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Karlsberg: Neue Abfüllanlage für zwei Millionen Euro nimmt den Betrieb auf

Biertrinker können sich freuen : Millionen-Investition soll Karlsberg aus der Corona-Krise führen

Die Homburger Karlsberg-Brauerei hat zwei Millionen Euro in neue Technik investiert. Nach Verlusten durch die Pandemie soll die Produktion so noch einmal deutlich verbessert werden. Außerdem plant das Unternehmen einige neue Bier-Produkte.

Die Manager der Karlsberg-Brauerei haben die durch Corona erzwungene mehrwöchige Schließung der Gastronomie dazu genutzt, um eine wesentliche Verbesserung in der Produktion auf den Weg zu bringen. Diese ermöglicht nach den Worten des Betriebsleiters und ersten Braumeisters Jürgen Zeimetz ab sofort eine noch effizientere, schnellere, kostengünstigere sowie umweltfreundlichere Herstellung von Fassbier. Diese Investition hat sich Karlsberg zwei Millionen Euro kosten lassen. Profitieren wird davon in erster Linie die Gastronomie in der Region, die im großen Stil auf Fassbier setzt. Es sei zudem auch das Ursprungsprodukt einer Brauerei.

In normalen Zeiten macht Fassbier rund zwanzig Prozent des gesamten Karlsberg-Umsatzes in der Region aus. Geschäftsführer Markus Meyer lässt durchblicken, dass der Komplettverlust der Gastronomie als Absatzquelle sehr geschmerzt und den Umsatz spürbar beeinflusst hat. Man könne auch nicht mehr aufholen, was nicht verkauft oder getrunken wurde. So erreichten die Umsatzerlöse der Brauerei im ersten Halbjahr 2021 innerhalb der GmbH insgesamt 59,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2019, also noch vor Corona, kam man im gleichen Zeitraum noch auf 65 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis erreichte 9,5 Millionen Euro und lag damit deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Die vorübergehenden Verluste im Fassbier-Verkauf habe das Geschäft mit dem Lebensmittel-Handel und den Getränke-Märkten nur teilweise auffangen können.

Dennoch zeigt sich Geschäftsführer Meyer für den weiteren Verlauf des Jahres optimistisch. Bereits im Juni und Juli seien die Umsätze in der Gastronomie wieder angestiegen. Da die Hygienemaßnahmen in den Lokalen und auch das Impftempo im Saarland aus Meyers Sicht hervorragend sei, hofft er, dass sich die Lage im Herbst und Winter nicht mehr verschärfen werde.

Die neue Abfüllanlage, die eine seit 40 Jahren laufende alte Anlage ersetzt, spare vor allem Kosten ein, insbesondere Strom, Energie und Wasser. Zudem ist sie nahezu komplett automatisiert. Die Bedienung übernehmen Roboter, das bisher notwendige Personal wird nach Auskunft von Betriebsleiter Zeimetz zur Qualitätssicherung oder in anderen Unternehmensbereichen eingesetzt. Personalabbau habe es durch die Umstellung in der Produktion nicht gegeben.

Insgesamt beschäftigt Karlsberg am Standort Homburg derzeit rund 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die neue Anlage soll gegenüber der bisherigen Maschinen auch eine geringere Störanfälligkeit sowie mehr Tempo ermöglichen. Sie ist dazu in der Lage, zwischen 180 und 200 Fässer pro Stunde, abhängig vom jeweiligen Gebinde, zu reinigen, zu kontrollieren und wieder aufzufüllen. Abgefüllt wird in 15-, 20-, 30- und 50-Liter-Fässer. Der gesamte Herstellungsprozess läuft dabei auf zwei Produktionsstrassen ab.

Betriebsleiter Zeimetz erläutert zudem, dass im Normalfall jede Kiste Karlsberg, die im Lager vorrätig ist, in der Regel nur eine Woche auf Lager ist, bis sie wieder in den Umlauf kommt. Im „Vollgutlager" seien in der Regel 19 000 Paletten vorrätig, was insgesamt rund 800 000 Kisten entspricht. Die kurzen Lager- und Lieferzeiten bieten Karlsberg nach Auskunft von Geschäftsführer Meyer in der Region Saarland/Rheinland-Pfalz einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Wegen der kurzen Lieferwege von Homburg an die Zieladressen könne der Konsument sicher sein, dass das abgefüllte Bier frischer sei als so manches „Fernsehbier“, wie es Meyer nennt, das auf dem Weg von der Brauerei zu den Konsumenten erst längere Lieferwege absolvieren muss.

Christian Weber, Generalbevollmächtigter der Karlsberg Brauerei, und Geschäftsführer Meyer sind auch wegen jüngster Geschäftserfolge zuversichtlich für die kommeden Monate. So haben es die Saar-Brauer auch geschafft, für neun ihrer Produkte den begehrten World-Bier-Award abzuräumen, der in London verliehen wird. Darunter sind unter anderen das naturtrübe Kellerbier, sowie Radler- und Gründels Fresh alkoholfrei. Im November kommt eine Neuauflage des Bock-Biers auf den Markt. Zudem soll eine weitere Geschmacks-Variante des Keller-Bieres hinzukommen. Für Frühjahr 2022 seien dann nach den Worten von Meyer „Überraschungen“ bei Mixery geplant. Mehr will man noch nicht sagen. Ein weiterer Bereich, in dem sich Karlsberg verstärkt profiliert, sind Craft-Biere. „Wir freuen uns riesig über das bei den Verbrauchern entstandene Interesse an der Bier-Vielfalt. Deshalb setzen auch wir auf Craft-Beer“, sagt Geschäftsführer Meyer.