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Stadtrat St. Ingbert macht Poststraße in Zukunft frei für Radfahrer

St. Ingbert : Poststraße wird Raum für Radfahrer

Der St. Ingberter Stadtrat hat am Donnerstag die Öffnung der Poststraße für den Radverkehr beschlossen. Ab wann darf dort wo geradelt werden? Und wirkt sich die Öffnung auf weitere Straßen aus?

Der Radverkehr als klimafreundliche Mobilitätsvariante gewinnt an Bedeutung im Alltag der Menschen. Nicht nur bei kurzen Strecken ist Radfahren eine gesunde Alternative zur Autofahrt. Vielerorts macht fehlende Radweg-Infrastruktur den Umstieg aufs Zweirad jedoch unattraktiv. Die Politik hat die Zeichen der Zeit erkannt und reagiert. Sie misst dem Radverkehr teilweise einen höheren Stellenwert bei, indem zum Beispiel die Gleichwertigkeit von Rad- und Autoverkehr gesetzlich geregelt wird. So hat die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ein Gesetz verabschiedet, das den Status von Fahrrad und Auto als gleichrangig justiert. Nordrhein-Westfalen ist damit das erste Bundesland mit eigenem Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz.

Auch in St. Ingbert wird zu Gunsten der Radmobilität gestaltet. In der Sitzung am Donnerstagabend (9. Dezember) bestätigte der Stadtrat die bereits länger laufende Planung, die Poststraße für den Radverkehr zu öffnen.

Oberbürgermeister Ulli Meyer (CDU) nannte dies einen wichtigen Schritt, der Radfahrern die Strecke von Saarbrücken über St. Ingbert bis Homburg nun vollständig erschließe. Auch aus der SPD-Stadtratsfraktion gab es anerkennende Worte für die so erreichte „Durchgängigkeit“ des Radverkehrs. Die Stadt plant die Umsetzung der Maßnahme für 2023. Die Kosten der Finanzierung von insgesamt 975 000 Euro sollen Teil des Doppelhaushalts 2023/2024 werden, heißt es in den Ratsunterlagen.

Die Maßnahme zur Öffnung der Poststraße für den Radverkehr gliedert sich in mehrere Schwerpunkte, da sie sich auf die Verkehrsplanung angebundener Straßen auswirkt. Zunächst der Blick auf die Poststraße. Für Autos Einbahnstraße, sollen Radfahrer die Straße ab 2023 in beide Richtungen befahren können. In Richtung West wird dafür ein einseitiger 1,5 Meter breiter Schutzstreifen-Weg für Radfahrer realisiert. In Richtung Ost sollen Radfahrer und Autos sich den 4,20 Meter breiten Fahrstreifen teilen, wobei eine Piktogrammkette auf ihm auf Radverkehr aufmerksam machen soll.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Planungen im 300 Meter langen Verkehrsabschnitt Kohlenstraße, und zwar von der Josefstaler Straße bis fast zur Theodorstraße. In dem Straßenabschnitt soll die Bebauung an der Kohlenstraße 6a für eine geplante Erweiterung der Straßenfläche abgerissen werden. Erweitert werde der Straßenraum zwischen Josefstaler Straße und Theresienstraße, heißt es in der Entwurfsplanung. Dadurch wird es möglich sein, die Kohlenstraße in beide Richtungen zu befahren und von dort aus zudem ins Quartier Mitte zu gelangen. Im Bereich der Ausfahrt des Rewe-Parkplatzes ist eine Fußgängerampel vorgesehen, die gegenüberliegende Bushaltestelle soll neu gestaltet werden.

Den dritten Schwerpunkt bildet die Ludwigstraße an der Ecke Poststraße. Auch die Ludwigstraße soll für den Radverkehr geöffnet werden. Dafür wird die Verkehrsführung geändert: Die Einbahnstraße in der Ludwigstraße soll in Richtung Süd gedreht werden, der Verkehr an der Ecke Ludwigstraße und Poststraße künftig per Ampel gesteuert werden.

Verteilt über mehrere Straßen, darunter die Schlachthofstraße, die Otto-Toussaint-Straße und die Rickertstraße, plant die Stadt entsprechend des Verkehrskonzepts mit neuer Signaltechnik.

Stadtrat St. Ingbert macht Poststraße in Zukunft frei für Radfahrer
Foto: Manfred Schetting

Von den geschätzten Gesamtkosten von 975 000 Euro entfallen 700 000 Euro auf die Verkehrsanlagen in Kohlen- und Poststraße – dabei kostet der Bauabschnitt Kohlenstraße rund 670 000 Euro und der Abschnitt Poststraße 31 000 Euro. Für neue Signaltechnik wird mit Kosten von 275 000 Euro gerechnet. In den Ratsunterlagen heißt es zudem, dass voraussichtlich weitere Kosten entstehen. Sie würden entstehen durch den notwendigen Abriss des Anwesens an der Kohlenstraße 6a, mögliche Bodengutachten und die Umsetzung der städtischen Freiflächenplanung.