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So günstig sind ab Juli Tickets für Bus und Bahn im Saarland

Tarifreform des Saarländischen Verkehrsverbunds : So günstig sind Tickets für Bus und Bahn im Saarland jetzt

Fahren mit Bus und Bahn wird in vielen Fällen günstiger. Hier der große Überblick, mit welchen Tickets sie viel Geld sparen können.

Worauf zielt die Tarifreform im Saarländischen Verkehrsverbund (Saar-VV)?

„Wir machen die Tarife einfacher und für viele günstiger – vor allem für Abo-Kunden“, sagt Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD). „Denn wir wollen es attraktiv machen, dauerhaft auf Bus und Bahn umzusteigen.“ Der Saar-VV formuliert das Ziel ähnlich: „Wir möchten erreichen, dass Berufstätige, Schüler, Senioren und Familien das Bus und Bahnfahren als umweltfreundliche und verkehrsschonende Mobilitätsalternative wählen.“ Die Saarländer sollen so motiviert werden, statt Auto mehr Bus und Bahn zu fahren.

Inwiefern hat Corona die Reformpläne beeinflusst?

Ursprünglich sollte die Tarifreform zum 1. Januar starten. Die Umsetzung wurde wegen der Pandemie auf den 1. Juli verschoben. Corona hat auch die Ziele verändert, die man sich bei den Fahrgastzahlen gesetzt hat. Ein Gutachten, das zu Beginn der Reformplanungen erstellt wurde, hatte eine Steigerung der Nutzerzahlen um etwa zehn Prozent in Aussicht gestellt. Corona hat diese Kalkulation durchkreuzt. Der Saar-VV beförderte 2019, in dem Jahr vor Corona, nach eigenen Angaben rund 69 Millionen Fahrgäste. Im vergangenen Jahr waren es pandemiebedingt nur noch rund 61 Millionen. Dieser Abwärtstrend hat sich laut Saar-VV im ersten Quartal dieses Jahres fortgesetzt. Dem Saar-VV geht es daher nun nicht nur darum, Neukunden zu gewinnen. Er will auch Kunden, die er infolge der Corona-Pandemie verloren hat, dazu bewegen, wieder den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Das Ministerium hofft auf einen Re-Start-Effekt im Zuge der Werbekampagne für die Tarifreform.

 Die neuen Tarife des Saarländischen Verkehrsverbunds
Die neuen Tarife des Saarländischen Verkehrsverbunds Foto: SZ/Müller, Astrid

Was ist der Kern der Tarifreform?

Wie bei Handytarifen stehen Flats im Mittelpunkt. Sie ermöglichen beliebig viele Fahrten im ganzen Land mit einem Ticket. Die sogenannten Flat-Abos sind der entscheidende Hebel, um das Fahren mit Bus und Bahn günstiger zu machen. Und das Einsteigen wird einfacher, weil der Kauf von Einzeltickets wegfällt. Damit verbunden ist die Hoffnung auf eine verstärkte Nutzung: Wer zum Beispiel solch ein Flat-Abo für die Fahrt zur Arbeit oder zur Schule gekauft hat, nutzt es dann vielleicht auch für andere Fahrten und lässt das Auto stehen.

Welche Preis-Vorteile bringen die Flat-Abos für das ganze Saarland?

Die Tarife für Fahrten im ganzen Saarland kosten deutlich weniger als zuvor und lohnen sich im Vergleich zum Kauf mehrerer Einzelfahrkarten schneller. Hat bisher eine Fahrkarte fürs ganze Netz 133 Euro im Monat gekostet, sind es künftig 99 Euro. Noch viel billiger wird es für Nutzer, die montags bis freitags nicht vor neun Uhr fahren wollen. Sie können auf das 9-Uhr-Abo umsteigen, das nur 39 Euro im Monat kostet und ebenfalls für beliebig viele Fahrten im Saarland gültig ist. Auch das Netz-Abo für Senioren ab 65 Jahren wird preiswerter: Statt 65,67 Euro kostet es 59 Euro. Genauso profitieren Schüler und Azubis von niedrigeren Abo-Preisen.

Was unterscheidet die Flatrate-Abos von klassischen Zeitkarten?

In vielen Fällen ist die neue Saarland-Flat günstiger als ein klassisches Abo für eine bestimmte Strecke. Ab der Preisstufe 5 ist das der Fall, und das Flat-Ticket ist nicht wie das klassische Abo auf den durch die angegebene Strecke und die zugehörigen Waben festgelegten Geltungs-Bereich beschränkt. Auch wer sein Abo umstellt und für die Flat mehr zahlt als zuvor, kann daher profitieren, wenn er den ÖPNV auch für andere Fahrten im Saarland nutzt. Allerdings sind die klassischen Monatsabo-Tickets übertragbar auf andere Nutzer. Der Karteninhaber kann sie zum Beispiel in der Familie oder im Freundeskreis weiterreichen. Das ist bei den Flat-Abos nicht möglich. Jedoch ist auch beim Saarland-Abo erlaubt, montags bis freitags ab 19 Uhr sowie generell samstags, sonntags und freitags zwei weitere Personen mitzunehmen.

Welche Rolle spielen die umstrittenen Waben noch?

Die Flatrates führen dazu, dass die umstrittene Wabenstruktur, die bisher für die Ticketpreise maßgeblich war, weniger wichtig ist. Bei Einführung des Saar-VV 2005 wurde das Land in Waben aufgeteilt, in Zonen, die jeweils einer Preisstufe entsprechen. Besonders großen Ärger haben die Zähl-Waben ausgelöst, Waben, die für keine Fläche standen, sondern nur den Preis auf bestimmten Strecken erhöhten. Bei saarlandweiten Flat-Abos spielen die Waben naturgemäß keine Rolle. Es gibt aber Flat-Abos für Schüler und Azubis, die nur in einer Wabe (Preisstufe 1) oder in den Großwaben Saarbrücken und Völklingen gelten (Preisstufe 0). Wirklich relevant sind sie nur für Fahrgäste, die Einzel- oder Tagestickets oder klassische Abos kaufen. Allerdings gibt es nicht mehr zehn Preisstufen, sondern nur noch sieben.

Was ändert sich bei den Schüler-Tickets?

Das neue Schüler-Abo gibt es ab Juli nur noch in drei Preisstufen sowie im Stadttarif St. Ingbert und Homburg. Es kostet ab der Preisstufe 2 künftig 49 Euro pro Monat für das gesamte Netz. Zum Vergleich: Das Landkreis-Schüler-Ticket kostet heute 59,50 Euro. Für eine saarlandweite Ausdehnung benötigt man ein Zusatz-Ticket und kommt dann auf Preise zwischen 80 und 102,30 Euro. Schüler, die im ganzen Land unterwegs sein wollen, zahlen also im Vergleich zu den heutigen Tarifen künftig zum Teil weniger als die Hälfte.

Wie funktioniert der Geschwister-Rabatt bei der Schüler-Tickets?

Mussten bisher Familien mit mehreren Kindern für jedes Kind den vollen Preis des Schüler-Tickets zahlen, bekommen Geschwister künftig einen Rabatt. Beim saarlandweiten Abo für ein Geschwisterkind zehn Euro, ab dem dritten Geschwisterkind werden jeweils 20 Euro erlassen. Das Schüler-Abo kostet dann also für Geschwister 39 beziehungsweise 29 Euro pro Monat. Den Rabatt gibt es aber nur, wenn die Kinder in einem Haushalt leben und die gleiche Wohnadresse haben. Alle Geschwisterkinder müssen ein Schüler-Abo haben. Nicht als Geschwisterkind gelten Auszubildende mit einem Azubi-Abo, Studenten mit einem Semester-Ticket und Grundschüler mit Kostenträger-Abo. Alle Abonnements müssen beim gleichen Abo-Center beantragt werden. Die Erstattung erfolgt ausschließlich auf Antrag im Nachgang. Erstattungsanträge sind spätestens bis zum 31. März des Folgejahres für das Vorjahr zu stellen.

Was kosten Azubi-Tickets künftig?

Das saarlandweite Flat-Abo für Azubis kostet 59 Euro im Monat. Bisher sind es knapp 140 Euro. Der neue Flat-Preis kann noch deutlich sinken, wenn der Arbeitgeber Geld zuschießt. Die Mindestförderung durch Arbeitgeber beträgt 20 Euro. Dann gewährt der Saar-VV weitere zehn Euro Rabatt. Mit der Folge, dass Azubis höchstens 29 Euro im Monat für beliebig viele Fahrten zahlen.

Gibt es Tarife für Menschen, die sehr wenig Geld zur Verfügung haben?

Ja, mit der Tarifreform werden landesweit gültige Sozialtarife eingeführt, die zum Beispiel Hartz-IV-Empfänger und Asylbewerber nutzen können. Das sogenannte Fair-Ticket kostet 29 Euro. Es gilt von Montag bis Freitag ab neun Uhr und an Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen ganztägig. Das Fair-Ticket Plus ohne Zeitbeschränkungen kostet 39 Euro.

Wie teuer sind Einzelfahrten?

Die Preise der Einzeltickets bleiben bis zur Preisstufe 7 nahezu gleich. Nur bei Fahrkarten für Kinder gibt es Veränderungen. Der entscheidende Schritt ist aber, dass die Preisstufen 8 bis 10 wegfallen, wodurch Tickets für weite Fahrten billiger werden. Ab Preisstufe 7 ist das Ticket bereits für eine beliebige Fahrt im Saarland gültig. Es kostet 7,50 Euro. Bisher wurden 10,10 Euro fällig. Bei der Ermittlung des Preises für Einzeltickets sind die Waben weiterhin entscheidend, aber eben nur bis zur Preis­stufe 7.

Wann lohnen sich Tages-Tickets?

Bei fast jedem Kunden, der mehr als eine Strecke fährt. Bei Hin- und Rückfahrt am gleichen Tag bietet die Tageskarte für Alleinreisende in den Preisstufen 0 und 3 die günstigere Variante. In den Preisstufen 1 und 2 ist die Tageskarte zehn Cent teurer als zwei Einzelfahrscheine. Ab der Preisstufe 4 ist bei Hin- und Rückfahrt am selben Tag die Tageskarte erheblich günstiger. Bei den Tageskarten ist der neue Preis besonders bei der netzweiten Karte viel niedriger als bisher. Kostet die Netz-Tageskarte für eine Person heute 20,20 Euro, ist sie ab Juli für nur 8,80 Euro zu haben. Die neue saarlandweite Tageskarte für zwei Personen kostet 9,90 Euro. Und bis zu fünf Personen zahlen künftig zusammen 18,90 Euro anstatt heute 32,50 Euro. Mit diesen Karten will der Saar-VV insbesondere Gelegenheitsfahrer ansprechen, öfters ihr Auto stehenzulassen und den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen.

Gibt es auch Tickets, die teurer werden?

Ja. Eine Preiserhöhung gibt es bei Wochenkarten, aber ab der Preisstufe 7 ist das Ticket im gesamten Netz gültig. Kinderfahrscheine der Preis­stufe 2 werden 30 Cent teurer, gelten aber im ganzen Saarland. Azubis, die bisher für ihr Abo in der Preisstufe 2 rund 49 und in Stufe 3 rund 56 Euro gezahlt haben, werden auf die 59 Euro teure Azubi-Flat umgestellt. Sie kann sich aber bei entsprechendem Arbeitgeberzuschuss auf 29 Euro verbilligen. Außerdem gilt die Flat-Karte im gesamten Netz.

Was ist neu bei der Fahrradmitnahme?

Neu ist die Rad-Monatskarte zum Preis von 39 Euro im Monat – ausschließlich als Zusatzkarte für die „normale“ Monatskarte im Abonnement. Sie berechtigt zur Mitnahme eines Rades auch vor 9 Uhr in den Zügen von DB Regio und Vlexx im gesamten Netz. Sie gilt nicht in den Zügen der Saarbahn und nicht in Bussen. Für Job-Ticket-Kunden kostet ein Jahres-Rad-Abo 29 Euro pro Monat.

Dürfen weiterhin in Bussen und in der Saarbahn Fahrräder mitgenommen werden?

Insoweit der Platz reicht, sind Fahrräder wie bisher auch in der Saarbahn und in den Bussen erlaubt. Vor 9 Uhr ist eine Einzelfahrkarte Rad erforderlich. Diese wird es auch ab Juli in drei Preisen geben. In der Preisstufe 0 und 1 für zwei Euro, in der Stufe 2 und 3 für drei Euro und ab Preisstufe 4 für vier Euro. Diese Preise gelten auch bei DB Regio und Vlexx für alle, die kein Rad-Abo haben.

Was wird aus den lokalen Tarifen in einzelnen Kommunen?

Die Stadttarife in St. Ingbert und in Homburg existieren weiter. Zum Teil werden die Tarife nach unten an Werte der Saarland-Tarife angepasst.

Wie wird die Tarifreform finanziert?

Die Tarifreform kostet nach Angaben des Verkehrsministeriums bis zu 15 Millionen Euro jährlich. Das Ministerium übernimmt die kompletten Kosten, hat mit den Landkreisen und Kommunen aber einen „Pakt für modernen und bezahlbaren ÖPNV“ geschlossen. Darin verpflichten sich die kommunalen Träger des Nahverkehrs laut Ministerium, beim Verkehrsangebot keine Abstriche zu machen und es perspektivisch auszubauen.

Welche Rolle spielt die Tarifreform beim Wandel der Mobilität?

„Die Tarifoffensive im saarländischen ÖPNV ist Teil der tiefgreifendsten Zukunftsvision für den saarländischen ÖPNV seit über 20 Jahren – dem Verkehrsentwicklungsplan“, sagt Ministerin Rehlinger. Die Tarifreform ist daher nicht das Ende der Reformen. Folgen soll der Aufbau eines S-Bahn-Netzes, die Reaktivierung von Bahnstrecken und der barrierefreien Um- und Ausbau von Haltepunkten. Auch soll das Bus-Angebot optimiert werden. Ein wichtiges Ziel ist eine bessere Einbindung des ländlichen Raums in den Bus- und Bahnverkehr. Der Finanzbedarf für die Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans liegt laut Ministerium bei 355 Millionen Euro für Investitionen und bei 25 Millionen Euro jährlich für Betriebskosten.

Wo bekommen Kunden die neuen Abo-Tickets?

Im Online-Shop des Saar-VV unter saarvv.de/online-abo-shop/. Oder telefonisch und per Mail beim Call- und Abo-Center des Saar-VV in Völklingen: unter Telefon (0 68 98) 5 00 40 00 und E-Mailunter service@saarvv.de. Zu erreichen ist es Montag bis Freitag: 6 bis 19 Uhr, samstags sowie an Sonn- und Feiertage von 8 bis 18 Uhr. Wochentags ab 17 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags keine Auskünfte zum Abo. Darüber hinaus gibt es in 14 saarländischen Kommunen Kundenzentren, in denen man sich auch persönlich beraten lassen kann. Zum Beispiel im Saarbahn Service-Center, Nassauer Straße 2-4, in Saarbrücken. Es hat Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 15 Uhr geöffnet. Abos kann man dort aber auch telefonisch unter (0681) 5003-354 oder per Mail unter abo@saarbahn.de kaufen.

www.saarvv.de