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SaarLB holt Frankfurter Bankgesellschaft für Betreuung vermögender Kunden ins Haus

Privatbank eröffnet Büro in Landesbank : Saar-LB holt sich Partner für Betreuung reicher Kunden ins Haus

Die Frankfurter Bankgesellschaft hat eine Filiale in der Saar-LB eröffnet. Solch eine Ansiedlung ist in diesen Zeiten ungewöhnlich.

Die Landesbank Saar (Saar-LB)  bekommt Zuwachs. Sie hat sich einen Partner ins Haus geholt – für die Betreuung vermögender Kunden. „Ins Haus“ ist wörtlich gemeint. Seit dem 1. April hat die Frankfurter Bankgesellschaft ein Büro in der Saarbrücker Zentrale der Saar-LB. Die sechs Mitarbeiter der Landesbank, die sich bislang um reiche Kunden gekümmert haben, bleiben in der Saar-LB. Sie sind aber jetzt bei der  Frankfurter Bankgesellschaft angestellt.

„Das ist eigentlich eine Neuansiedlung. Wir haben das heute im Bankgeschäft sehr selten“, sagt Gunar Feth, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Saar-LB. Seit langem passiert in der Bankenwelt das Gegenteil. Die Banken und Sparkassen in Deutschland haben in den vergangenen zehn Jahren ein Drittel ihrer Filialen aufgegeben. Prominente Beispiele sind die Commerzbank und die Deutsche Bank, die Hunderte Standorte schließen. Die Frankfurter Bankgesellschaft, eine Privatbank, die zu hundert Prozent der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) gehört, ist dagegen auf Wachstumskurs. Sie hat ihren Hauptsitz in Zürich, die deutsche Tochter firmiert in Frankfurt, daneben gibt es Büros in Düsseldorf und München, seit Mitte 2019 eine Niederlassung in Hamburg – und nun einen Standort in Saarbrücken.

 Gunar Feth, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Saar-LB
Gunar Feth, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Saar-LB Foto: Saar-LB

Die Saar-LB empfiehlt ihren reichen Kunden, ihr Vermögen künftig von der Frankfurter Bankgesellschaft verwalten zu lassen. Sie verlassen damit nicht die Saar-LB. Sie sind dann Kunden zweier Banken. Die Saar-LB managt weiterhin die Basis-Dienstleistungen rund um Konto und Geldkarten, und sie kümmert sich auch um das Thema Kredite. „Die Frankfurter Bankgesellschaft ist kein Finanzierungsinstitut“, sagt Feth. Sie befasst sich nur mit der Vermögensverwaltung von Privatkunden und Familienunternehmern und berät außerdem bei Firmenkäufen und -verkäufen.

Wie viele Kunden der Saar-LB als vermögend gelten und für die Betreuung durch die Frankfurter Bankgesellschaft infrage kommen, will Feth nicht verraten. In diesem Geschäft zähle Diskretion. Genauso lässt er offen, wie viel jemand besitzen muss, um für eine individuelle Betreuung durch den neuen Partner infrage zu kommen. Bei Vermögen unter einer Million Euro dürfte das aber wohl meistens uninteressant werden.

Die neue Zusammenarbeit hat eine Vorgeschichte. Die Saar-LB hatte vor vier Jahren ein Programm gestartet, um die Bank schlanker und schlagkräftiger zu machen. Ein Ergebnis dieses Projekts „Saar-LB 2020“  sei gewesen, einen Partner für das Geschäft mit vermögenden Kunden zu suchen, sagt Feth. Denn angesichts eines Nullzins-Umfeldes seien die Anforderungen gewachsen. Es habe sich ein Trend zu einer „ganzheitlichen Vermögensverwaltung“ entwickelt, sagt Feth. Eine Beratung, die umfassend Anlageziele, Rendite-Erwartung, Risikoneigung und -tragfähigkeit der Kunden klärt sowie aus einem breiten Portfolio von Anleihen, Aktien, Immobilien bis hin zu Edelmetall-Anlagen schöpft.  „Es ist eigentlich eine Maßschneiderei“, sagt Feth. Das könne die vergleichsweise kleine Saar-LB alleine nicht leisten. „Dafür braucht man Größe“, die aber nicht in standardisierte Angebote für die Kunden münde, sondern Individualität ermögliche. Diese Rolle der Maßschneiderei sieht Feth bei der Frankfurter Bankgesellschaft erfüllt. Die Ansiedlung ist aus seiner Sicht „ein Upgrade für die Saar-LB und – an erster Stelle – für die Kunden“.

Die Privatbank hat sich in den vergangenen Jahren in der Sparkassen-Welt, zu der auch die Saar-LB gehört, als Spezialist für Vermögensverwaltung etabliert. Sie hatte Ende 2020 laut Geschäftsbericht Kooperationen mit 275 der 380 Sparkassen in Deutschland. Die Gewinnung der Kunden läuft über die Sparkassen. So soll es auch hier im Saarland sein. Diese Aufgabe haben die  Saar-LB und die mit ihr verbundenen saarländischen Sparkassen.

Vor mehr als zehn Jahren hatte die Saar-LB schon mal einen Anlauf unternommen, um die Verwaltung großer Vermögen von Privatkunden zu stärken. Dadurch sollten etwa Unternehmer, die ihren Firmenkredit bei der Saar-LB hatten, einen Anreiz bekommen, auch ihr Privatvermögen dort managen  zu lassen und nicht zum Beispiel von der Deutschen Bank. Der damalige Partner war die Privatbank Berenberg. Der Ansatz sei ein Schritt hin zu dem gewesen, was heute die Frankfurter Bankgesellschaft anbietet, sagt Feth. Seit einigen Jahren seien Berenberg-Produkte aber nicht mehr im Angebot. 

 Die Frankfurter Bankgesellschaft zählt nach eigenen Angaben zu den zehn größten Privatbanken in Deutschland und wächst seit Jahren stark. Sie verwaltete zum Stichtag 31. Dezember 2020 Kundenvermögen von 12,6 Milliarden Euro. Im Corona-Jahr flossen der Bank damit rund 1,2 Milliarden Euro Kundengelder zu – ein Plus von zehn Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um ein Fünftel auf rund 270.