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World Food Trip: Gastronomie-Startup aus dem Saarland droht das Aus

Gewerkschaft schlägt Alarm wegen Gastro-Startup : Steht „World Food Trip“ aus dem Saarland jetzt vor dem Aus?

Mit Street Food, nachhaltig und vegan, wollte „World Food Trip“ nicht nur das Saarland erobern. Steht das Gastro-Startup jetzt vor dem Aus? Die Gewerkschaft NGG schlägt Alarm.

 Alles fing an mit einem VW-Bus, einem Bulli, den Tobias Klever dahin steuerte, wo etwas los war. Auf Festivals und Märkten boten Klever und seine Frau vegane Speisen an. Sie kochten sich durch Rezepte aus aller Welt. Es gehört zur Legende von „World Food Trip“, dass Klever den Oldtimer zu Geld machen musste, um die Geschäftsidee des Paares zu verwirklichen. Mit veganem Street Food wollten sie mindestens das Saarland erobern. Nach mehreren Jahren der Expansion, mit immer größeren Plänen, muss der Gründer offenbar eine Vollbremsung hinlegen. Steht das Gastro-Startup vor dem Aus? Im Raum sollen eine Insolvenz oder die Liquidation von „World Food Trip“ stehen.

Die Gewerkschaft NGG hatte am Freitag erklärt, der Arbeitgeber habe eine mögliche Insolvenz oder die Stilllegung des Betriebs angekündigt. „Im Laufe dieser Woche haben wir verschiedene Gespräche geführt und zumindest eine Weiterführung der Gehaltszahlungen bis Ende März gefordert“, sagte NGG-Geschäftsführer Mark Baumeister. „World Food Trip“ betreibt ein Restaurant in Blieskastel und unter der Marke „Venu Mangi“ einen Imbiss am St. Johanner Markt in Saarbrücken. Hinzu kommen mehrere Verkaufswagen in der Region. Nach Angaben der NGG soll „World Food Trip“ knapp 60 Beschäftigte haben. Es sei allen klar gewesen, dass es schlecht laufe, ist aus dem Kreis der Angestellten zu hören. Doch das drohende Ende von „World Food Trip“ kam für das Personal überraschend.

Momentan könne er nichts sagen, erklärt Klever, als ihn unsere Zeitung am Freitag erreicht. Aus Unternehmenskreisen heißt es aber, der Betrieb sei nicht in der Lage, die Einnahmen zu generieren, um seine Kosten zu decken. Klever sagt: „Ich hoffe, dass wir hier eine friedliche und faire Lösung für alle finden.“ Der Gründer soll den Beschäftigten bei einer Versammlung am vergangenen Sonntag eröffnet haben, dass er den Betrieb einstellen müsse. So berichten es mehrere Teilnehmer übereinstimmend. Klever soll die Mitarbeiter aufgefordert haben, selbst zu kündigen. Die Geschäftsleitung soll dem Personal versichert haben, dass die Löhne für den Dezember „noch sicher“ seien, so die Darstellung der NGG. Mittlerweile befürchten die Arbeitnehmervertreter, dass dies nicht mehr der Fall sein könnte - sollte es zu einer Insolvenz kommen.

Dass er als Gründer über Förderer und Investoren verfügt, hatte Klever in der Vergangenheit angedeutet, ohne Namen zu nennen. Das tut nun die NGG, auf ungewöhnliche Weise: Sie nimmt Dominik Holzer in die Pflicht, den Chef des Saarbrücker Pharmaunternehmens Ursapharm. Er soll laut Gewerkschaft angeblich Minderheitsgesellschafter und Investor bei „World Food Trip“ sein. „Wir erwarten von Herrn Holzer, dass er seinem Image als sozialer Player im Saarland gerecht wird und den 60 Beschäftigten eine Perspektive über Weihnachten hinaus ermöglicht“, erklärte Baumeister.

Nach Recherchen unserer Zeitung hält die Unternehmerfamilie Holzer über eine Firma ein Fünftel der Geschäftsanteile von „World Food Trip“. Seit dem vergangenen August soll diese Firma monatlich 50 000 Euro in den Gastronomiebetrieb gesteckt haben, um die Verluste aufzufangen. Nun bietet der Minderheitsgesellschafter offenbar an, die Gehälter für Dezember und Januar zu übernehmen, damit es nicht zur Insolvenz kommt. Das soll aber nur gelten, falls die Belegschaft zum 31. Januar 2022 komplett ausscheidet und die Mietverträge kurzfristig beendet werden können. Das geht aus einem Anwaltsschreiben hervor, das unserer Zeitung vorliegt. Dagegen verlangt die NGG, die Beschäftigten bis Ende März zu entlohnen.