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Saarland: Deutsche Post/DHL schließt immer mehr Postämter

Wichtige Post kurz vor Weihnachten : Auf der Suche nach einer Postfiliale in Saarbrücken: Briefe versenden als Kulturereignis

Die Deutsche Post/DHL schließt immer mehr angestammte „Postämter“ und verweist die Kundschaft auf neue „Postagenturen“. Sind die Klagen darüber berechtigt?

Zugegeben: Dass in dem roten Gebäude der kaiserlichen Post von 1900 an der Ecke Dudweiler-/Stephanstraße gegenüber der evangelischen Johanneskirche im Herzen Saarbrückens seit Juli 2021 keine Postfiliale mehr residiert, irritiert viele  Saarbrückerinnen und Saarbrücker. Zwar steht dort vor dem Eingang noch ein gelber Briefkasten, doch innen ist alles verrammelt und ein Schild verweist auf die nächstgelegene Postagentur in der Richard-Wagner-Straße, etwa 300 Meter entfernt. Wieder eine Postfiliale dicht, ärgern sich viele.

Doch die Geschäftspolitik der Deutschen Post/DHL ist eben nicht mehr die einer Behörde, sondern die eines kapitalistischen Dienstleistungsunternehmens. Für die Kundschaft entscheidend bleibt, dass sie ihre Briefe, Päckchen und Pakete verschicken kann.  So haben sich ja auch die Konkurrenten des „gelben Riesens“ bereits in Lotto-Annahmestellen, Kiosken und Tabakgeschäften Paketschalter eingerichtet.

Im Falle der Alternative zur geschlossenen Postfiliale an der Johanneskirche entpuppt sich diese in einem ehemaligen Hifi-Laden sogar als echter Glücksfall. Denn die Post hat ihre gelbe Theke fast wie einen Kinderkaufmannsladen in einem von Afrikanerinnen und Afrikanern geführtes Gemischtwarengeschäft aufgestellt. Auf der linken Seite stapeln sich 20-Kilo-Reissäcke, es werden sichere Geld-Transfer-Geschäfte nach Afrika angeboten. Neben dem Postschalter hängen handgewebte Burnusse aus sandfarbenen Stoffen und gebatikte Klieder. Es duftet nach Kardamom. Und hinter dem Schalter steht eine freundlich lächelnde Dame mit einer schicken Brille, die an die Augengläser des ersten Premiers des Kongo, Patrice Lumumba, erinnert. So wird das Briefeversenden zu einem Kulturereignis. Der Deutschen Post sei Dank.