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Bundestagswahl: Ortleb vs. AKK in Saarbrücken – ihre Pläne fürs Saarland

Kampf um den Wahlkreis Saarbrücken : Josephine Ortleb vs. Annegret Kramp-Karrenbauer: Was die beiden fürs Saarland erreichen wollen

Was für die SPD-Politikerin spricht – und was für die CDU-Vertreterin. Und welche Themen beiden besonders am Herzen liegen.

32,1 Prozent – damit löste Josephine Ortleb bei der letzten Bundestagswahl 2017 in ihrem Wahlkreis Saarbrücken/296 das Ticket nach Berlin. Die damals 30-Jährige setzte sich knapp gegen CDU-Kandidat Bernd Wegner (31,4 Prozent) durch. Ob sie sich am Sonntag erneut gegen die Christdemokraten und deren Kandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer behaupten kann?

Die heute 34-Jährige sitzt für die Sozialdemokraten in Berlin im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Als stellvertretendes Mitglied wirkt sie zudem im Ausschuss für Tourismus und in der Enquête-Kommission „Berufliche Bildung“ mit. Im vergangenen Jahr ist sie zur Parlamentarischen Geschäftsführerin der Fraktion aufgestiegen. Auch wenn sie, wie sie sagt, „nicht in den Berliner Himmel“ abgehoben und immer noch Saarbrückerin geblieben ist, sei sie noch lange nicht am Ziel ihrer politischen Arbeit in der Bundeshauptstadt. „Der Marathonlauf geht weiter, und ich bin bereit dafür.“

Ihr Wahlkreis sei „sozial und vielfältig“ – und sie will dafür kämpfen, dass er auch so bleibt. „Der Gedanke, dass Menschen aufgrund ihres Aussehens, ihrer Religion, Haut- oder Haarfarbe, Sexualität oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden, war für mich immer unverständlich.“ Umso mehr möchte sie weiter für eine „weltoffene, gerechte und vielfältige Gesellschaft“ eintreten.

Das Zusammenleben im Saarland mache aus, dass man aufeinander Acht gebe, respekt- und vertrauensvoll miteinander umgehe, sagt sie. Der Staat müsse dahinterstehen, ansprechbar bleiben und unterstützen, vor allem, „wenn es mal hakt“. Klimakrise, Corona-Pandemie – haken tut es an vielen Stellen. Als Gewerkschafterin und gelernte Gastronomin „kenne ich die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt und in vielen Branchen aus eigener Erfahrung“. Und sie wisse, dass es für viele nicht so weitergehen könne. „Es sind die Menschen, die tagtäglich die Acht-Stunden-Schicht in den Beinen spüren und für die der Slogan ,Gute Arbeit’ nicht nur ein Kapitel in einem Wahlprogramm ist, sondern die Hoffnung, dass Arbeit zum Leben passt und nicht das Leben zur Arbeit“, sagt Ortleb.

Eine nachhaltige Wirtschaft, die die Stahlindustrie und die Klimaneutralität in Einklang bringe, handlungsfähige Kommunen, eine „Verbindung zwischen unseren Städten und den ländlichen Regionen“ sind weitere Themen, die ihr am Herzen liegen und die sie für das Saarland in Berlin vorantreiben will. Außerdem setze sich dafür ein, das Versprechen der SPD zu erneuern, dass Aufstieg durch Bildung möglich ist.

Die Sorgen und Nöte von Familien sollten „endlich ernst genommen werden“. Ortlebs Ziel: Eine neue Familienarbeitszeit, eine Familienpflegezeit und flexible Betreuungsmodelle, wodurch man Freiräume für Familien schaffen könne. „Familien halten unsere Gesellschaft zusammen. Sie brauchen Zeit, um aneinander zu wachsen. Deshalb heißt die Devise: mehr Zeit für Familie – und zwar in allen Lebensphasen.“

Wie wichtig die Familie ist, traf Ortleb kurz vor der Wahl schmerzlich. Nach einer Frühgeburt hat sie sich entschieden, sich um ihr Baby zu kümmern und deshalb nicht mehr im Wahlkampf aufzutreten. Ihre Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer drückte ihr Mitgefühl aus: „Es gibt Wichtigeres als Wahlkampf und Politik. Ich wünsche viel Kraft und drücke ganz fest die Daumen. Bin in Gedanken bei Euch!“

Die CDU hatte es noch nie leicht im Wahlkreis Saarbrücken/296. Er umfasst die Städte Saarbrücken, Völklingen und Püttlingen sowie die Gemeinden Großrosseln, Kleinblittersdorf und Riegelsberg. Bei der letzten Bundestagswahl mussten sich die Christdemokraten beim Direktmandat der SPD und ihrer Kandidatin Josephine Ortleb geschlagen geben. Sie ist dieses Mal erneut Hauptkonkurrentin der CDU. Deren Kandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer zeigt sich trotzdem kämpferisch. Die ehemalige Ministerpräsidentin, Ex-Parteichefin der Bundes-CDU und Bundesverteidigungsministerin will in ihrem Wahlkreis gewinnen.

„Erst das Land, dann die Partei, dann die Person“ – so lautet das Motto der 59-Jährigen aus Püttlingen, die seit 40 Jahren Mitglied der CDU ist. Im Saarland, so sagte sie der SZ, könne man „ein gutes Leben führen“. Und das soll auch so bleiben. Wie das gelingt? Durch „zukunftsfeste, attraktive, gut bezahlte Arbeitsplätze in modernen wettbewerbsfähigen Unternehmen“. AKK möchte in Berlin dafür die Weichen stellen. Sie möchte mehr Fördermittel ins kleinste Bundesland bringen und so zu gleichwertigen Lebensverhältnissen beitragen. Denn die Konkurrenz unter den Bundesländern wachse, zum Leidwesen des Saarlandes.

Der Wirtschaftstreiber – die Automobil- und Stahlindustrie – steht angesichts der Klimakrise auf wackeligen Beinen. Das weiß auch AKK. Grüner Stahl sei eine Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft. Die Vereinigung Stahl habe zu Recht darauf hingewiesen, dass grüner Stahl den Anteil an CO2-Emissionen beim Bau eines Autos um 25 Prozent senken könne. Da brauche es Anreize. „Wenn grüner Stahl in vielen Bundesländern keine Rolle spielt, stellt sich die Frage, ob die Landesregierung hier ein Netzwerk bilden kann, um strategisch Einfluss zu nehmen. Es ist mein Ziel, das mit einem Bundestagsmandat zu unterstützen.“ Im Saarland müsse weiter produziert werden können, „innovativ und nachhaltig“. Dazu gehöre, dass auch neue Geschäftsideen, Wissenschafts- und Forschungsstandorte hierzulande stärker gefördert werden. „Deshalb will ich mich mit meiner Erfahrung, meinem Netzwerk und politischem Gewicht für das Saarland in Berlin einsetzen und aus meinem Abgeordnetenbüro ein ‚Saarland-Büro‘ machen.“

Was AKK ebenfalls am Herzen liegt: „Den Bürgerinnen und Bürgern ein sicheres Leben, den Schutz ihres Eigentums und ihrer persönlichen Unversehrtheit zu sichern.“ Im Inneren wie im Äußeren. Das gehöre zu den wichtigsten Aufgaben des Staates. „Frieden und Freiheit“ nach demokratischen Werte seien „leider keine Selbstverständlichkeit“, wenn man auf andere Staaten blickt. Umso mehr sei man auch in der internationalen Verantwortung. Als Bundesverteidigungsministerin bringt sie in Sachen Sicherheits- und Verteidigungspolitik einiges an Erfahrung mit. Dieses Amt möchte sie auch beibehalten. Der Umgang mit Soldatinnen und Soldaten sei eine „menschlich zutiefst erfüllende Aufgabe“.

 18.09.2021, Saarland, Saarlouis: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Bundesverteidigungsministerin und Schirmherrin des Festaktes des Bund Deutscher Karneval, spricht bei der 10. Kulturpreisverleihung. Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
18.09.2021, Saarland, Saarlouis: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Bundesverteidigungsministerin und Schirmherrin des Festaktes des Bund Deutscher Karneval, spricht bei der 10. Kulturpreisverleihung. Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa/Harald Tittel

Menschlich sehr berührt habe sie die Situation in Afghanistan. „Was mich persönlich sehr umtreibt, sind die Bilder derjenigen, die noch in Afghanistan sind, die Entscheidungen, die wir Soldaten zugemutet haben, und Bilder von getöteten Kindern vorm Flughafen-Tor.“ Einige könnten AKK das chaotische Evakuierungsvorgehen in Kabul negativ auslegen. Anders als ihre Konkurrentin steht sie stärker im Fokus. Um im Kabinett zu bleiben, wäre es für AKK auch deswegen von Vorteil, am Sonntag als Siegerin hervorzugehen.