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Blue Future Project von Tibor Sprick und Christoph Dillenburger

Nachhaltiges Start-up : „Blue Future Project“: Saarbrücker leisten Entwicklungshilfe

Mit ihrem „Blue Future Project“ helfen Tibor Sprick und Christoph Dillenburger bei der Wasserversorgung in Tansania.

57 Millionen Menschen leben im ostafrikanischen Tansania. Etwa die Hälfte von ihnen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das wollen zwei junge Männer aus Saarbrücken ändern: Tibor Sprick (25) und Christoph Dillenburger (26) haben voriges Jahr das „Blue Future Project“ gegründet. Ihr Ziel: nachhaltige Entwicklungshilfe in Ost-Afrika leisten.

„Wir sind eigentlich nicht anders als ein ganz normales Start-up, wir tun einfach nur was Gutes damit“, sagt Tibor Sprick. Und wie viele andere Start-ups haben auch die beiden von Zuhause begonnen, Entwicklungshilfe von der Couch aus quasi. Damit ist seit Anfang Dezember Schluss. Seitdem hat das Blue Future Project ein offizielles Büro in der Cecilienstraße im Nauwieser Viertel.

Das Büro teilen sich die beiden mit einer Werbefirma, weil das die Miete verringert, wie ein Aufkleber auf der Tür verrät. Innen, an der Backsteinwand über einem großen Holztisch, hängen drei großformatige Fotos. Eines zeigt einen dunkelhäutigen Mann mit blauem Polo-Shirt. Der Mann auf dem Foto ist Askwar Hilonga, ein Chemiker aus Tansania, der einen Nano-Filter zur Wasserreinigung entwickelt hat.

Auf ihn stießen Sprick und Dillenburger, als sie recherchierten, wie Entwicklungshilfe besser funktionieren könnte. Denn das Problem beim Großteil der Entwicklungshilfe sei, dass sie keine Verantwortung bei den Menschen schaffe, sagt Dillenburger. So würden zum Beispiel durch westliche Organisationen Brunnen gebohrt, das Wasser ist ab dann kostenlos. Aber keiner kümmere sich danach darum, dass die Brunnen auch weiterhin intakt bleiben, für Wartung sei kein Geld da.

Der Ansatz von Hilonga funktioniert anders. Er baut mit seiner Organisation Wasserstationen, die dann Arbeitsplätze für die jeweiligen Dorfbewohner schaffen sollen. Die Bewohner betreiben diese Station als selbstständige Unternehmer, filtern mit den Nano-Filtern von Hilonga das verunreinigte Wasser zu Trinkwasser und verkaufen es im Dorf zu geringen Preisen.

Überprüft und unterstützt werden sie dabei von Mitarbeitern Hilongas. Somit wird die Verantwortung geschaffen, dass sich jemand aus dem Dorf selbst um die Wasserversorgung kümmert, es werden Arbeitsplätze geschaffen. Die Menschen, die die Stationen übernehmen, zahlen Steuern und geben so auch Geld zurück an den Staat. Und vor allem: Niemand muss sterben, weil das verunreinigte Wasser sie krank macht.

Deswegen unterstützt das Blue Future Project Hilongas Organisation. Dafür haben die beiden jungen Unternehmer zwei Wege entwickelt, Geld zu sammeln. Zum einen ein Armband, dass von Massai-Frauen in Handarbeit hergestellt wird und dessen Kauf einer Spende für die Wasserversorgung einer Person in Tansania gleichkommt.

Zum andern konnten die beiden einen Mineralwasser-Produzenten in der Region für sich gewinnen, der Wasser mit Label des Blue Future Projects abfüllt. Beim Kauf der Flaschen wird so ebenfalls Geld für die Wasser-Projekte in Tansania gesammelt. Wenn die zwei im April zum dritten Mal nach Tansania reisen, sollen bereits 52 solcher Wasserstationen durch ihre Arbeit finanziert worden sein. Dann wollen die beiden sich auch nach neuen Wegen umschauen, das Leben der afrikanischen Dorfbewohner zu verbessern. Durch Bio-Gas aus Abfällen oder Dung zum Beispiel, welches dann zur Stromversorgung genutzt wird. Denn eines ist klar: Probleme gibt es noch jede Menge.

Doch die beiden sind zuversichtlich. „Die Welt ist heutzutage so weit entwickelt, dass es möglich sein muss, jedem ein schönes Leben zu gewährleisten“, sagt Dillenburger. „Wir wollten auch einfach zeigen, dass man immer was bewegen kann, auch wenn man aus einer kleinen Stadt wie Saarbrücken kommt und nicht viel Kohle zur Verfügung hat.“

Das neue Büro des Start-ups soll die Arbeit der beiden nicht nur von der Couch und dem Café um die Ecke wegbringen, sondern das Projekt auch für die Menschen in der Stadt greifbarer machen. Und das scheint ganz gut zu funktionieren. Als die beiden gerade am Tisch in ihrem neuen Büro sitzen, kommt ein Mann herein, offensichtlich ein wenig verirrt. Er möchte einen Tischkalender kaufen. Sprick klärt ihn auf, dass ab jetzt von hier aus Entwicklungshilfe geleistet wird. „Auch nicht schlecht“, fasst der Mann lakonisch zusammen und nimmt eine Visitenkarte mit.