1. Saarland
  2. Saar-Wirtschaft

Stahlgipfel in Völklingen: Saarstahl und Dillinger Hütte bangen um Wasserstoff-Projekte -

Stahlgipfel in Völklingen : Wasserstoff-Projekte im Saarland für 400 Millionen Euro gefährdet

In der saarländischen Stahlindustrie ist die Sorge groß, dass eine Vorgabe aus Berlin den Aufbruch ins Wasserstoffzeitalter ausbremst.

Die großen Pläne zum Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft im Saarland stehen auf der Kippe. Die Projekte, für die das Bundeswirtschaftsministerium Ende Mai 400 Millionen Euro EU-Fördermittel zugesagt hatte, drohen zu scheitern. Das prangert eine der SZ vorliegende Resolution an, die die Landesregierung, der Verband der Saarhütten und die Gewerkschaft IG Metall am Donnerstag auf einem Stahlgipfel in Völklingen beschließen wollen.

Konkret in Gefahr ist ein Projekt von Saarstahl und Dillinger Hütte (kurz: Dillinger) zum Einsatz von Wasserstoff im Hochofen, um große Mengen CO2 einzusparen. Dessen Finanzierung hängt von staatlicher Hilfe ab. Zwar steht die Zusage für die Förderung der Investition in die nötigen Anlagen. Das Problem ist die fehlende Unterstützung für deren Betrieb. In einem Eckpunktepapier des Bundesumweltministeriums werden solche Hilfen ausgeschlossen, wenn Wasserstoff im Hochofen eingesetzt werden soll. „Die Investitionen von Technologien am Hochofen verlängern dessen Nutzungsdauer und sind damit nicht nachhaltig im Sinne des Klimaschutzziels der Dekarbonisierung der Stahlindustrie“, teilt ein Ministeriumssprecher zur Begründung mit. Aus Sicht der Unternehmen ist diese Hilfe aber unverzichtbar, weil die höheren Kosten der Stahlherstellung unter Einsatz von Wasserstoff den Verkauf auf dem Weltmarkt erschweren.

  Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sorgt für Ärger in der saarländischen Stahlbranche.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sorgt für Ärger in der saarländischen Stahlbranche. Foto: AP/Michael Sohn

Bleibt es bei dieser Vorgabe aus Berlin, „könnte das Projekt nicht realisiert werden“, heißt es in der Resolution. Und das hätte eine Kettenreaktion zur Folge, weil Saarstahl und Dillinger eine Schlüsselrolle im Aufbau der regionalen Wasserstoff-Wertschöpfungskette spielen. Denn wenn die Stahlindustrie als Hauptabnehmer von Wasserstoff ausfällt, wird es der Resolution zufolge unwahrscheinlich, dass die Region an ein großes europäisches Leitungsnetz für dieses Gas angeschlossen wird. Auch der Energiekonzern Steag stellt klar, dass die Wasserstofferzeugung in Völk­­lingen-Fenne nur aufgebaut werden könne, „wenn es eine verlässliche Abnahme des Wasserstoffs gibt“, teilte ein Sprecher mit. Leitungsbetreiber Creos hält nach eigenen Angaben den Aufbau eines Wasserstoff-Netzes in der Region zwar auch ohne den Abnehmer saarländische Stahlindustrie für möglich, doch nur, insofern es andere Netznutzer gibt.

In der Resolution und einer Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums wird darauf gedrängt, dass das Umweltressort seine Position überdenkt und eine Betriebskostenförderung auch erlaubt, wenn Wasserstoff im Hochofen eingesetzt wird. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger ist einem Sprecher ihres Hauses zufolge in dieser Frage mit ihrer SPD-Kollegin, Bundesumweltministerin Svenja Schulze, im Gespräch.