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Tarifverhandlungen im Saarland: NGG fordert für Beschäftigte in Gastronomie 30 Prozent mehr Geld

Protestaktion in Saarbrücken : Beschäftigte in Saar-Gastronomie wollen 30 Prozent mehr Geld: „Damit uns die Leute nicht wegrennen“

Köche, Kellner und Hotelangestellte verdienen viel zu wenig, beklagt die Gewerkschaft NGG im Saarland. Sie verlangt nun rund 30 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten. Die Forderung ist nur scheinbar unrealistisch.

Manche Besucher des Alexander Kunz Theatre in Saarbrücken dürften sich am Freitagabend gewundert haben. Nahe dem Eingang zum Zelt an der Ostspange halten eine Handvoll Leute, darunter eine Frau und ein Mann in Koch-Montur, Protestplakate hoch.  Zu lesen ist zum Beispiel „We love Gastro – Wir brauchen existenzsichernde Löhne“.

„Auch ein Koch sollte sich ein Schnitzel bei einem Kollegen leisten können“, sagt Anke Schirra, Köchin im Saarbrücker Restaurant Tabaksmühle und Mitglied in der Tarifkommission der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Höhere Einstiegslöhne für Fachkräfte sind ihr daher mit Blick auf die anstehenden Tarifverhandlungen wichtig. „Wir brauchen endlich Wertschätzung. Wir können nicht weiter eine Mindestlohnbranche bleiben“, sagt Christof Schuster, Küchenmeister und Ausbilder am Zentrum für Beruf und Bildung in Saarbrücken, bei dieser ersten, kleinen Protestaktion der Gewerkschaft im Vorfeld der Gespräche mit den Arbeitgebern über höhere Löhne.

Nachdem es über zwei Jahre keine Entgelterhöhungen gegeben hat, fordert die NGG nun einen kräftigen Aufschlag von rund 30 Prozent. Ungelernte Mitarbeiter und Aushilfen sollen mindestens zwölf Euro in der Stunde bekommen. Und wenn die Ampelkoalition den gesetzlichen Mindestlohn auf zwölf Euro anhebt, sollen die Beschäftigten in der Gastronomie fünf Prozent mehr bekommen als diesen Mindestlohn.

Der Einstiegslohn für Fachkräfte soll nach den Vorstellungen der NGG von 11,60 auf 15 Euro pro Stunde angehoben werden. Dies sei nötig, „damit uns die Leute nicht wegrennen“, sagt Mark Baumeister, Geschäftsführer der NGG im Saarland. Während der Pandemie, in der viele Beschäftigte der Branche mit kargem Kurzarbeitergeld auskommen mussten, sei die Zahl der Fachkräfte von März 2020 bis heute um mehr als 20 Prozent auf unter 3800 Frauen und Männer zurückgegangen. Bei den Minijobbern sei ein Aderlass von mehr als 30 Prozent zu beklagen – von knapp 11 200 auf 7700 Mitarbeiter.

In mehreren Bundesländern wurden bereits Tarifabschlüsse erzielt, der jüngste in dieser Woche für die Branche in Rheinland-Pfalz. Und darin werden Forderungen der  NGG umgesetzt: Der Einstiegslohn für Fachkräfte beträgt ab April kommenden Jahres 15 Euro pro Stunde; ungelernte Mitarbeiter erhalten die zwölf Euro und auch den Zuschlag von fünf Prozent gegenüber einem gesetzlichen Mindestlohn. In Rheinland-Pfalz bedeutet der Abschluss bis zu 36 Prozent mehr Geld.

Auch wenn sich die Tarifparteien im Nachbar-Bundesland auf solch eine Entgelterhöhung verständigten, erwartet Baumeister nicht, dass der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Saarland schnell einem ähnlichen Lohnplus zustimmt. „Die Verhandlungen werden unheimlich schwierig“, bestätigt Frank Hohrath, Hauptgeschäftsführer des Verbands im Saarland, für die Arbeitgeberseite. Angesichts der erneuten Corona-Beschränkungen „sind viele Betriebe mit dem Überleben beschäftigt“, sagt Hohrath. Höhere Löhne müssten erwirtschaftet werden. Die Sorge ist, dass die Betriebe von einem hohen Abschluss überfordert werden.

Im Saarland sollen die ersten Tarifgespräche am 24. Januar stattfinden, sagte Baumeister. Dehoga-Hauptgeschäftsführer Hohrath bestätigte, dass sich Arbeitgeber und Gewerkschaft an dem Termin treffen wollen. Die NGG will im Vorfeld Druck aufbauen. Baumeister kündigte für die Zeit nach Weihnachten weitere Protestaktionen an, um die Tarifforderungen zu unterstreichen.