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Tourismus im Saarland: Warum immer mehr Familien Urlaub in der Heimat machen

Center-Parcs am Bostalsee bereits ausgebucht : Urlaub dahemm: Warum immer mehr Familien Urlaub im Saarland machen

Deutsche Urlauber, die in Corona-Zeiten nicht ins Ausland wollen, entdecken verstärkt das Saarland. Aber es gibt noch mehr Gründe, warum auch die Saarländer selbst mehr dahemm Urlaub machen.

Reiselustige Menschen, die sonst gerne das Ausland und die Welt entdecken, machen in der Corona-Zeit lieber in Deutschland Urlaub. Auch das Saarland profitiert als Urlaubsregion von diesem Trend. So berichtet Birgit Grauvogel, Chefin der Tourismuszentrale Saar, von stark angestiegenen Übernachtungszahlen und einer zugleich längeren Verweildauer. „Viele entdecken uns zum ersten Mal und sind gleichzeitig erstaunt, was man hier alles machen kann“, sagt Grauvogel. Vor allem Ferienwohnungen und Hotels im ländlichen Raum gehören derzeit zu den Gewinnern. Auch die Ferienanlage CenterParcs am Bostalsee ist für die Herbstferien längst ausgebucht.

Vor allem Familien mit Kindern entdecken in jüngster Zeit offenbar das Saarland neu. Zu sehen ist das auch daran, dass die Zahl der Übernachtungen in den Jugendherbergen gestiegen ist. Besonders optimistisch stimmt die Tourismus-Managerin, dass die Aufenthaltsdauer im Saarland zunimmt. Sie liegt im Schnitt derzeit bei 4,1 Übernachtungen gegenüber 3,4 im Corona-Lockwdown-Jahr 2020. Ab vier Übernachtungen könne man wirklich von einer Urlaubsreise sprechen, meint Grauvogel. Dieser positive Trend werde nun zum Anlass genommen um weitere Angebote auf die Beine zu stellen, die die Attraktivität eines längeren Aufenthaltes erhöhen. Gästebefragungen haben zudem ergeben, dass im Saarland vor allem die Themen Radfahren, Wandern sowie Urlaub auf dem Land derzeit zu den Hauptgründen für einen Aufenthalt zählen. Die am häufigsten nachgefragten Unterkünfte sind dabei Ferienwohnungen. Zudem kommt es den Urlaubern verstärkt auf barrierefreie Angebote an.

Flexible Anbieter liegen vorn

Zu den Gewinnern im Saar-Tourismus gehören nach Angaben von Grauvogel vor allem Anbieter, die flexibel sind. Denn ein weiterer Trend in Corona-Zeiten sei auch, dass die Reise deutlich kurzfristiger gebucht werde als sonst, „häufiger sogar nur wenige Tage vor der Anreise“, sagt Grauvogel. Generell laufe das Buchungsgeschehen mittlerweile wieder „sehr gut, insbesondere in den ländlichen Gebieten“. Immer mehr Reisende entschlössen sich auch dazu, länger an der Saar zu bleiben. So seien Aufenthalte von bis zu zehn Tagen mittlerweile keine Seltenheit mehr.

Dazu kämen auch zahlreiche Camping-Touristen aus dem In- und Ausland mit ihren Wohnmobilen, Wohnwägen und Zelten in die Region. Hier steige der Zuspruch gerade bei Camping-Touristen aus Belgien und den Niederlanden, von denen etliche schon seit Jahren an die Saar kämen.

Nicht nur Gewinner im Tourismus

Es gibt jedoch in Corona-Zeiten nicht nur Gewinner im Saar-Tourismus. So sei der für die Region ebenso wichtige Städte- und Gruppentourismus nahezu komplett zusammengebrochen, beklagt Grauvogel. Das führt die TZS-Chefin auf zahlreiche weggefallene Besuchsanlässe zurück, weil Sehenswürdigkeiten und Aushängeschilder wie etwa das Weltkulturerbe Völklinger Hütte über längere Zeit hinweg geschlossen waren. Außerdem seien viele Mensche genauso unsicher bei Busreisen wie bei Flugreisen, obwohl Busreise-Veranstalter immer wieder auf ihre  Hygiene-Maßnahmen in den Bussen hinwiesen und versicherten, dass Busreisen sicher seien.

Im Schnitt 1000 Euro für Sommerurlaub

Grauvogel sieht eine der Herausforderungen darin, die Angebote im Saarland weiter zu verbessern. Das gestiegene Interesse am Bundesland sei zwar erfreulich, man müsse allerdings gemeinsam mit allen deutschen Urlaubsregionen gegen einen weiteren Trend ankämpfen. Denn es sei auch deutlich zu beobachten, dass vor allem Singles, Familien und ältere Bundesbürger nicht mehr jedes Jahr verreisen möchten. Entsprechend schwieriger werde es, sie an eine Urlaubsregion zu binden. Gleichzeitig werde intensiver überlegt, wie viel Geld man für einen Urlaub überhaupt ausgeben will. Denn der Urlaub stehe in direkter Konkurrenz zu Ausgaben für das neueste Smartphone oder auch eine neue Modekollektion. Statistisch liegen die durchschnittlichen Ausgaben für einen Sommerurlaub nach Angaben der Tourismuszentrale derzeit bei etwa 1000 Euro. Doch selbst einen solchen Betrag wolle längst nicht jeder investieren.

Urlaub „dahemm“ wird attraktiver

Besonders interessant aus saarländischer Sicht ist laut Grauvogel ein noch junger Trend: der Urlaub „dahemm“. So bieten verschiedene Hotels in der Region Spezialangebote zum Entspannen. Die Aktion, die in diesem Jahr bis zum 21. Dezember läuft, bietet zwei Übernachtungen zu einem „attraktiven Preis", wie die Chefin der Tourismuszentrale verspricht. Darin enthalten ist kostenlos die Saarland Card, freier Eintritt zu über 1000 Attraktionen und Sehenswürdigkeiten sowie die kostenlose Benutzung von Bus und Bahn in der Region. So kann man eine Besichtigung zum Beispiel mit einer Shopping-Tour verbinden. Erste Erfahrungen seien ermutigend, so Grauvogel. Speziell auf Familien zugeschnitten ist das Angebot „Familien-Safari"; das noch bis zum 21. November läuft. Darin eingeschlossen ist ein Familien-Kurzurlaub mit zwei Übernachtungen in einer der fünf saarländischen Jugendherbergen. Auch hier sind die Saarland Card sowie Hallbpension, ein Lunchpaket, eine Saarland-Brotbox sowie eine Familienbroschüre mit Ausflugstipps enthalten.

Blogger entdecken das Saarland

Multiplikatoren für die Qualität der Urlaubsregion Saarland spielen eine immer größere Rolle. So veröffentlichten viele Urlauber ihre Eindrücke auf Facebook oder Instagram. Zudem entdeckten Blogger verstärkt das Saarland. Die schauten sich Angebote sowie Städte an und veröffentlichten ihre Eindrücke in Filmen oder Fotoserien im Internet. Ein Trend sei generell zu beobachten, auf den die Tourismuszentrale stärker setzen will: „Wir beobachten, dass in den vergangenen fünf Jahren unsere Zielgruppe sehr viel  jünger geworden ist.“