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Behandlung von Covid: Warum Corona-Patienten auf dem Bauch liegen

Corona-Kolumne: Über die Behandlung von Covid-Patienten : Warum liegen Corona-Patienten auf dem Bauch?

In einer SZ-Kolumne berichten Ärzte und Pflegepersonal aus dem Saarland von ihren Corona-Erfahrungen. Diesmal erklärt Chefarzt Andreas Sielenkämper vom Caritas-Klinikum Saarbrücken was die Bauchlage für Corona-Patienten bringt.

Wir alle kennen die Bilder von den Intensivstationen aus den Medien: beatmete, in künstliches Koma versetzte Covid-Patienten, die an zahlreiche Geräte angeschlossen auf dem Bauch liegen. Nicht sichtbar dagegen ist der Aufwand, der sich hinter diesen Bildern verbirgt. Um einen Patienten in Bauchlage zu bringen, werden vier bis fünf Personen benötigt.

Das Umlagern des Patienten erfolgt in konzentrierter, ruhiger Atmosphäre. Jeder Handgriff muss sitzen. Nach etwa 40 Minuten ist das Werk vollbracht, die Schläuche und Kabel sind wieder angeschlossen. Es folgen 16 Stunden Bauchlage, acht Stunden Rückenlage, dann wieder Bauchlage, so geht es über Tage.

Hilft die Bauchlage dem Patienten? Dessen großes Problem ist die durch das Coronavirus verursachte Lungenentzündung, die zur Schädigung mit massiver Einlagerung eiweißreicher Flüssigkeit führt. Viele Lungenbläschen sind verschlossen. Trotz Beatmung mit hohem Druck kommt kaum mehr Atemluft an. So gelangt immer weniger Sauerstoff in den Körper. In Bauchlage ändert sich die Situation. Die vorher unteren Lungenanteile liegen jetzt oben, sind entlastet, verlieren Flüssigkeit. Lungenbläschen öffnen sich.

Nach wie vor fehlt eine spezifische Therapie, um die Covid-19-Lungenentzündung zu heilen. Durch Bauchlage aber wird die Funktion der Lunge und die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff häufig deutlich verbessert – oft ein Schritt auf dem Weg zur Genesung.

Prof. Dr. Andreas Sielenkämper, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin am Caritasklinikum Saarbrücken.