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Öl spielt weiterhin eine wichtige Rolle beim Heizen.

„Grüne“ Brennstoffe ersetzen fossile Energieträger : Ölheizungen noch in 40 Prozent der Wohnungen im Saarland

Der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte hält auch flüssige Brennstoffe für zukunftsfähig.

Das Heizen mit Öl ist noch lange nicht zu Ende. In deutschen Kellern stehen noch weit über eine Million Anlagen. Im Saarland werden derzeit 37,2 Prozent der insgesamt 111 200 Wohnungen mit Öl geheizt. Im Bundesdurchschnitt sind es 25 Prozent der rund 5,4 Millionen Wohnungen. Erdgas wird in 30,2 Prozent der saarländischen Wohnungen genutzt und Fernwärme in 12,5 Prozent. Diese aktuellen Zahlen präsentierte der Verband Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) am Mittwoch auf seiner Pressekonferenz zu ersten Halbjahr. Der Verband umfasst die Bundesländer Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen und vertritt die Interessen von rund 400 vorwiegend mittelständischen Firmen aus dem Brennstoff- und Mineralölhandel. Die Mitgliedsunternehmen decken rund 80 Prozent des Marktvolumens aller im Verbandsgebiet ansässigen Händler ab.

Die Ölheizungen im Saarland sind überwiegend in den ländlichen Räumen zu finden, in der Regel in Ein- und Zweifamilienhäusern. Der relativ hohe Bestand ist auch darauf zurückzuführen, dass es dort keine Gas- und Fernwärmeleitungen gibt. Mehrfach schon hat der VEH betont, dass Ölheizungen auch in Zukunft verwendet werden dürfen. „Falschmeldungen, dass Ölheizungen ab 2026 verboten seien, müssen wir unbedingt korrigieren. Sie lösen Verunsicherung bei den Hauseigentümern aus und verhindern Investitionen in moderne Heiztechnik“, sagte VEH-Vorstand Henrik Schäfer, der als Energiehändler in Pforzheim arbeitet.

Das Gebäudeenergiegesetz von 2020 sieht kein Verbot von Ölheizungen vor. Allerdings gelten strengere Richtlinien für die Errichtung und den Betrieb von Ölheizungen. Anlagen, die noch keine 30 Jahre alt sind, dürfen weiterbetrieben werden. Anlagen, die älter als 30 Jahre sind, dürfen ebenfalls weiterbetrieben werden, wenn sie über  einen Niedertemperatur- oder Brennwertkessel verfügen oder in einem selbstgenutzten Ein- oder Zweifamilienhaus stehen. Ist das nicht der Fall, müssen die Anlagen ausgetauscht werden.

Andreas Mahlberg vom Institut für Wärme und Mobilität (IWO) erklärte, dass bis zum 1. Januar 2026 Ölheizungen noch ohne Einbindung erneuerbarer Energien modernisiert werden könnten. Danach müssten Ölheizungen gegen Öl-Brennwertheizungen ersetzt werden, die überschüssige Wärme ebenfalls zum Heizen verwenden und zudem einen Anteil erneuerbarer Energien nutzen. Das kann zum Beispiel Solarthermie sein, bei der über Kollektoren auf dem Dach gewonnene Sonnenenergie in Wärmeenergie umgewandelt wird, oder von kleinen, direkt am Gebäude installierten Windanlagen erzeugte Wärmeenergie.

Der Energiehandel setzt zudem auf sogenanntes grünes Heizöl (future fuels). Es wird aus Biomasse, zum Beispiel Pflanzenresten, oder alten Speiseölen hergestellt. Herkömmliches Heizöl und auch Gas werden durch die staatlich verordneten CO2-Abgaben fortlaufend verteuert. Bei Öl liegt der Aufschlag derzeit bei 7,9 Cent pro Liter, bei Erdgas sind es für die vergleichbare Menge sechs Cent. Schon 2025 werden es beim Heizöl 17,3 Cent pro Liter sein, beim Gas 13 Cent. Grünes Heizöl, das mit normalem Heizöl gemischt werden kann, ist bereits im Handel; es kostet gegenüber herkömmlichem Premiumheizöl acht Cent pro Liter mehr.

Derzeit machen sich viele Bürger keine Gedanken über die Ölpreise. Ihre Tanks sind noch voll. Der Heizölabsatz lag in diesem Jahr von Januar bis Juni bundesweit bei vier Millionen Tonnen. Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres waren es 8,3 Millionen Tonnen. „Der Einbruch der Wirtschaft weltweit durch das Coronavirus hatte 2020 zu einem Preisverfall beim Rohöl geführt. Dadurch wurde auch Heizöl deutlich günstiger. Die Leute haben sich ihre Tanks zu Hause randvoll füllen lassen“, erläuterte VEH-Geschäftsführer Hans-Jürgen Funke. Momentan kostet Heizöl im Bundesdurchschnitt rund 72 bis 74 Cent je Liter bei einer Bestellung von 3000 Litern.

Als zukünftiger Ölersatz gelten sogenannte E-Fuels (Elektro-Kraftstoffe). Es handelt sich um synthetische Kraftstoffe, die mithilfe von Strom aus Wasser und Kohlenstoffdioxid (CO2) hergestellt werden. Erfolgt die Produktion mit Solar-, Wind- oder Wasserenergie, sind die E-Fuels klimaneutral. Da sie auch in flüssiger Form geliefert werden können, können sie Heizöl ersetzen. Der Verband Energiehandel Südwest-Mitte setzt „auf deutsche Ingenieurskunst“. Die Abgaben für CO2 hingegen verfehlten die behauptete Lenkungswirkung. Wo es noch keine schnellen Alternativen zu Ölheizsystemen gebe, was vor allem im ländlichen Raum der Fall sei, würden die betroffenen Bürger ungebührlich belastet.

Daher wehrt sich der VEH auch gegen „kommunale Eingriffe“ bei der Heiztechnik. Jörg Lenk, Referent für Technik und Umweltfragen des Verbandes, berichtete von kommunalen Satzungen und Bebauungsplänen, in denen das Verbrennen fossiler Energieträger verboten wurde, oder von „Anschluss- und Benutzungszwängen“ für Fern- oder Nahwärme. Solche Praktiken sind nach Ansicht des VEH illegal. Bundesweit sind bisher 1481 Fälle registriert, sechs davon im Saarland. „Jeglicher Zwang wird bei den Bürgern zur Ablehnung führen. Wir setzen eher auf innovative Technik auch bei den flüssigen Brennstoffen“, erklärte Hans-Jürgen Funke.

Kohleheizungen haben nach Angaben von Hans-Jürgen Funke im Saarland einen Anteil von „deutlich unter fünf Prozent“. Wegen der teilweise schwachen Sozialstruktur im Saarland könnten es sich viele der Kohle-Haushalte finanziell gar nicht leisten, neue Heizanlagen einbauen zu lassen. Die Zahl der Pelletheizungen in Deutschland wächst. Doch der Anteil liegt noch unter fünf Prozent am Bestand allen Heizungssystemen. Im vergangenen Jahr waren es bundesweit rund 62 000 Pelletheizungen, davon etwa 1050 im Saarland. Für Ende 2021 rechnet der VEH mit rund 70 000 Pelletheizungen bundesweit. Wie beim Heizöl steigen die Preise für Pellets in den Wintermonaten. Über die letzten drei Jahre gesehen, schwanken die Pellet-Preise zwischen 220 und 270 Euro je Tonne.