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Weiter Streit um Umlegung „Auf der Heide“ in Hassel

Fronten sind verhärtet : Zoff um Bebauungsplan in St.-Ingbert-Hassel geht weiter – Massiver Widerstand gegen Umlegung

Seit August gibt es Kontroversen um eine geplante Umlegung „Auf der Heide“ im St. Ingberter Stadtteil Hassel. Und die Fronten sind verhärtet. Für Ärger bei den Grundstückseigentümern sorgt eine aus ihrer Sicht fehlenden Gesprächs- und Kompromissbereitschaft bei der Stadt. Und die setzt die Information einzelner Anwohner und nicht auf Verhandlungen.

In Hassel soll ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1980 umgesetzt werden. Das allerdings bedeutet, dass ein Areal in der Größe von circa zwei Hektar völlig überplant werden muss. Eine Umlegung soll stattfinden. Das bedeutet, dass zur Schaffung neuer Baugrundstücke alle im Planungsbereich vorhandenen Flächen neu zugeschnitten werden. Das wollen die Anwohner nicht, sie wollen ihre Grundstücke genauso behalten, wie sie seit Jahrzehnten sind. Massiver Widerstand gegen die Umlegung regt sich im Gebiet „Auf der Heide“ (wir berichteten mehrfach). Derzeit finden Einzelgespräche zwischen Stadt und Anwohnern statt. Als Vermittler wurde der frühere Ortsvorsteher Markus Derschang mit ins Boot geholt.

„Fast tausend Menschen haben die Online-Petition unterstützt“

Kathrin Treyer hält unsere Zeitung auf dem Laufenden. Sie wurde von einer großen Zahl der Anwohner der Straße „Auf der Heide“ beauftragt, für sie zu sprechen. Wobei Kathrin Treyer nicht so recht glücklich ist mit dem, was gerade in ihrer Straße passiert. „Wir haben gemeinsam klargemacht, dass wir unsere Grundstücke so behalten wollen, wie sie sind. Wir haben gemeinsam das Gespräch gesucht. Wir haben gemeinsam eine Petition auf den Weg gebracht. Fast tausend Menschen haben die Online-Petition unterstützt, 432 davon sind Hasseler Bürger. In der Petition bringen sie ganz klar zum Ausdruck, dass sie gegen die anstehende Umlegung sind: „Die hiervon betroffenen Anwohner sind damit nicht einverstanden, da zu großen Teilen private Gärten und Grundstücke im Umlegungsgebiet liegen.“

Anwohner: Es werden kaum bebaubare Grundstücke entstehen

Die Anwohner weiter: „Cirka 80 Prozent der betroffenen Anwohner lehnen das Umlegungsverfahren ab. Sie haben kein Interesse daran, ihre Gartenflächen zu bebauen oder zu verkaufen. Ebenso möchten die Anwohner nicht die hohen Kosten der Straße und im Anschluss höhere Grundsteuern bezahlen. Das bedeutet gleichzeitig, dass die geplante Straße hohe Kosten für alle verursacht, während langfristig kaum bebaubare Grundstücke dadurch gewonnen werden. Die ohnehin große Zahl an Baulücken in St. Ingbert wird dadurch unnötig erhöht.“ Kathrin Treyer gibt zu bedenken, dass die derzeit massiv steigenden Zinsen dafür sorgen würden, dass – falls das Umlegungsverfahren gegen den Willen der Anwohner durchgedrückt wird – ohnehin keine jungen Familien es sich leisten könnten, dort zu bauen, eher nur noch Gutverdiener. Der erklärte Wille im Ortsrat, durch neue Bebauung Vereine und Schulen in ihren Zukunftschancen zu stärken, verpuffe angesichts der ausufernden Baukosten auf dem gegenwärtigen Markt.

Forderung nach gemeinsamen Gespräch mit der Stadt

Die Anwohner wollten weiter gemeinsam agieren. Sie wollten ein gemeinsames Gespräch mit der Stadt. Das will die Stadt aber nicht. Die Stadt führe ausschließlich Einzelgespräche, in deren Verlauf „eigentlich nur informiert wird“, so Kathrin Treyer. Es sei keine Kompromissbereitschaft zu erkennen. Sie und ihr Ehemann, sie haben ihr Einzelgespräch schon hinter sich. „Wir sind mit vielen offenen Fragen wieder heim, es war enttäuschend.“ Sie räumt ein, dass es durchaus sinnvoll ist, sich mit den Experten der Stadtplanung wieder zusammenzusetzen und zu informieren, „aber eigentlich waren wir da schon einen Schritt weiter.“

Vermittler sieht wenig Verhandlungsmasse

Auch von der Stadtverwaltung ist zu hören, dass es zunächst um Information gehe. Es gäbe keinen Verhandlungsspielraum. Die Verwaltung habe ihren Auftrag, der im Bebauungsplan festgeschrieben ist. Die Widersprüche würden gesammelt und nach Abschluss der Einzelgespräche, sofern keine Einigung erzielt wird, an das Gericht weitergeleitet. Immerhin, nach Aussage der Stadtplanung droht keine Verfristung der Widersprüche.

Der eingeschaltete Vermittler, Ex-Ortsvorsteher Markus Derschang, sieht ebenfalls wenig Verhandlungsmasse: „Es bewegt sich nichts. Ich gehe davon aus, dass diese Angelegenheit in einem Gerichtsentscheid endet.“ Kathrin Treyer ist auch enttäuscht, weil bislang der Oberbürgermeister sich nicht für die Petition interessierte. „Wir haben mehrere Anläufe unternommen, die Unterschriften von fast tausend Bürgern an den Oberbürgermeister zu übergeben. Wir bekommen nicht mal einen Termin“, erzählt sie resigniert.

Das Bauvorhaben „Auf der Heide“ ist am Donnerstag, 1. Dezember, auch Thema im Ortsrat Hassel. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr im Sitzungssaal des ehemaligen Rathauses.