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Kampf um Ford-Werk Saarlouis: "Das war der Anpfiff für das Endspiel"

Ford-Werk Saarlouis : „Das war heute der Anpfiff für das Endspiel“ um Ford Saarlouis – So lief der Demo-Tag (mit Bildergalerie)

Über 4000 Menschen haben in Saarlouis für den Erhalt des Ford-Werks demonstriert. Der Betriebsrat stimmte auf einen „knochenharten“ Kampf ein. Und zwei Minister erklärten, was bei der Standortfrage „Saarlouis oder Valencia“ für das Saarland spricht.

Sirenen heulen auf, Trommelwirbel dröhnen über den Großen Markt in Saarlouis. Mehr als 4000 Menschen sind nach Angaben der IG Metall am Dienstag zur Demonstration für eine Zukunft des Ford-Werks gekommen – nicht nur Mitarbeiter der Fabrik auf dem Röderberg, sondern auch Beschäftigte von Firmen aus dem Zulieferpark, Delegationen von vielen saarländischen Unternehmen wie Saarstahl, Dillinger, Eberspächer und Nemak, Vertreter mehrerer Gewerkschaften sowie eine ganze Reihe von Politikern und Bürgern, die Anteil nehmen an dem Ringen um den Erhalt der knapp 5000 Arbeitsplätze.

„Das heute hier ist nur ein ganz kleiner Vorgeschmack auf das, was das Ford-Management erwartet“, ruft Markus Thal, Betriebsratsvorsitzender des Saarlouiser Werks, der Menge zu. Ford-Chef Jim Farley, der an diesem Mittwoch nach Deutschland kommt, kann sich offenbar auf einiges gefasst machen, wenn er nicht sehr bald Zusagen macht, dass und wie es in Saarlouis nach dem Ende der Focus-Fertigung 2025 weitergeht.

Der Ford-Aktionstag am Dienstag ist für Thal der „Anpfiff für das Endspiel“. Die Zeiten des Nachgebens, wenn das Management Stellenabbau forderte, wie in den vergangenen drei Jahren, sind offenbar vorbei. „Die Vorschüsse, die wir dem Management gegeben haben, sind aufgebraucht.“ Der Betriebsratschef wirft dem Management „erpresserische Methoden“ vor und spricht von einem „schäbigen“ Gegeneinander-Ausspielen der beiden Standorte Saarlouis und Valencia. Nur einer soll der Zuschlag für die Produktion eines weiteren Elektroautos bekommen, nachdem Köln Anfang des Jahres als Fertigungsstandort für ein erstes E-Auto-Modell ausgewählt wurde. Dem Verlierer droht schlimmstenfalls die Schließung. „Es geht hier für uns um alles oder nichts“, sagt deshalb Markus Thal und kündigt an: „Das wsar heute der Anpfiff für das Endspiel. Eins steht fest: Bei diesem Endspiel wird es knochenhart zugehen.“

Zugleich macht er eine Zusage Richtung Ford-Vorstand: „Wir können es in Saarlouis, wir können auch Elektroautos bauen – auch mit einer entsprechenden Profitrate.“ Sechs Prozent Marge vom Umsatz hätten die Chefs in Detroit als Zielmarke ausgegeben. „Yes, we can“, ruft Thal wie einst Barack Obama bei seiner Kampagne vor seiner Wahl zum US-Präsidenten.

Druck macht Thal aber nicht nur dem Ford-Management, sondern auch den deutschen Politikern, nicht zuletzt den beiden saarländischen Bundesministern, die jetzt im Wahlkreis Saarlouis bei der Bundestagswahl kandidieren: Außenminister Heiko Maas (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU): „An den Taten werden wir sie alle messen“, kündigt Thal an.

Beide halten auf der Demonstration eine Rede, und beide liefern Argumente pro Saarlouis. Altmaier erinnert an ein Gespräch mit Tesla-Chef Elon Musk, als der ihn fragte, was für Deutschland als Standort für seine Fabrik spräche. „Deutschland ist das Autoland“, habe er geantwortet. Wer in Deutschland erfolgreich produziere, könne mit seiner Marke Erfolg auf der ganzen Welt haben. Welchen Einfluss dieses Gespräch auch gehabt haben mag, Musk entschied sich für Deutschland. Auf Ford Saarlouis übertragen, bedeute dies, dass es im Interesse von Ford liegt, diesen Standort zu erhalten. Und Altmaier macht dem Konzern ein Angebot: für Subventionen zu sorgen für eine geplante Batteriezellproduktion.

Bei Produktivität und Qualität sei das Ford-Werk top, sagt Maas. Und das Umfeld für Elektromobilität, das Ford-Chef Farley wichtig sei, wie der ihm in einem Gespräch kürzlich gesagt habe, dieses Umfeld stimme, so Maas. Zu erkennen sei dies an der geplanten Ansiedlung des Batterieherstellers SVolt im Saarland. Dazu komme noch ein Argument: Der größte Markt für Ford-Autos in Europa sei Deutschland und dieser Markt sei nach dem Brexit und dem folgenden Einbruch der Nachfrage nach Ford-Autos in Großbritannien noch wichtiger. Dazu passe nur der Erhalt des Werks in Saarlouis.

Ob das reicht, um Jim Farley zu überzeugen? Lars Desgranges, erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall Völklingen, fordert massives Engagement der beiden Politiker ein: „Herr Maas, Herr Altmaier, nutzen Sie ihre Einflussmöglichkeiten, ein Scheitern zweier Regierungsmitglieder im eigenen Wahlkreis bei dieser Zukunftsfrage wäre auch eine Bankrotterklärung für Sie beide und auch für die Bundesregierung in Gänze.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Betriebsrat: „Das war heute der Anpfiff für das Endspiel“