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Ford in Saarlouis: Neue Option wird diskutiert – kann Amazon das Werk retten?

Ringen um Zukunft der Ford-Fabrik im Saarland : Neue Option für Saarlouis wird diskutiert – Kann Amazon das Ford-Werk retten?

Bei Ford in Saarlouis hoffen alle auf ein Nachfolgemodell für den Focus. Falls die Ford-Zentrale sich dagegen entscheidet, muss nicht Schluss sein in dem saarländischen Werk. Eine Alternative wird diskutiert. Dabei könnte Amazon eine wichtige Rolle spielen.

Bei dem Ringen um die Zukunft des Ford-Werks Saarlouis und der rund 5000 Arbeitsplätze kommen alternative Vorschläge auf den Tisch. Dabei könnte der Online-Händler Amazon eine entscheidende Rolle spielen. „Ford ist auch Investor beim neuen Elektro-Lieferwagen für Amazon vom US-amerikanischen Elektro-Lieferwagenhersteller Rivian. Da es hier noch einen Standort in Europa geben soll, wäre dies ebenfalls eine Möglichkeit für das hoch produktive Werk in Saarlouis“, sagt FDP-Landeschef Oliver Luksic. Dies ist anscheinend nicht bloß eine Idee des Liberalen, sondern ein Szenario, über das in Kreisen des US-Autokonzerns wirklich diskutiert wird.

Ford hatte sich im Sommer an einer 2,5 Milliarden Dollar schweren Finanzierungsrunde für das US-Startup-Unternehmen Rivian beteiligt. Rivian baut die Produktion von Elektro-Pickups, -SUVs und -Lieferwagen auf. Das Unternehmen, das bisher allerdings noch kein Auto ausgeliefert hat, sucht nach einem Standort in Europa – auch mit Blick auf Amazon. Als Standorte im Gespräch sind laut dem Finanz- und Unternehmensnachrichtendienstleister Bloomberg Großbritannien, Ungarn und auch Deutschland. Der Online-Handelsriese hatte bei Rivian 100 000 Lieferwagen bestellt.

Bekommt Ford Saarlouis den Zuschlag für die Produktion eines neuen Elektroautos?

Betriebsrat, Gewerkschaft IG Metall und verschiedene saarländische Politiker – darunter auch Luksic – fordern an erster Stelle aber weiterhin, dass Saarlouis den Zuschlag für die Produktion eines Elektroautos von Ford bekommt, wenn 2025 die Fertigung des Focus ausgelaufen sein wird. Auf einem Aktionstag an diesem Dienstag in der Innenstadt von Saarlouis geht es um eine langfristige Perspektive für die Beschäftigten. Luksic fordert Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) auf, in die USA zu fliegen, um sich in der Ford-Zentrale in Dearborn bei Ford-Chef Jim Farley „mit einem tragfähigen Konzept direkt für den Erhalt des Standorts einzusetzen“. Dabei sollten nach Auffassung von Luksic auch Alternativvorschläge wie eben der Umbau zu einem Werk für den Transporter Rivian besprochen werden.

Rehlinger hatte kürzlich nach SZ-Informationen ein Gespräch mit dem als einflussreich geltenden Ford-Europa-Chef Stuart Rowley. „Rowley ist der Einzige, den ich im Aufsichtsrat als denjenigen identifiziere, der tatsächlich den Kontakt zum Top-Management in den USA hat“, hatte Lars Desgranges, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Völklingen, zur SZ gesagt. Das Ford-Management hatte mehrfach angekündigt, im Sommer kommenden Jahres eine Entscheidung über die Zukunft des Standorts Saarlouis verkünden zu wollen. Die Belegschaft befürchtet, dass die Schließung des Werks droht.