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Losheim: Homanit will Dutzende Millionen Euro in Werk investieren

Betriebsrat sieht saarländischen Standort gesichert : „Einer der wichtigsten Industriestandorte im Hochwald“ – Homanit will Millionen in Losheimer Werk investieren

Aufatmen und Erleichterung bei den Beschäftigten: Der Holzfaserplatten-Hersteller Homanit investiert kräftig in Losheim. Der Betriebsrat sieht den Standort nun für die nächsten 25 Jahre gesichert. Doch es waren harte Verhandlungen nötig.

Der Holzfaserplatten-Hersteller Homanit will rund 65 Millionen Euro in sein Losheimer Werk investieren. Das kündigte der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens, Fritz Homann, am Montag auf einer Betriebsversammlung an. Das Herzstück der Investition ist eine neue sogenannte Conti-Roll-Presse, die eine 27 Jahre alte Presse ersetzt und spürbar leistungsfähiger ist als die alte. Mit dieser Presse „können wir die Produktivität deutlich steigern“, sagte Geschäftsführer Michael Barz. Mit ihr könnten größere hoch- und mitteldichte Holzfaserplatten (HDF und MDF) als bisher in einen kontinuierlichen Druck- und Roll-Prozess zusammengepresst werden. Diese Platten, die durchschnittlich drei Millimeter dick sind, dienen dazu, Türen-, Möbel- und Küchenelemente herzustellen. Darüber hinaus investiert Homanit auch in eine neue Abluftreinigung und in die Veredelung der Faserplatten – zum Beispiel mithilfe einer neuen Schleifanlage. Die Investition soll Ende 2023 abschlossen sein.

Das Holz, das zu Faserplatten verarbeitet wir, „kommt aus der Region“, betonte Geschäftsführer Dirk Eicke. „Wir beziehen unseren Rohstoff im Umkreis von 150 bis 200 Kilometer“. Pro Jahr werden rund 150 000 Festmeter Holz benötigt. Aus denen werden etwa 175 000 Quadratmeter Faserplatten gefertigt. In Losheim sind mehr als 290 Frauen und Männer beschäftigt. Zwei weitere Werke befinden sich in Polen (Karlino und Krosno Odrzanskie); ein viertes wird derzeit in Litauen errichtet. Die Firmengruppe Homanit, die ihren Unternehmenssitz in Herzberg am Harz hat, beschäftigt insgesamt 1200 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von etwa 463 Millionen Euro.

Die Investition in das Losheimer Werk „ist auch für die Belegschaft eine gute Nachricht“, sagte der Homanit-Betriebsratsvorsitzende Norman Brachmann. „Dies sichert den Standort für die nächsten 25 Jahre“, ist er überzeugt. „Diese Investitionsentscheidung zeichnet gerade auch unsere Belegschaft in höchstem Maße aus.“

Dem Knallen der Sektkorken gingen allerdings harte Verhandlungen voraus. Denn die Presse hätte auch im polnischen Werk in Krosno errichtet werden können. Nachdem die Losheimer Belegschaft zu Zugeständnissen bereit war, fiel die Entscheidung zugunsten des Hochwald-Werks. Für die Mitarbeiter hat die Verhandlungskommission unter Markus Andler, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Verwaltungsstelle Völklingen, erreicht, dass ihr Entgelt ab April 2022 tarifwirksam um vier Prozent steigt. Diese Vereinbarung gilt bis Ende 2024. „Am Urlaubs- und Weihnachtsgeld wurde nicht gerüttelt“, sagte Andler. Er machte deutlich, „dass die Verhandlungskommission damit verhindern konnte, dass es in einigen Jahren eventuell Verhandlungen über einen Sozialplan gegeben hätte“.

„Damit ist einer der wichtigsten Industriestandorte im Hochwald langfristig gesichert“, sagte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) bei der Präsentation des Ergebnisses. Sie griff die Anregung von Homanit-Geschäftsführer Eicke auf, der sich für das Werk erneut einen Gleisanschluss wünscht, wie es ihn früher schon einmal gegeben hatte. Ganz unmöglich scheint das nicht zu sein, denn die Bahnstrecke zwischen Merzig und Losheim – die Hochwaldbahn – soll dem saarländischen Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan zufolge für Zugpassagiere revitalisiert werden. „Es besteht eine gute Kosten-Nutzen-Analyse für das Vorhaben“, betonte die Ministerin. Derzeit sei eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, deren Ergebnis abgewartet werden müsse. Auch wenn die Gleise noch vorhanden sind, geht sie dennoch jedoch aus, „dass der Zuschussbedarf hoch sein dürfte“.

Die Firma Homanit ist seit 1993 im Hochwald tätig. Damals übernahm sie das Werk von dem Vorgängerunternehmen Renitex. Davor war die Firma in der Hochwald-Region als Holzfaserplattenwerk Losheim (Holo) bekannt. Homanit baute das Werk komplett um und startete Mitte der 1990er Jahre die Fertigung der MDF- und HDF-Platten.

In Losheim ist außerdem das Homanit-Technologiezentrum angesiedelt, das erst vor einem Jahr erweitert wurde. Dort probieren die Holzexperten unter anderem aus, wie die Platten in einer noch höheren Qualität hergestellt und veredelt werden können. Auch die Prototypen künftiger Produktgenerationen werden dort auf Kiel gelegt. In einer Klimakammer prüfen die Techniker zudem Türen auf Herz und Nieren, die mit Homanit-Holzplatten verkleidet sind. Sie können Temperaturunterschiede von plus 40 bis minus 15 Grad simulieren und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 25 und 85 Prozent, um zu sehen, ob die Türen sich verziehen.