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Elexir aus Saarbrücken baut Elektroauto mit Smartphone-Steuerung

Neues Mobilitätskonzept : Saar-Firma bringt das Auto aufs Smartphone

Das Start-up Elexir entwickelt in Saarbrücken ein Fahrzeug, das individuell auf dem Mobilgerät konfiguriert werden kann.

In ein fremdes Auto steigen und beim Starten schon den Lieblingssender hören. Fahrersitz und Rückspiegel stellen sich automatisch ein und die Sitzheizung springt wie gewohnt an. Die Bedienung dieses Autos ist genauso, wie es der Fahrer bei dem Pkw vorgefunden hat, den er vor zwei Tagen als Miet- oder Leihwagen fuhr. Denn er hat seine mobilen Vorlieben auf dem Smartphone gespeichert, kann sie bei Fahrtantritt abrufen und auf Wunsch verändern – so zum Beispiel einen Tempomat aktivieren oder ihn abschalten.

Das ist zwar noch Zukunftsmusik, und diese Art von Auto, das sich automatisch auf die persönlichen Vorlieben einstellt, gibt es noch nicht. Doch junge Saarbrücker Wissenschaftler sind dabei, diesen fahrbaren Untersatz auf die Räder zu stellen. Das Auto soll wie die vor Kurzem gegründete Firma Elexir heißen und Mitte der 2020er Jahre auf die Straße gebracht werden. „Die mit einem Smartphone aufgewachsene Generation möchte ihr Auto so konfigurieren, wie sie es von ihrem Handy kennen“, ist Stefan Nürnberger überzeugt. Der 34-jährige Informatiker ist neben Sebastian Leber (29), der sich als Wirtschaftswissenschaftler um die Finanzen kümmert, Geschäftsführer von Elexir.

Die Entwicklung der Software läuft auf Hochtouren. „Wir haben sie so weit fertig, dass wir demonstrieren können, was sie leisten kann“, sagt Nürnberger. In der Halle des Saarbrücker Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema), wo das Team derzeit forscht und entwickelt, steht bereits ein Auto, das als Versuchsobjekt dient. Es heißt „Elexir Zero“, ist aber ein gängiger Elektro-Kleinwagen aus Frankreich. Er ist mit Sensoren und Kameras gespickt, damit die Informatiker nach Herzenslust an ihm herumtesten können.

Zum Team gehören noch der Italiener Daniel Frassinelli und die Koreanerin Soheyon Park. Beide hat Stefan Nürnberger am Cispa Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit kennengelernt, wo er vor der Elexir-Gründung als Junior-Professor Forscher bei Projekten betreute. Frassinelli ist Experte für IT-Sicherheit und Soheyon Park hat vier Jahre als Software-Entwicklerin beim koreanischen Autokonzern Hyundai gearbeitet.

Die Fertigung eines Autos, das wie ein Smartphone funktioniert, sehen die Informatiker entspannt. „Da es einen Elektro-Antrieb haben soll, entfällt die technische Komplexität eines Wagens mit Verbrennungsmotor“, sagt Sebastian Leber, der in seinem früheren Berufsleben Digitalisierungsstrategien für Automobilhersteller entwickelt hat. Schon heute würden kleine Firmen Plattformen für E-Autos bauen, die beliebig konfiguriert werden können, sagt er und erinnert an das israelische Start-up REE. In dessen Pilot-Plattform sind vier Elektromotoren in die Räder integriert – ebenso die Lenkung, die Bremsen und die Radaufhängung. Karosserie und Innenausstattung würden andere Hersteller zuliefern. Das Münchner Start-up Sono Motors, das 2023 ein Elektroauto mit Solarzellen und „Interieur ohne Schnickschnack“ auf die Straße bringen will, nennt Leber als weiteres Beispiel, wohin sich die mobile Zukunft entwickeln könnte.

Die Firmengründer sind außerdem davon überzeugt, dass die Autofahrer künftig immer häufiger Wagen mieten oder leihen, um zum Ziel zu kommen. „Wenn sie dann in einen Elexir steigen, verschafft ihnen das Handys den Fahrkomfort, den sie gewohnt sind“, sagt Nürnberger. „Es steht ihnen frei, eine weitere App herunterzuladen und etwas Neues auszuprobieren.“ Auch Software-Updates würden jedem Nutzer sofort zur Verfügung stehen.

Bisher hat der IT Inkubator an der Universität des Saarlandes, der aussichtsreiche Firmen-Neulinge mit Geld unter die Arme greift, die Cispa-Ausgründung finanziert (siehe Info). Er ist im Gegenzug – neben den vier Gründern – an dem Unternehmen beteiligt. Seit Anfang März unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium Elexir für die kommenden zwei Jahre mit 883 000 Euro. Das Geld stammt aus dem Förderprogramm „Exist-Forschungstransfer“. Leber rechnet damit, dass weitere Investoren Geld zur Verfügung stellen. Es steht ein Umzug in neue Räume an. Außerdem sollen zusätzliche Entwickler eingestellt werden, sodass bis Ende des Jahres 15 Frauen und Männer für Elexir arbeiten könnten.