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Ford-Mitarbeiter kämpfen um Werk Saarlouis: "Es reicht"

Bald keine Autos mehr aus Saarlouis? : Ford-Mitarbeiter in Saarlouis verschärfen Kampf um Werk: "Es reicht"

Werden nach 2025 überhaupt noch Autos in Saarlouis produziert? Die rund 5000 Ford-Beschäftigten des Werkes haben die Hängepartie um ihre Zukunft satt. Sie beziehen in ihren Kampf jetzt das gesamte Saarland mit ein.

Der Kampf um den Fortbestand des Ford-Werks in Saarlouis nimmt an Härte deutlich zu. Die rund 5000 Beschäftigten im Werk und die etwa 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im benachbarten Industriepark, den Zulieferern von Ford, wollen sich nicht länger von der Werkleitung, von Ford-Deutschland und den Entscheidern in der US-Zentrale in Detroit vertrösten lassen. Sie fordern eine schnelle, verbindliche Entscheidung über die Zukunft des saarländischen Werkes. Und beziehen in ihren Kampf jetzt auch das gesamte Saarland mit ein. So wird es am 14. September um 15.30 Uhr auf dem Großen Markt in Saarlouis eine Großkundgebung geben. Dort soll ein Zeichen der Solidarität und Kampfbereitschaft an die Adresse der Ford-Spitze gesendet werden.

Lars Desgranges und Ralf Cavelius, Bevollmächtigte der Gewerrkschaft IG-Metall Völklingen, machen das in einer gemeinsamen Erklärung im Vorfeld des Aktionstages deutlich. Es gehe noch um weit mehr als nur das Ford-Werk und den Industriepark. Es gehe mit der Protestaktion auch um die Zukunft des Saarlandes, seiner Attraktivität als Wirtschaftsstandort, seine Leistungsfähigkeit und zahlreiche Arbeitsplätze in der wichtigste Industriebranche neben der Stahlindustrie. Der Aktionstag steht unter dem Motto: „Entschlossen/Stark/Solidarisch“. Die Gewerkschaft selbst ruft auch alle der Autoindustrie benachbarten Branchen zur Teilnahme an der Kundgebung auf. Belegschaft, Betriebsrat und die Arbeitnehmervertreter kritisieren übereinstimmend, dass es von der Ford-Spitze bisher nichts anderes gegeben habe als eine Vertröstung auf Mitte 2022. Erst dann soll eine Entscheidung fallen.

Produziert Ford nach 2025 überhaupt noch im Werk Saarlouis?

Doch längst spitzt sich auch im Umfeld von Ford die Situation der gesamten deutschen Autoindustrie dramatisch zu, sinken Verkaufszahlen. In naher Zukunft sollen hierzulande nur noch Elektroautos gebaut werden. Auch Ford will ab 2030 nur noch Elektroautos auf die Straße bringen, hat jedoch bisher mit keinem Wort verlauten lassen, ob auch in Saarlouis solche Fahrzeuge vom Band laufen sollen. Es ist nicht einmal klar, ob von 2025 überhaupt noch irgendein Auto in Saarlouis produziert wird.

Die ständigen Vertröstungen und die anhaltende Ungewissheit empfinden Belegschaft, Betriebsrat und die IG-Metall inzwischen als ungeheure Zumutung. „Es reicht“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal. Die Geduld der Menschen sei überstrapaziert worden. Lars Desgranges und Ralf Cavelius betonen: „Bis zum heutigten Zeitpunkt ist die Zukunft des Standortes nicht gesichert. So geht man nicht mit einer verdienten Belegschaft um.“

Betriebsratschef Thal wird energisch, wenn er alleine an die zahlreichen Vorleistungen denkt, die die Ford-Beschäftigten schon in den vergangenen Jahren zur Absicherung ihres Standortes erbracht haben. „Wir haben insbesondere in den letzten drei Jahren alles erfüllt, was das Ford-Management von uns gefordert hat. Schichten wurden verringert, Personal abgebaut, der C-Max als Fahrzeug in der Produktion gestrichen.“ Die Belegschaft habe bereits all diese Veränderungen in den vergangenen Jahren schwer zu spüren bekommen. Besonders die Abschaffung der dritten Schicht habe sich auch bei den Gehältern ausgewirkt.

Jetzt sei endgültig der Zeitpunkt gekommen, an dem die Ford-Unternehmensspitze beweisen muss, „dass sie ihre Beschäftigten nicht betrogen hat und eine Zukunftsperspektive für den Standort Saarlouis mit einer Fertigung neuer Pkw-Modelle liefert“, so Thal.

„Wir brauchen eine sichere Zukunft für den Standort Saarlouis“

Auch der Vorsitzende der IG-Metall-Vertrauensleute bei Ford-Saarlouis, Helmut Riehm, wird deutlich: „Wir brauchen eine sichere Zukunft für die Belegschaft, den Industriepark und für diese Region. Das geht nur mit einer Zusage des Ford-Managements zum Standort Saarlouis und mit neuen Technologien.“

Das Ford-Management hat bereits Investitionen für die Deutschland-Zentrale in Köln sowie für das Werk in Valencia beschlossen. So wurde im Februar 2021 bekannt, dass Ford 830 Millionen Euro in die Hand nimmt, um Elektroautos in Europa zu produzieren. Diese werden ab 2023 vorerst nur in Köln gebaut. Auch die im Mai 2021 begonnenen Zukunftsgespräche zur Absicherung des Saarlouiser Werkes zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat haben bisher keine Ergebnisse gebracht. Noch im März 2021 hatte Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann in der Saarbrücker Zeitung versichert: „Wir arbeiten an einem Plan, das Werk in Saarlouis auch für die Zukunft konkurrenzfähig aufzustellen.“ Seitdem aber herrscht Funkstille.