1. Saarland
  2. Saar-Wirtschaft

Bretzger: SaarLB 2021 mit mehr Geschäft in Frankreich als in Deutschland

Wie die Landesbank durch die Krise kommt : Saar-LB rechnet erstmals mit mehr Geschäft in Frankreich als in Deutschland

Die Saar-LB baut ihr Frankreich-Geschäft weiter aus. Weichenstellungen in der Vergangenheit tragen Früchte.

Für die Landesbank Saar (Saar-LB) ist Frankreich wichtiger geworden. „In diesem Jahr wird der Frankreich-Anteil beim Neugeschäft vielleicht erstmals über dem Deutschland-Anteil liegen“, sagt Vorstandschef Thomas Bretzger anlässlich der Veröffentlichung der Jahresbilanz am Freitag. Im vergangenen Jahr „war es ziemlich genau Halbe-Halbe“, sagt er. Das heißt in Zahlen: 800 Millionen Euro neue Kredite in Frankreich und 830 Millionen Euro in Deutschland. Bei dieser 50-Prozent-Quote soll es künftig in etwa bleiben.

Der Schwerpunkt der Aktivitäten im Nachbarland liegt bei erneuerbaren Energien, das heißt, der Finanzierung von Wind- und Solarparks. Ein aus Sicht von Bretzger risikoarmes, gut zu kalkulierendes Geschäft.  Hinzu kommen Immobilienfinanzierungen,  vor allem von Wohngebäuden in Paris, weitere Projekte, bei denen die öffentliche Hand und private Investoren zusammenarbeiten, und die Betreuung von mittelständischen Firmenkunden.

 Thomas Bretzger ist seit drei Jahren Vorstandschef der Saar-LB.
Thomas Bretzger ist seit drei Jahren Vorstandschef der Saar-LB. Foto: Saar-LB

Vor einigen Jahren noch war der Frankreich-Anteil viel kleiner und lag etwa bei einem Drittel. Die Saar-LB, die zu rund drei Vierteln dem Land und zu einem Viertel dem Sparkassenverband Saar gehört, war schon von ihrer Gründung vor 80 Jahren an nach Frankreich orientiert. Anfang der 2000er Jahre rückte die Landesbank das Geschäft im Nachbarland stärker als zuvor in den Fokus. Seit 2007 gibt es eine Niederlassung in Straßburg, und ein Jahr darauf wurde  ein Vertriebsbüro in Paris gegründet. 2006 bekam die Saar-LB die französische Banklizenz. Bretzgers Vor-Vorgänger an der Vorstandspitze, Thomas Christian Buchbinder, positionierte die Saar-LB als deutsch-französische Regionalbank.

Daran knüpfte Bretzger an, als er vor gut drei Jahren den Vorstandsposten übernahm. Er gab die Devise aus, jährlich das Neugeschäft in Frankreich um 50 bis 100 Millionen Euro zu steigern. 2019 ging es um zehn Millionen nach oben auf 1,09 Milliarden Euro. Corona führte nun zwar zu Einbußen. An der Strategie ändert sich dadurch aber nichts. Sie zielt auf Wachstum und höhere Erträge – nicht zuletzt durch mehr neu vergebene Kredite, wie Bretzger sagt.

Insgesamt ist die Saar-LB nach seiner Einschätzung „robust“ durchs Corona-Jahr gekommen. Im zweiten Quartal sei vor allem im Immobilien-Bereich eine starke Zurückhaltung der Kunden zu spüren gewesen. In anderen Segmenten wie Wind- oder Solarenergie-Projekten  hätten Corona-Folgen kaum oder keine Rolle gespielt, sagt der Vorstandschef.  Insgesamt brach das Neugeschäft mit Krediten um rund 30 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro ein. Trotzdem stieg der Zinsüberschuss um mehr als vier Prozent auf 133,2 Millionen Euro.

Deutliche Einbrüche verzeichnet die Bank beim Provisionsüberschuss. Er fiel mit 6,7 Millionen Euro um gut ein Drittel niedriger aus als 2019. Bretzger erklärt dies mit einem Corona-Effekt: So fehlten Provisionen für die Vergabe von Krediten. Die Gesamterträge lagen trotzdem mit 140,1 Millionen Euro nur ein Prozent unter dem Niveau des Jahres davor.

Die Kosten konnte die Saar-LB knapp unter die Marke von 80 Millionen Euro drücken. 2,8 Millionen Euro wurden eingespart. Dabei machte sich die Verringerung der Zahl der Mitarbeiter  um neun auf 517 bemerkbar. Außerdem fielen – zum Teil wegen Corona – weniger Sachkosten an. Zum Beispiel wegen ausgefallener Dienstreisen. Vor Steuern verzeichnet die Bank einen Gewinn von 37 Millionen Euro. Das sind rund  17 Prozent weniger als 2019. Neben Kreditausfällen spielte dabei die erhöhte Risikovorsorge eine Rolle. Denn die Saar-LB erwartet, dass sich negative, die Bank belastende Corona-Effekte zumindest bis ins kommende Jahr hinein zeigen.

In diesem Jahr wolle die Saar-LB bei den Erträgen ihr Niveau von rund 140 Millionen Euro halten, sagt Bretzger. Danach soll sich der Wachstumskurs in jährlich drei bis fünf Prozent höheren Erträgen niederschlagen, während die Kosten stabil bei 80 Millionen Euro bleiben sollen.