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Saarland: Netzbetreiber Amprion investiert Millionen - das sind die Gründe

Konkrete Pläne : Netzbetreiber Amprion investiert hunderte Millionen Euro ins Saarland

Der Strom-Übertragungsnetzbetreiber Amprion investiert mehrere Millionen Euro in seine Netze und Umspann-Anlagen im Saarland. Das sind die Gründe – und die konkreten Pläne.

Der Strom-Übertragungsnetzbetreiber Amprion, der auch für das Saarland zuständig ist, will in den kommenden Jahren – bis 2035 – einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in seine saarländischen Netze und Umspann-Anlagen investieren. Allein bis 2027 sollen 311 Millionen Euro ausgegeben werden. Das teilte der Dortmunder Netzkonzern auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Das ist konkret mit der Millioneninvestition geplant

Allein in die Umspannanlage in Ensdorf will Amprion rund 60 Millionen Euro investieren, da sie „ein wichtiger Knotenpunkt der Stromversorgung im Saarland ist“. Bisher wird die über Freileitungen transportierte Energie von 220 Kilovolt (kV) auf 110 kV heruntertransformiert. Der regionale Netzbetreiber VSE Verteilnetz GmbH verteilt den Strom dann in der Region in die Mittel- und Niederspannungsleitungen.

Amprion will die Umspann-Anlage auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände in Ensdorf erweitern. Dort sollen drei neue Transformatoren errichtet werden, die den dann mit einer Spannung 380 kV ankommenden Strom auf 110 kV heruntertransformiert. Außerdem will der Netzbetreiber zwei 380kV-Phasenschieber-Transformatoren in Betrieb nehmen „und ein neues Betriebsgebäude auf dem Anlagengelände errichten“. Phasenschieber-Trafos werden eingesetzt, um den elektrischen Lastfluss bei mehreren parallel verlaufenden Leitungen gezielt zu steuern. In diesem Fall sind es die zwei Trassen zwischen dem Umspannwerken in Ensdorf und Illingen-Uchtelfangen. Ohne die beiden geplanten Phasenschieber-Trafos müssten die beiden Leitungen verstärkt oder ausgebaut werden.

Neue Großabnehmer für Strom in der Zukunft

Die Amprion-Investitionen sind Netzexperten zufolge notwendig, weil es künftig neue Großabnehmer für Strom geben wird, wenn zum Beispiel die saarländische Stahlindustrie in Dillingen und Völklingen zwei Elektrolichtbogen-Öfen baut, in denen aus Eisenschwamm Stahl geschmolzen werden soll, der weitgehend ohne den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) – also „grün“ – erzeugt wird. Auch der Batteriehersteller SVolt, der sich in Überherrn ansiedeln will, benötigt jede Menge zusätzlichen Strom. Das höhere Angebot an erneuerbarer Energie aus Windparks und Photovoltaik-Anlagen wirkt sich ebenfalls auf die Aufnahme-Fähigkeit der Übertragungsnetze aus.

Der Umbau in Ensdorf ist Amprion zufolge eng verbunden mit Investitionen, die für die Leitung zwischen dem Umspannwerken Uchtelfangen und Vigy nordöstlich von Metz geplant sind. Diese Leitungen sollen durch leistungsstärkere Leiterseile – so genannte Hochtemperaturleiter (HTLS, High-Temperature-Low-Sag) – ersetzt werden. Sie können mehr Strom durchleiten, ohne dass sie sich höher erwärmen und dadurch stärker durchhängen, wobei die Spannung von 380 kV gleichbleibt. „Das Ziel ist, den Leistungsfluss zwischen Deutschland und Frankreich zu optimieren und dem Stromhandel zwischen den Ländern zu verbessern“, betont Amprion. „Dies betrifft sowohl den Im- als auch den Export der Energie nach Frankreich“.

Weitere hochspannungsleitungen sollen verstärkt werden

Auch in das Umspannwerk Uchtelfangen selbst will Amprion in den nächsten fünf Jahren weitere 44 Millionen Euro investieren. Diese dienen in erster Linie dazu, die Spannung im Netz zu regulieren, wenn viel Strom aus Sonne und Wind zur Verfügung steht. Geplant ist eine Drosselspule, die die Spannung drosselt und eine Netzüberlastung verhindert. Sie ergänzt einen Phasenschieber, der den gleichen Zweck erfüllt und bereits 2019 in Uchtelfangen eingebaut wurde.

Amprion will auch die Hochspannungs-Leitungen zwischen Saarlouis-Fraulautern und Dillingen-Diefflen und von dort nach Saarwellingen verstärken. Dort soll eine Parallel-Leitung zwischen den bereits bestehenden 380- beziehungsweise 220-kV-Leitungen gezogen werden. Das Unternehmen will hierzu „den vorhandenen Trassenraum nutzen“.

Amprion ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland. Die drei anderen sind 50Hertz, Tennet und Transnet-BW. Das Versorgungsgebiet umfasst den Westen Deutschlands, aber auch einen Teil Bayerns. Amprion „transportiert den Strom für 29 Millionen Menschen in einem Gebiet von Niedersachsen bis zu den Alpen“, heißt es in einer Eigendarstellung. Dafür stehen 11 000 Kilometer Hochspannung-Netze von 220 bis 380 kV zur Verfügung. Um den Strom in die regionalen und lokalen Verteilnetze zu übertragen, verfügt Amprion über rund 165 Schalt- und Umspannanlagen. Der Konzern beschäftigt rund 2200 Frauen und Männer. Amprion gehört zu 74,9 Prozent der M31 Beteiligungsgesellschaft. Dahinter stehen überwiegend deutsche Finanzinvestoren aus der Versicherungswirtschaft und von Versorgungswerken. Die übrigen 25,1 Prozent hält der Energieversorgungs-Konzern RWE.