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Warum nur wenige Frauen in Bankvorst?nden im Saarland sitzen

Viele Mitarbeiterinnen, wenige Chefinnen : Warum im Saarland nur wenige Frauen in Bankvorst?nden sitzen

Berlin macht Druck auf Unternehmen, ihren Frauenanteil in F?hrungspositionen auszubauen. Sparkassen werden aber von den Vorgaben ausgenommen.

Viele Mitarbeiterinnen, aber wenig Chefinnen: Weil das Personaltableau in vielen Unternehmen noch so aussieht, wurde bereits 2015 eine Frauenquote eingef?hrt. Da sich der Anteil an Frauen in den Aufsichtsräten seitdem erhöht hat, wurde vom Bundeskabinett nun ein zweites Gesetz beschlossen, zurzeit?im Ausschuss f?r Familie, Senioren, Frauen und Jugend behandelt wird. Wird das Gesetz in den n?chsten Wochen im Bundestag verabschiedet, werden voraussichtlich mehr Frauen in die Vorstandsetagen einziehen. Denn dieses sieht vor, dass in b?rsennotierten und parit?tisch mitbestimmten Unternehmen mit mehr als drei Vorstandsmitgliedern k?nftig mindestens eine Frau sitzen muss. Doch diese Vorgaben betreffen l?ngst nicht alle Unternehmen.?

Die ?ffentlichen Sparkassen und Landesbanken m?ssen die Quote nicht erf?llen. Dabei herrscht dort akuter Mangel in der F?hrungsetage, wie eine?Studie von Barkow Consulting zeigt. Demnach werden bundesweit nur zwei Sparkassen allein von Frauen im Vorstand gef?hrt. In 16 der rund 380 bundesweiten Sparkassen gibt es eine Vorstandsvorsitzende neben m?nnlichen Vorstandskollegen. Denn die Barkow-Studie z?hlt 866 M?nner im Vorstand einer Sparkasse, aber nur 55 Frauen. Schlusslicht der Statistik bilden die Bundesl?nder Brandenburg, Bremen, Schleswig-Holstein und das Saarland, wie das Handelsblatt ausgewertet hat. Hierzulande gibt es laut Sparkassenverband keine einzige Vorst?ndin. Obwohl 1990 Frauen? (Stand 31.12. 2020) knapp 60 Prozent der Sparkassen-Belegschaft? ausmachen, also die Mehrheit stellen, haben nur 21 Prozent eine leitende Position. Der Posten der Verbandschefin ist allerdings weiblich besetzt. ?Dass es so wenige Frauen im Vorstand gibt, hat vor allem strukturelle Gr?nde?, sagt Cornelia Hoffmann-Bethscheider, Pr?sidentin des Sparkassenverbands im Saarland, und ehemalige Neunkircher Landr?tin und SPD-Landtagsabgeordnete. ?Viele Frauen besetzen F?hrungspositionen im Privatkundengesch?ft, weniger im Firmenkundengesch?ft oder Controlling und Risikomanagement.? Die Erfahrung in diesen Bereichen sei aber notwendig, um Vorstand werden zu k?nnen ? so verlange es die Finanzaufsicht. Der hohe Anteil an Vorst?ndinnen in Mecklenburg-Vorpommern sei historisch bedingt. ?Vor der Wende wurde das Sparkassengesch?ft in Ostdeutschland, auch auf der F?hrungsebene, vor allem von Damen bestritten.? Auch wenn die Tendenz derzeit r?ckl?ufig sei, bleibe das Niveau, im Vergleich zu anderen Regionen, hoch.

 Cornelia Hoffmann-Bethscheider ist Pr?sidentin des Sparkassenverbandes Saar.
Cornelia Hoffmann-Bethscheider ist Pr?sidentin des Sparkassenverbandes Saar. Foto: Sparkassenverband Saar

Eine Frauenquote sieht Hoffmann-Bethscheider jedoch kritisch: ?Mir selbst war es immer wichtig, eine Stelle oder ein Amt aufgrund meiner F?higkeiten und nicht meines Geschlechts besetzen zu k?nnen. Viele Frauen sind meiner Meinung nach sehr qualifiziert, sowohl in fachlicher als auch in pers?nlicher Hinsicht. Es fehle manchmal lediglich ein wenig an Mut und Selbstbewusstsein. Hier sollten wir ansetzen und Frauen in ihrem Ziel, Karriere zu machen, motivieren und unterst?tzen. Unser Arbeitsumfeld ist zudem so, dass sich Familie und Beruf, sowohl bei Frauen als auch bei M?nnern, gut vereinbaren lassen. Ich bin ganz klar der Meinung, dass Frauen in F?hrungspositionen eine Bereicherung f?r jedes Unternehmen darstellen. Mehrere Studien belegen, dass diverse Teams erfolgreicher, produktiver und vor allem kreativer sein k?nnen.?

Doch so schnell wird hierzulande keine Frau in einen Sparkassen-Vorstand berufen. Dabei gab es im vergangenen Jahr bereits Wechsel an den Spitzen der sechs Institute im Saarland. So folgte im Juli 2020 Uwe Bourgeois im Vorstand der Kreissparkasse Saarlouis auf Stephan Eisenbart. Im Oktober ging bei der Kreissparkasse Saarpfalz Vorstandsmitglied Ralph Marx in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde Stefan Gessner. Und auch in diesem Jahr werden frei gewordene Vorstandsposten von M?nnern besetzt. So wird zwar Hans-Werner Sander, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Saarbr?cken, Ende Juli in den Ruhestand treten. Sein Nachfolger wird Frank Saar. Ebenso fest steht bereits die Nachfolge des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Uwe Kuntz. Ab August wird Helge Heyd Vorstandsmitglied. Und auf Uwe Johmann, der mehr als 14 Jahre das Firmen- und Unternehmenskundengesch?ft der Sparkasse verantwortet hat, folgt zum 1. Mai 2022 Boris Christmann.?

Damit in Zukunft aber auch mehr Frauen in die Vorst?nde berufen werden, wollen die Sparkassen weibliche F?hrungskr?fte gezielt f?rdern. ?In Kooperation mit der Akademie haben wir bereits ein Mentoring-Programm angeboten und durchgef?hrt. Aktuell sind wir dabei, eine Neuausrichtung vorzunehmen?, so Hoffmann-Bethscheider. Dar?ber hinaus werde ab diesem Jahr ein Seminar zu Mitarbeiterf?hrung an der Akademie der Sparkassen-Finanzgruppe Saar angeboten, das sich auch mit dem Thema ?nachhaltige F?hrung? befasse. Hier gehe es um Chancengleichheit und die Wertsch?tzung von Vielfalt sowie das Ziel, Frauen und Diversit?t zu f?rdern.