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„Stenzel und Kivits“ zu Gast in der Stadthalle St. Ingbert

Musik-Kabarett in St. Ingbert : Eine Show zum Lachen und zum Staunen

Das holländische Musik-Kabarett-Duo Stenzel & Kivits begeisterte einmal mehr sein Publikum in der St. Ingberter Stadthalle. Am Ende gab es stehende Ovationen.

Wer das Duo Stenzel & Kivits noch nicht kennt, denkt sich sicher „Na ja, zwei Männer auf einer Bühne im Frack. Der eine spielt Klavier, und der andere schickt sich an, zu singen – was soll daran schon besonders sein? Und dann noch Holländer“. Mit dieser Annahme liegt man sowas von daneben. Denn da ist ja noch das Klavier, welches seit über 20 Jahren bei den Programmen der beiden seit jeher eine mehr als zentrale Bedeutung hat. Nicht umsonst haben die beiden Männer 2015 den Jury- und den Publikumspreis des renommierten Kleinkunst-Wettbewerbs „St. Ingberter Pfanne“ gewonnen. Nun hatten sie die Ehre, den letzten Auftritt für 2021 des städtischen Kulturmenüs „À la minute“ in der St. Ingberter Stadthalle zu kredenzen.

Und dann kommt man schnell auf die Frage, was den Auftritt des Musik-Kabarett-Duos überhaupt ausmacht. Ist es die vielseitige Virtuosität und Musik- oder Gesangsqualität, die von Jonny Cash über André Rieu bis Johann Sebastian Bach reicht? Oder die Art der Präsentation, die irgendwie eine Mischung aus Slapstick, Comedy und holländischen Charme darstellt? Oder ist es die mehr als technische Raffinesse und das riesige Einfallsreichtum, wenn es darum geht, das Klavier mit allerlei Kniffen zu beleuchten oder es so zu bewegen, dass nur noch der Klang daran erinnert? Vermutlich eine Mischung aus alldem.

Und bevor man sich Sorgen um den Flügel in der Stadthalle macht, weil man glaubt, das hochwertige, edle Teil wäre – wie sonst durchaus üblich – für diesen Auftritt genutzt worden: Man liegt falsch! Stenzel und Kivitz bringen ihr eigenes Instrument mit. Alles andere würde das auch gar nicht aushalten. Das Programm hat offensichtlich nicht umsonst den Namen „The impossible Konzert“ („Das unmögliche Konzert“). Denn Tenor Stenzel und Pianist Mister Kivits gehen gerne und schnell an Grenzen. Das fängt schon beim einfachen Verschieben des Klaviers an. So wird das Lieblingsinstrument einfach mal eben so von den Herren über die Bühnenkante der Stadthalle befördert. Wie gut, dass es dann Menschen aus der ersten Reihe gibt, die das Beinahe-„Unglück“ verhinderten, indem sie schnell aufsprangen und das Instrument stoppen konnten. Und dann noch eine Offenbarung. Stenzel und Kivits haben was mit dem Star-Violinisten André Rieu gemeinsam: den Friseur und die Gage, sagen sie jedenfalls. Okay, der ist auch Holländer.

„Soll ich ein Duett mit Jonny Cash singen?“, wollte Tenor Stenzel wissen. „Geht nicht, ist tot. Für St. Ingbert machen wir das Unmögliche möglich“, beantwortete der Sänger die Frage selbst. Und dann stand da, wie von Geisterhand, der vor 18 Jahren in Nashville verstorbene Sänger wieder in Form einer Puppe auf der „Dengmerter“ Bühne, als sei er nie verblichen. Wie gesagt, das unmögliche Konzert.

„Playing Opera“, das Spielen von Opernhandlungen, sei ihr Steckenpferd, so Stenzel. Und dann kann es sein, dass man Don Quijote La Mancha live erleben darf, wenn auf dem Klavier geritten und mit Flügel gesegelt wird. Denn: Die beiden Herren arbeiten an der Modernisierung des klassischen Konzerts. Das ist die Digitalisierung nichts dagegen. Wie? Na ja, in dem man Jonny Cash mit Bruce Springsteen kreuzt, etwa. Doch, das geht. Oder Werke von Beethoven spielt, während der sich auf einer Büste befindet und, wie von selbst, bewegt. Da sind solche Dinge, wie eine Beleuchtung des Klavierunterbaus und ein Wippen der beiden an einem Galgen à la „Der fliegende Holländer“, der auf dem Klavier steht, noch harmlos. Ach ja und zwischendrin brennen dann mal die Noten, und es qualmt. Aber, das ist nur Nebensache.

In die Bredouille kamen sie beinahe, als sie zu Liedwünschen aufforderten. „Die schöne blaue Donau“ brachte sie genauso ins Schwitzen wie „Tulpen aus Amsterdam“ oder der Komponist Edvard Grieg. Doch, man ahnt es sicher, Improvisation ist einfach alles. Und so kam es, dass zwar nicht das Gewünschte geliefert wurde, doch so ziemlich alle im Saal so richtig viel Spaß hatten. Die stehenden Ovationen am Ende waren eindeutig.