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ADAC Saar lobt Ampeln im Kreisel St. Arnual - Scharfe Kritik vom VCD

Großbaustelle in St. Arnual : Streit um Pläne – Können Ampeln den Verkehrsfluss an Verkehrskreiseln wirklich verbessern?

Die Großbaustelle am Kreisverkehr über der A 620 in Saarbrücken-St. Arnual sorgt für Streit unter Verkehrs-Experten. Der ADAC lobt das geplante Ampelsystem. Der VCD dagegen nennt Ampeln ein Unfallrisiko und vermisst die Beteiligung der Bürger. Und was sagt der Auftraggeber Autobahn-GmbH dazu?

Rund um den St. Arnualer Kreisel sind ab Montagmorgen dichter Verkehr und Staus zu erwarten. Die Autobahn GmbH hat eine Großbaustelle eingerichtet, die den wichtigen Verkehrsknoten über Monate lahmlegen wird. Die Autobahn GmbH spricht von einer „verkehrs- und sicherheitstechnischen Optimierung“, die es vor Jahren schon einmal gegeben hatte.

Damals wurden die Fahrspuren verändert, der komplette Kreisverkehr anders markiert und von der Ostspange kommend für die Autos, die in den Kreisel einfahren wollen, ein Stoppschild aufgestellt. Offensichtlich war man mit den Ergebnissen dieser Maßnahme nicht zufrieden. Autobahn-Gesellschafts-Pressesprecher Klaus Kosok: „Die Maßnahme zielt auf die Beseitigung einer Unfallhäufungsstelle ab. Fehlerhaftes Wechseln der Fahrstreifen sowie schwierige Verflechtungsvorgänge bei gleichzeitig hohem Verkehrsaufkommen insbesondere in Verkehrsspitzenzeiten sollen künftig vermieden werden.“

In den sozialen Netzwerken wird vor allem eine Frage heftig diskutiert: Wie kann man einen Kreisverkehr, der im Grundprinzip davon lebt, dass die Autos ungehindert im Kreis fahren und der Verkehr im Fluss bleibt, mit Ampeln verbessern? Kosok betont, dass die geplante „intelligente Ampelsteuerung“ keine klassische Ampelanlage sei: „Das Gesamtkonzept dient der Verbesserung der Verkehrssicherheit und des Verkehrsflusses an der Autobahnanschlussstelle und im Kreisverkehr. Es besteht demnach aus zwei wesentlichen Elementen: Zum einen die umfassende wegweisende Beschilderung an und über den Fahrbahnen einschließlich neuer Markierungen, damit der Verkehr gezielt auf die jeweils richtige Fahrbahn geführt und plötzliche Fahrspurwechsel vermieden werden. Zum anderen wird eine auf die Verkehrsmengen abgestimmte, zum Teil in die Wegweiser integrierte Ampelsteuerung an den Zufahrten und über der Kreisfahrbahn für die Verbesserung des Verkehrsflusses sorgen und in Spitzenzeiten Rückstau auf die Autobahn vermeiden.“

Die Ampeln sollen also nicht einfach neben der Fahrbahn stehen, sondern in die Schilder integriert und situationsbezogen geschaltet werden. Der Verkehr im Kreisel wird seine durchgängige Vorfahrt verlieren und zwischendurch auch mal angehalten. Im Kreisverkehr an der A 620-Abfahrt von der Fahrspur in Richtung Mannheim werde man in Stoßzeiten den Verkehr phasenweise anhalten. Damit könne der Stau in der Ausfahrt abgebaut werden. Verkehrsplaner der Autobahn-Gesellschaft gehen von einer deutlichen Verbesserung des Verkehrsflusses nach Abschluss der Arbeiten aus.

Was die Länge der Bauzeit angeht, heißt es: Es darf nicht zu viel regnen. „Mit den Arbeiten wollen wir Ende Oktober/Anfang November fertig sein. Bei dieser Baustelle brauchen wir aber noch mehr als sonst im Straßenbau halbwegs trockenes Wetter. Für die Pfahlgründungen werden in der Nähe der Saar in relativ weichen, feuchten Boden bis zu zwölf Meter tiefe Bohrungen ausgeführt und Stab-Fundamente gesetzt. Reichhaltige Regengüsse können uns hier im Baufortschritt erheblich behindern“, erklärt Kosok.

 An der Autobahnausfahrt aus Richtung Mannheim stehen seit dem Wochenende Absperrungen, um die Zufahrt zum Kreisel St. Arnual zu sperren.
An der Autobahnausfahrt aus Richtung Mannheim stehen seit dem Wochenende Absperrungen, um die Zufahrt zum Kreisel St. Arnual zu sperren. Foto: BeckerBredel

Die saarländischen Automobilclubs bewerten das Projekt unterschiedlich. Frank Finkler, der Leiter Verkehr und Technik beim ADAC, hält die Baumaßnahme für angebracht: „Moderne, signalgesteuerte Systeme können den Verkehr entsprechend des tatsächlichen Verkehrsaufkommens regeln, was wir positiv bewerten, denn dadurch wird der Verkehrsfluss in jedem Fall verbessert. Generell ist bei Kreisverkehren anzustreben, dass sie ohne Ampeln funktionieren, aber auch Kreisverkehre haben ihre Belastungsgrenzen.“

Der St. Arnualer Kreisel sei ein Problemfall gewesen. „Ein Fahrspurwechsel war bei einem hohen Verkehrsaufkommen zu Stoßzeiten nicht ohne Risiko. Oftmals kam es zu unkontrollierten Fahrspurwechseln, die auch Unfälle zur Folge hatten. Grenzwertig war und ist auch der Rückstau bis auf die Autobahn in Fahrtrichtung Mannheim, vor allem in Spitzenzeiten war und ist das immer wieder zu beobachten.“ Der ADAC sieht keine günstigere und bessere Lösungsmöglichkeit, als die jetzt angestrebte. Es sei gut, dass man reagiert habe und das Projekt starte.

Ronald Maltha vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) im Saarland sieht das ganz anders: „Von Ampeln im Kreisel halten wir nichts. An einem Kreisverkehr gibt es einfache Regeln: Wer sich im Kreisverkehr befindet, hat Vorfahrt. Im Kreisverkehr sind zudem geringere Geschwindigkeiten üblich als an Ampelkreuzungen. Jetzt wird beides vermischt. Das macht überhaupt keinen Sinn. In ganz Deutschland werden Ampelkreuzungen abgebaut. Hier werden sie aufgebaut, und das wird zu mehr Verzögerungen im gesamten Verkehrsfluss führen.“

Der Kreisel sei kein Problemfall, sondern werde jetzt einer: „Ein Kreisel wird in der Regel langsam und mit erhöhter Aufmerksamkeit befahren. Dadurch entstehen weniger Unfälle als an Ampelkreuzungen. Vor allem weniger schwere Unfälle – die Schäden sind meist nicht so hoch. An Ampelkreuzungen kommt es dagegen zu vielen Ampelsprints, bei denen mit hoher Geschwindigkeit noch die Grünphase erreicht werden soll und die Unfallgefahr sofort stark ansteigt. Unfallträchtige Ampelkreuzungen werden daher schon seit Jahren in ganz Deutschland durch ampelfreie Kreisel ersetzt und die Verkehrsunfälle reduzieren sich um bis zu 70 Prozent.“

Außerdem ignoriere der neue Plan die Fußgänger und Radfahrer völlig. „Was wir jetzt besonders kritisieren, ist die fehlende Möglichkeit für Fußgänger und Radfahrer, diesen Kreisel sicher zu überqueren, so wie es beispielsweise am Bis­marck-Kreisel möglich ist und so wie es im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Saarbrücken auch vorgesehen ist. Das wird auch mit der neuen Ampelanlage nicht berücksichtigt.“

Die Kritik des VCD geht weiter: „Warum werden in Saarbrücken immer wieder die gleichen Fehler gemacht bei solchen großen Baumaßnahmen? Warum werden weder von der Autobahn GmbH noch von der Stadt Saarbrücken die Bürger, Anwohner, Verkehrs- und Umweltverbände nicht in die Planungen eingebunden?“, fragt Maltha.

Wieder einmal würden alle Verkehrsteilnehmer, vom Autofahrer, Lkw-Spediteur bis zu Radfahrern und Fußgängern auf den vier Umleitungsstrecken vor vollendete Tatsachen gestellt. Bis auf das Winterberg-Klinikum und wenige große Firmen sei im Vorfeld dieser Baumaßnahme niemand öffentlich angehört oder beteiligt worden. „Vor allem die Bürger in St. Arnual, Güdingen und Brebach müssen nun die Situation ertragen“, kritisiert der VCD-Sprecher. Stattdessen appelliere nun die Stadt an Bürger, verstärkt den ÖPNV und das Rad zu benutzen, ohne allerdings vorher für sichere Ampelkreuzungen in St. Arnual und sichere Rad- und Schulwege gesorgt zu haben.

Der VCD kritisiert außerdem viele Details der Planungen scharf: „Besonders die Ausweichstrecken über die Saargemünder Straße in St. Arnual, die beidseitig beparkt ist, die Güdinger Brücke ohne jede Radspur und einem enormen Verkehrsaufkommen in den nächsten zwei Monaten und die Brebacher Landstraße sowie der Brebacher und Güdinger Bahnhof mit hohem Fußgänger-Aufkommen werden erheblich belastet“, sagt Maltha.

Schulanfänger der Grundschule Güdingen seien ebenso betroffen wie die der Grundschule St. Arnual. Bereits die Kleinsten müssten hier mit der neuen Situation klarkommen. „Daher fordern wir hier auf allen betroffenen Straßen an Schulwegen sofort Tempo 30 auf den Straßen und eine zusätzliche Absicherung an Kreuzungen und Übergängen durch Schülerlotsen unterstützt von der Verkehrspolizei“, betont Maltha.

Leider zeige die ganze Baumaßnahme, dass mit „Verkehrsverbesserungen“ in Saarbrücken vor allem zusätzlicher Auto- und Lkw-Verkehr gefördert werden solle, aber es kaum Verbesserungen für den ÖPNV, den Radverkehr und den Fußgängerverkehr gebe. „Hier betrifft es auch besonders die Wege unserer jüngsten Verkehrsteilnehmer – und das ausgerechnet zum Schulanfang“, rügt Maltha die Stadtverwaltung.