1. Saarland
  2. Saar-Wirtschaft

Kampf um Ford-Werk Saarlouis weitet sich aus – auch Altmaier und Maas kommen

Auch Altmaier und Maas kommen : Kampf um Ford-Werk Saarlouis weitet sich aus: „Das lassen wir uns nicht bieten“

Die Ford-Belegschaft trägt ihren Kampf um die Zukunft des Standorts Saarlouis erstmals aus dem Werk hinaus. Dafür ist nicht nur der Aktionstag am 14. September in Saarlouis wichtig.

Der Kampf um den Fortbestand des Ford-Werkes in Saarlouis zieht weitere Kreise. Schon vor dem großen Aktionstag am 14. September um 15.30 Uhr in Saarlouis auf dem Großen Markt starten die Ford-Vertrauensleute eine Informations-Offensive im gesamten Saarland. So wird es an 15 Standorten Info-Stände geben. Es gehe darum aufzuzeigen, was es für das Saarland bedeuten würde, wenn Ford-Saarlouis und die Zulieferbetriebe dichtmachen müssten. Erstmals beziehen die Vertrauensleute sowie die Gewerkschaft IG Metall auch das benachbarte Lothringen in ihren Kampf ein. So wird es auch Info-Stände in Creutzwald sowie in Freyming-Merlebach geben.

Lars Desgranges, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Völklingen verdeutlicht, dass das Ringen um die Zukunft des Ford-Werks in Saarlouis die gesamte Großregion betrifft. Denn alleine aus Lothringen kämen täglich rund 600 Grenzpendler ins Werk, wo insgesamt 5000 Beschäftigte Autos bauen. „Wir bekommen dann eine deutliche Zunahme der Arbeitslosigkeit auf beiden Seiten der Grenze“, prophezeit Desgranges für den Fall, dass nach 2025 in Saarlouis keine Autos mehr gebaut werden sollten. Die Info-Stände auf deutscher Seite stehen in Saarbrücken, Völklingen, Saarlouis, Dillingen, Beckingen, Rehlingen, Merzig, Hüttersdorf und Losheim.

Ford Saarlouis: Auch Maas und Altmaier kommen zum Aktionstag

Auch der große Aktionstag von Ford auf dem Großen Markt in Saarlouis nimmt größere Ausmaße an. So plant die IG Metall inzwischen mit 3000 Teilnehmern. Auch die beiden Bundesminister Peter Altmeier (CDU) und Heiko Maas (SPD) werden zu den Teilnehmern sprechen. Der Aktionstag biete den Spitzenpolitiker zwar ein Forum für ihren Wahlkampf, doch gehe es um mehr als Solidaritätsbekundungen von Altmaier und Maas. Man erwarte, dass sich beide Politiker in den Kampf um den Fortbestand des Ford-Standorts Saarlouis einschalten und ihren Einfluss nutzen. „Wir haben uns den Termin für unseren Aktionstag ja nicht ausgesucht. Die aktuellen Ereignisse rund um Ford geben den Takt vor“, sagt Desgranges.

Einen Tag später kommt der Ford-Chef nach Deutschland

Besonders Bundeswirtschaftsminister Altmaier wird schon sehr bald die Gelegenheit bekommen zu beweisen, wie weit sein Einfluss auf das Ford-Management reicht. Denn nach Informationen der IG Metall wird am Tag nach dem Aktionstag Ford-Chef Jim Farley aus Detroit zu Gesprächen mit der Spitze von Ford-Deutschland in Köln anreisen. Man werde ihm mit einer großen Beteiligung am Aktionstag in Saarlouis ein deutliches Zeichen geben, was man von der andauernden Sprachlosigkeit zur Zukunft des saarländischen Ford-Standortes halte, betont Desgranges.

Das Management habe inzwischen zweieinhalb Jahre Zeit gehabt, verlässliche Signale zu geben, zumindest anzudeuten, wie es in Saarlouis weitergehen kann. „Es kommt jetzt nicht darauf an, innerhalb von drei Wochen zu entscheiden, aber es kommt auf die richtige Entscheidung an. Wir zeigen mit unserem Aktionstag klar, dass die gesamte Region zum Ford-Werk steht“, sagt Desgranges. Mit dem Aktionstag werde der Kampf um den Standort erstmals aus dem Werk herausverlagert.

IG Metall: „Das lassen wir uns nicht bieten“

Ford-Chef Jim Farley müsse sich darüber klar werden, was er auslöst, wenn er Deutschland als den wichtigsten Absatzmarkt von Ford-Pkw und Nutzfahrzeugen in Europa schwächt. „Eine Schließung des Werks Saarlouis würde die Verkaufszahlen stark beeinflussen“, betont Desgranges. „Das Management würde sich mit einer solchen Aktion auch seinen Ruf ruinieren. Denn Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann hat ja schon auf der Betriebsversammlung in Saarlouis gesagt, dass es ein Nachfolgefahrzeug für Saarlouis geben wird“, sagt der Gewerkschafter. „Wenn das jetzt nicht kommt, hätte man die Belegschaft an der Nase herumgeführt. Und alles, was die Beschäftigten zur Sicherung des Standortes schon beigetragen haben, hätte keine Früchte getragen. Das lassen wir uns nicht bieten“, warnt der IG-Metall-Bevollmächtigte das Ford-Management. Zugleich stellt er klar: „Wir stehen zu Ford. Jetzt wollen wir aber auch, dass Ford zu seinen Versprechen steht. Es muss endlich wieder Ruhe einkehren.“

Desgranges gesteht der deutschen Ford-Geschäftsführung zu, dass „wirklich alles dafür getan wird, einen Plan vorzulegen, wie man mit den europäischen Märkten nochmal Geld verdient und auch zukunftsfähige Produkte an den Markt bringt“. Dabei sei jedoch zu bedenken, dass das Unternehmen in den USA geführt wird, und dort werde auch entschieden. „Wer sich da vom europäischen Management zu früh aus dem Fenster lehnt, den kassieren die in Detroit wieder ein“, ist sich Desgranges sicher.

Der Gewerkschafter geht auch als Mitglied des Aufsichtsrats von Ford-Deutschland davon aus, dass der einflussreiche Ford- Europa-Chef Stuart Rowley in Detroit einen Plan zur Zukunft des Werks Saarlouis vorlegen wird. Aber am Ende des Tages müsse ein solcher Plan von der Konzernspitze genehmigt werden. „Rowley ist der Einzige, den ich im Aufsichtsrat als denjenigen identifiziere, der tatsächlich den Kontakt zum Top-Management in den USA hat“, beurteilt Desgranges die Machtverhältnisse. Den Einfluss der deutschen Ford-Geschäftsführung auf Entscheidungen hält er für begrenzt.