-Forschungsgemeinschaft und so zum Cispa Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit. Standorte außerhalb Saarbrückens werden ins Auge gefasst. Michael Backes, Gründungsdirektor und Vorsitzender der Cispa-Geschäftsleitung, findet sie in Ingbert. Im September 2020 beziehen ein Gründungs-Team und ein Tech-Transfer-Team des Cispa den im Beckerturm eingerichteten „Coworking-Space“. Im November wird schließlich ein Schülerlabor für Cybersicherheit  – das Cysec Lab – im Erdgeschoss des Beckerturms eingerichtet. Wegen Corona verzögert sich dessen Eröffnung. Sie ist für den Frühsommer 2022 vorgesehen.

Für das dritte Quartal 2022 plant das Cispa den vorübergehenden Einzug Forschender ins ehemalige Sinn-Gebäude in St. Ingbert. Drei Etagen sollen laut Cispa gemietet werden und 80 Wissenschaftlern Raum zum Forschen geben. Der Bezug des Sinn-Gebäudes diene in den kommenden Jahren als Zwischenlösung.

Denn in St. Ingbert ist Größeres geplant. In absehbarer Zukunft soll ein Innovationscampus (der Cispa-Innovation Campus) im Gewerbegebiet Alte Schmelz entstehen. Nach Cispa-Angaben soll der Campus ein Areal für Unternehmen und Start-ups der Digitalwirtschaft sein. Die Verhandlungen zwischen Stadt, Cispa, der SHS Strukturholding Saar GmbH und privaten Investoren laufen bereits seit 2020.

Die St. Ingberter Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag (9. Dezember) leistete der Umsetzung des Campus-Projekts Vorschub. Der Stadtrat stimmte der Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung des Campus durch Stadt und Cispa zu. Die Erklärung sieht vor, dass einer gemeinsamen Entwicklungsgesellschaft die Verwirklichung des Campus obliegt. Die Entwicklungsgesellschaft soll Ausgründungen von Betrieben im Bereich der Cybersicherheit, der künstlichen Intelligenz und der Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützen.

Die Gesellschaft, die keinen Grundbesitz erwirbt, soll zwei Geschäftsführer haben. Einer derer wird auf Vorschlag des Cispa ernannt und ist zuständig für den Wissens- und Technologietransfer aus dem Cispa zum künftigen Campus. Der zweite Geschäftsführer kümmert sich um die Ansiedlung der Unternehmen und wird von der Stadt ernannt. Laut Ratsunterlagen ist Stefan Braun, derzeit Geschäftsführer des Innovationsparks am Beckerturm, für das Amt vorgesehen.

Michael Backes, der vor der Beschlussfassung im Stadtrat den Ratsmitgliedern die Ziele des künftigen Campus erläuterte, nannte diesen ein Geschenk an die Stadt. Es sei das Ziel, junge und gut ausgebildete Menschen nach St. Ingbert zu bringen. „Die Zahl der Mitarbeiter am Cispa wächst exponentiell. Mit dem Innovation Campus werden hunderte Arbeitsplätze entstehen“, sagte Backes. Das ebenfalls geplante „Cispa Village“ werde den Mitarbeitern attraktiven Wohnraum in St. Ingbert bieten.

Oberbürgermeister Ulli Meyer (CDU) betonte im Stadtrat, die IT-Sicherheitsforschung in St. Ingbert zu beheimaten, sei eine große Chance. „Mit der Absichtserklärung schaffen wir Fakten für die gemeinsame Zukunft von St. Ingbert und der Spitzenforschung am Cispa.“