1. Saarland
  2. Saar-Wirtschaft

Corona: Kritik von Gastronomie in Saarbrücken – "Lockdown durch Hintertür"

Ein „wirtschaftliches Desaster“ : Scharfe Kritik von Gastronomen und Händlern im Saarland an neuen Corona-Regeln

Den am Montag von der CDU/SPD-Landesregierung angekündigten „Lockdown für Ungeimpfte“ müssen vor allem Gastronomen und der Handel ausbaden. Wir haben nachgefragt, was die dazu sagen.

„Auch dieses Mal trägt die Gastronomie die Maßnahmen mit“, sagt Frank Hohrath, Hauptgeschäftsführer  des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Saarland. „Aber es ist ein wirtschaftliches Desaster und quasi ein Lockdown durch die Hintertür für die Gastronomie.“ Mit 2G-Plus (geimpft, genesen und zusätzlich tagesaktuell negativ getestet) schließe man bis zu 20 Prozent der potenziellen Gäste aus. Zudem gebe es einen „Solidaritätseffekt“: Geimpfte blieben fern, weil befreundete Ungeimpfte keinen Zutritt hätten. „Das ist brandgefährlich für uns, eine Gratwanderung“, beklagt Hohrath.

Die verschärften Regeln bewertet Hohrath als einen „Booster für die Stornowelle der Weihnachtsfeiern“. Denn auch viele Firmen würden lieber absagen als ungeimpfte Mitarbeiter ausgrenzen. Das berichteten Restaurants und Veranstalter. Nur selten forderten die Gastronomen die fälligen Stornogebühren für solche festen Buchungen ein – aus Angst, Kunden zu verlieren, die vielleicht im nächsten Jahr wiederkommen würden.

Seine Branche sei wieder dringend auf Überbrückungshilfen angewiesen. Die hat die Politik in Aussicht gestellt, allerdings sollen nur 90 Prozent der Fixkosten übernommen werden. Das kritisiert Hohrath. Weil die Hilfen an bestimmte Umsätze und Bedingungen geknüpft seien, die sich für viele Gastronomie- und Hotelbetriebe gerade wieder massiv änderten, weil ihnen die Kundschaft abhanden komme. Nun müssten viele ganz schnell neue Anträge stellen oder ändern, sagt Hohrath.

Und auch die Hoteliers sind in Aufregung, denn Ungeimpfte dürfen nicht mehr in Hotels übernachten. „Firmen, darunter viele Handwerksbetriebe,  rufen uns an, weil sie ungeimpfte Mitarbeiter von auswärts haben, die sie nun nicht mehr unterbringen können. Manchen drohen Vertragsstrafen, weil dadurch Baustellen beispielsweise nicht fertig gestellt werden können“, schildert Horath die Misere. So ziehe eine Maßnahme viele andere Probleme nach sich.

Für Michael Genth, Vorsitzender des Saarbrücker Gewerbevereins, ist klar: „Die wirtschaftliche Wirkung von 2G im Einzelhandel ist wie ein Lockdown. Wir sind der Hebel, um die Impfquote hochzudrücken. Das ist unfair.“ Der Handel habe sich auf die Politik verlassen, als es hieß „Kein Lockdown mehr“. Nun würden Händler wieder auf ihren Waren sitzen bleiben. Deshalb fordert auch Genth Hilfen und Kredite. Sein Verband vertritt rund 120 Saarbrücker Händler, Gastronomen und Dienstleister.

Bei der Umsetzung der 2G-Regel gebe es noch viele ungeklärte Details. Daher fordert er klare Vorgaben der Politik. „Was sollen und was dürfen wir überhaupt kontrollieren? Machen wir Zutrittskontrollen oder Stichproben?“ Letztere hält er gerade in großen Kaufhäusern mit vielen Ausgängen und Parkdecks wie Karstadt oder Galeria Kaufhof für praktikabler. „Je genauer die Vorgaben, desto besser sind sie einzuhalten.“ Genth ist es wichtig, nochmals darauf hinzuweisen, dass der Handel nie ein Treiber der Corona-Infektion war und ist. „Wir haben freiwillig die Maskenpflicht beibehalten“, sagt Genth.  Und auch das Personal auf der Fläche sei durchgeimpft.

Der Gewerbeverein fordert eindringlich mehr Planbarkeit. Viele Mitglieder seien dafür, dass die Weihnachtsferien nicht etwa vorgezogen, sondern bis 9. Januar verlängert werden, um der dann durch viele Festtags-Kontakte voraussichtlich erhöhten Infektionsrate entgegenzuwirken. Parallel könnten auch Betriebe Ferien machen, so eine Idee.