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ITN Antihaftbeschichtungen repariert im Saarland kaputte Pfannen

ITN Antihaftbeschichtungen : Neunkircher hauchen Pfannen neues Leben ein

Zwei Saarländer bringen angekratzte Oberflächen mit ihrem Unternehmen ITN Antihaftbeschichtungen wieder auf Vordermann.

Anfangs waren sie belächelt worden, die Teflon-Jungs Kai-Uwe Sand und Thomas Stein. Mit der Neubeschichtung gebrauchter Pfannen, Töpfen und Grillplatten Geld verdienen und damit eine Firma am Laufen halten – wie schräg ist das denn? Dieser Frage mussten sich die angehenden Jungunternehmer stellen, als sie 2019 die Neunkircher Firma ITN Baatz von ihrem Gründer Gerhard Baatz abkaufen und das Pfannending durchziehen wollten – und dafür eine Bank suchten, die dieses Ansinnen finanzieren sollte. Als sie trotz Businessplan kein Institut fanden, einigten sie sich mit Baatz darauf, den Kaufpreis nach und nach abzubezahlen.

Heute würden sie vermutlich einen Finanzier finden, da das Geschäft recht gut läuft. „Unsere Beschichtung aus Hochleistungs-Kunststoff – landläufig Teflon genannt – hilft überall dort, wo etwas bei Hitze anzukleben droht, was nicht ankleben darf“, beschreibt Sand das Prinzip. Allein im vergangenen Jahr haben sie 40 000 gebrauchte Bratpfannen, 15 000 Töpfe und 4000 Raclette- oder Grillplatten neu beschichtet. Darüber hinaus schicken einige Brat- und Kochgeräte-Hersteller ihre neuen Teile nach Neunkirchen, damit ITN Antihaftbeschichtungen, wie die Firma heute heißt, ihnen einen anbrenn-resistenten Innenmantel verpasst. Weitere 10 000 Stück kommen so zusammen.

Das Unternehmen arbeitet auch für Industriebetriebe. So beschichtet es Transportbänder von Pizzafabriken oder Teigherstellern. Für Autozulieferer bearbeitet ITN unter anderem die Formen, in denen Schaumkunststoff-Teile gegossen werden. Das Industrie- und das Pfannengeschäft machen jeweils 50 Prozent des Umsatzes aus, der im sechsstelligen Bereich pro Monat liegt, so der Chef.

Das Beschichtungswissen haben sich Kai-Uwe Sand, Industriemeister Metall, und sein Miteigentümer Thomas Stein, gelernter Maschinenschlosser, selbst beigebracht. Sand fing 2018 als Betriebsleiter bei ITN an und überzeugte Stein, mit einzusteigen, als die Firma zum Verkauf stand. Hinter dem Oberbegriff Teflon stehen inzwischen mehrere Beschichtungs-Verfahren und -Rezepturen. Es handelt sich um Hightech-Kunststoffe, die Abkürzungen wie PTFE, PEEK, FEP oder PFA tragen. „Die Rezepturen stammen von uns“, erläutert Sand. „Die Lieferanten stellen sie nach unseren Vorgaben her.“ Das sind die Firmen Weilburger aus Deutschland und Ilag aus der Schweiz.

Auch Firmengründer Gerhard Baatz eignete sich in den 1990er Jahren das Beschichtungswissen selbst an. Der heute 70-jährige Industrie- und Handwerksmeister Werkzeugmaschinenbau, der immer noch in seinem alten Betrieb tätig ist, hatte 1993 das Unternehmen ITN (steht für Industrie Technik Neunkirchen) als Dreherei und Fräserei für den Werkzeugbau gegründet. Da die Marge klein und das Geld knapp war, suchte er nach einem weiteren Standbein. Er begann mit der Beschichtung gebrauchter Pfannen – zuerst in der Familie, dann in der Nachbarschaft und später im weiteren Bekanntenkreis. „Eine Garantie, dass sie ihre Pfannen oder Töpfe wieder heil zurückerhielten, konnte ich keinem geben“, erinnert er sich. Nach und nach bekam er die Technik und die Prozesse in den Griff. Doch bei Baatz lief dieses Pfannen-Retrogeschäft immer nebenher. Er spezialisierte sich auf Bäckereien und Back-Industriebetriebe, deren Brotformen und Backbleche er beschichtete. „Das war mein wichtigstes Standbein.“

Erst seine Nachfolger zündeten die Triebstufe mit den Pfannen und dem Angebot, dass jeder sein gutes, aber in die Jahre gekommenes Bratstück einschicken kann und nach zwei Wochen runderneuert zurückerhält. „Die Pfannen bekommen ein zweites Leben, nachhaltiger geht es kaum“, sagt Sand. Nach einer gründlichen Reinigung wird die neue Teflon-Schicht aufgetragen; bei 420 Grad verbindet sie sich im Ofen mit dem Metall.

Inzwischen ist nicht nur der deutsche Südwesten Pfannen-Fitmachgebiet. In 20 Annahmestellen – verteilt über Deutschland, Luxemburg, Österreich und die Schweiz – können die bratgestressten Teile mittlerweile abgegeben und nach der Beschichtung wieder entgegengenommen werden. Bis Ende des Jahres soll ihre Zahl – meist kleine Geschäfte wie Schreibwaren- oder Teeläden – auf 50 steigen, sagt Sand. Inzwischen sind auch die Küchenchefs großer Hotelketten auf die Teflon-Jungs aufmerksam geworden und schicken ebenfalls ihre in die Jahre gekommenen Pfannen-, Topf- und Grillplatten-Batterien zur Auffrischung. Weil es im Betrieb bereits eng wird, will ITN die Fertigung spürbar erweitern. Auch die Zahl der Mitarbeiter soll kräftig steigen – von derzeit zwölf auf weit über 20.

Bei Küchengeräten soll es außerdem nicht bleiben. Kürzlich hatte eine Kirchengemeinde aus Bayern den frommen Wunsch, einen total verrosteten Weihwasser-Kessel aus dem 17. Jahrhundert zu sandstrahlen und neu beschichten zu lassen. Inzwischen steht das gute Stück aus Gusseisen wieder an Ort und Stelle.