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Tank-Kunden in St. Ingbert nehmen Spritpreis-Erhöhung mit Fassung

Umfrage zur neuen Klimaabgabe auf Benzin und Diesel : Höhere Spritpreise für den Klimaschutz

Seit Jahresbeginn müssen die Autofahrer beim Tanken wegen der neuen CO2-Steuer tiefer ins Portmonnaie greifen. Ob dies tatsächlich dem Klimaschutz dient, wird von vielen jedoch bezweifelt.

Klimaabgabe und Mehrwertsteuer haben in der Silvesternacht auf einen Schlag die Benzinpreise merklich verteuert. Der Preissprung an den Zapfsäulen betrug zum Teil einen zweistelligen Cent-Betrag und wurde in der Nacht wirksam. Viele tankten daher schnell nochmal im alten Jahr, aber das hält natürlich nicht lange vor. Wir haben in St. Ingbert Tankstellenkunden daher befragt, was sie zu den neuen Preisen sagen.

Die 64-jährige Carmelina Welsch aus St. Ingbert hat schon gemerkt, dass die Benzin-Preise wieder steigen: „Die ganze Zeit hat der Sprit um die 1,20 Euro bis 1,22 Euro gekostet, doch als ich heute Morgen an der Tankstelle vorbeigefahren bin, waren es über 1,30 Euro.“ Warum die Spritpreise im neuen Jahr wieder hoch gegangen sind, weiß die Rentnerin nicht. „Ich habe mich damit nicht beschäftigt. Ich muss den Preis bezahlen, der vorgegeben ist.“ Busse oder Fahrrad sind für die St. Ingberterin laut ihren Schilderungen keine Alternative zum Autofahren. „Wir wohnen abseits von der Innenstadt und sind deswegen auf das Auto angewiesen. Mit Bussen, Bahn oder dem Fahrrad zu fahren würde zu lange dauern.“ Die 64-Jährige findet es allerdings gut, dass auf den Sprit jetzt noch die CO2-Steuer draufgerechnet wird. „Wenn jeder seinen Beitrag für den Umweltschutz leistet, finde ich das gut.“

 Der Schweißerfachmann Wolfgang Harry sieht die Erhöhung der Spritpreise als ein „zweischneidiges Schwert“ an.
Der Schweißerfachmann Wolfgang Harry sieht die Erhöhung der Spritpreise als ein „zweischneidiges Schwert“ an. Foto: BeckerBredel

Der 57-jährige Wolfgang Harry aus St. Ingbert sieht die Erhöhung der CO2-Steuer auf Benzin dagegen kritischer. „Das ist ein zweischneidiges Schwert. Der Umweltschutz ist wichtig. Aber bei der CO2-Steuer weiß man im Endeffekt nicht so genau, wo das Geld wirklich hingeht. Deswegen denke ich nicht, dass es wirklich was bringt.“ Zudem gebe es andere Maßnahmen, die man eher hätte ergreifen können, wie der Schweißerfachmann sagt. Auch dass jetzt weniger Menschen mit dem Auto fahren, glaubt er nicht. „Es gibt die täglichen Wege, die man einfach fahren muss, da kommt man nicht dran vorbei, deswegen denke ich nicht, dass die Leute weniger Auto fahren, nur weil der Sprit teurer wird. Gerade auf dem Land gibt es auch keine andere Möglichkeit. Die Busse und die Bahn fahren selten und sind viel zu teuer.“ Die Preise müsse man daher so hinnehmen, wie sie sind. „Man kann ja nichts an den Preisen ändern. Es gibt Zeiten, zu denen der Sprit einfach ein bisschen günstiger ist als zu anderen, und dann muss man so tanken, dass es möglichst billig ist.“

Auch die 50-jährige Apothekenhelferin Sandra Kohl aus St. Ingbert ist skeptisch, dass das Geld, das der Sprit jetzt mehr kostet, auch bei der Umwelt ankommt. „Ich finde jeder sollte seinen Beitrag für die Umwelt leisten, aber bei der CO2-Steuer bin ich skeptisch, dass das Geld auch dafür genutzt wird.“ Die 50-Jährige fährt schon recht wenig und muss auch nicht so oft tanken. „Ich wohne und arbeite im selben Ort, deswegen fahre ich recht selten.“ Der öffentliche Nahverkehr ist für die St. Ingberterin auch keine Alternative. „Die Verbindung ist schlecht, und es ist viel zu teuer.“ Wo die Benzinpreise gerade am billigsten sind, sieht sie mit einer App, die Tankstellenpreise vergleicht. „Ich gucke in der App und auf dem Weg von und zur Arbeit, wo das Benzin am billigsten ist. Aber wenn mein Tank leer ist, muss ich tanken, egal was es kostet.“ Lange Wege würde Sandra Kohl nicht auf sich nehmen, um günstig zu tanken. „Ich gehe eigentlich immer zu den selben zwei Tankstellen. Zwischen denen entscheidet sich dann, wo ich tanke.“

 Der ÖPNV ist für Sandra Kohl keine Alternative.
Der ÖPNV ist für Sandra Kohl keine Alternative. Foto: BeckerBredel

Die 56-jährige Christa Wagner aus St. Ingbert hat noch gar nicht gemerkt, dass die Benzin-Preise im neuen Jahr angestiegen sind. „Ich fahre nicht viel und tanke deswegen auch nicht sehr oft, deswegen ist das völlig an mir vorbei gegangen.“ Die Preise müsse man so hinnehmen, wie sie sind. „Wenn der Preisunterschied groß genug wird, würde ich auch nach Luxemburg fahren, aber ich glaube nicht, dass viele das machen würden.“ Ob weniger gefahren wird, zweifelt die 56-jährige an. „Vielleicht überlegt sich der ein oder andere dann, ob er das Auto stehen lässt, aber ich zweifle das an. Die Öffentlichen Verkehrsmittel sind zu unattraktiv.“

Für Alexandra Kedziora (29) aus Saarbrücken ändert sich wegen der Preissteigerung nichts. „Ich fahre höchstens meine Kinder in die Betreuung und einkaufen, deswegen muss ich nicht oft tanken.“ Dass die Preise sich ändern werden, hatte die junge Mutter bemerkt, doch damit beschäftigt hat sie sich nicht. „Ich werde weiterhin die Preise im Vorbeifahren vergleichen aber nach Luxemburg würde ich nicht fahren, nur weil es billiger ist.“ Dass die Leute jetzt mal das Auto stehen lassen, bezweifelt sie. „Es gibt keine andere Möglichkeit, als Auto zu fahren. Der Sprit hat schon 1,70 Euro gekostet und es ist trotzdem jeder überall hingefahren.“

Der 44-jährige Softwareentwickler Michael Janoschka aus St. Ingbert hat schon erwartet, dass die Benzinpreise wieder steigen. „Die Preise sind nur runter wegen Corona, und jetzt, wo die Wirtschaft wieder angezogen ist, steigen auch die Sprit-Preise wieder.“ Die CO2-Steuer zu erhöhen macht für ihn nicht viel Sinn. „Es gibt andere Möglichkeiten für den Umweltschutz, als über die ohnehin schon überhöhten Spritpreise. Aber die Regierung will damit jetzt auch die Elektomobilität fördern.“ Dass jetzt weniger Leute fahren, denkt er nicht. „Gerade jetzt, wo in den öffentlichen Verkehrsmitteln Maskenpflicht herrscht, wollen die Leute mit dem Auto fahren.“ Wenn der Preisunterschied zwischen Luxemburg und dem Saarland mehr als 14 Cent erreicht, würde er auch nach Luxemburg fahren. „Wenn man die Fahrt nach Luxemburg noch mit einem Einkauf verbindet, dann lohnt sich das auch.“ Die regionalen Preise vergleicht der Softwareentwickler mit einer App. „Wenn ich sehe, dass es billig ist, fahre ich abends auch noch extra weg. Manchmal sogar zwei Mal, da wir zwei Autos haben. Im Moment ist das nicht so oft, da ich im Homeoffice bin und deswegen auch nicht viel fahre.“