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Daniele Ganser in Saarbrücken: Umstrittener Historiker in Congresshalle

Für die einen Friedensforscher, für andere Verschwörungstheoretiker : Umstrittener Historiker Daniele Ganser tritt in Congresshalle auf – Veranstalter äußert sich

Am Dienstagabend tritt Daniele Ganser in der Congresshalle Saarbrücken auf. Der Schweizer Historiker ist umstritten. Er selbst nennt sich „Friedensforscher“. Viele andere halten ihn für einen Verschwörungstheoretiker. Warum wurde er nach Saarbrücken geladen? Was der Veranstalter dazu sagt – und was er selbst.

„Imperium USA - die skrupellose Weltmacht“, lautet der Titel der Veranstaltung, die am Dienstagabend in der Congresshalle in Saarbrücken stattfindet. Der Mann, der das Publikum an diesem Tag mit einem Vortrag über sein gleichnamiges Buch nach Saarbrücken lockt, heißt Daniele Ganser. In der Pressemitteilung wird er als „Schweizer Historiker und Friedensforscher“ bezeichnet, spezialisiert auf „internationale Zeitgeschichte seit 1945“.

Ganser hat viele Anhänger, allein auf Youtube schauen 158.000 Abonnenten seine Videos. Doch viele kritisieren ihn als Verschwörungstheoretiker.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) schrieb im Januar über Ganser: „Lange bevor Corona-Leugner durch die Straßen zogen, säte Daniele Ganser Zweifel an den 'Mainstream-Medien' und fand damit nicht nur unter klassischen Verschwörungstheoretikern Anklang.“

Daniele Ganser wird immer wieder als Verschwörungstheoretiker kritisiert

Schon vor zehn Jahren sorgte Ganser mit seinen Thesen zum 11. September 2001 für Wirbel, er hält eine Beteiligung der US-Regierung am Einsturz des World Trade Centers für möglich. Einer der Klassiker unter den Verschwörungstheorien. „Seither schrieb er weitere Bücher über Ressourcenkriege und Geheimdienste. Ständiger Subtext: Die Bevölkerung wird manipuliert“, analysierte die NZZ im Text „Gansers Jünger“.

Daniele Ganser selbst versteht sich als Historiker

In der Corona-Krise hat Ganser, der häufig auf seinen Hintergrund als Historiker verweist, viele neue Anhänger gewonnenAuch der SZ sagt er: „Einige Journalisten, die nur auf Wikipedia meinen Eintrag lesen und nicht selber forschen, haben mich als Verschwörungstheoretiker diffamiert. Aber das ist nicht sachlich. Ich bin Historiker und untersuche Kriegspropaganda.“ Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Schweizer auf Youtube unter anderem Videos mit den Titeln „Kann man den Medien noch trauen?“, „Corona und China – eine Diktatur als Vorbild“ oder „Wie Propaganda unsere Gedanken und Gefühle lenkt“.

Was der Veranstalter in Saarbrücken sagt

Die Saarbrücker Zeitung fragte beim Veranstalter nach, was er zur Kritik an Daniele Ganser sagt – und warum dem umstrittenen Redner eine Plattform geboten wird.

Veranstalter Peter Aßmann von der NEMA Entertainment GmbH teilte mit: „Jeder, der sich mit aktueller Geo-Politik auseinandersetzt, ist umstritten. Es gibt keinen Politiker, der nicht umstritten ist.“ Daniele Ganser sei Zeithistoriker. „Er beschäftigt sich mit dem Geschehen seit dem Zweiten Weltkrieg, also mit Personen, von denen viele noch leben. Gerade da bieten sich natürlich viele Möglichkeiten für Kritik.“

Ein Verschwörungstheoretiker sei Ganser jedoch nicht, ist der Veranstalter überzeugt: „Er regt zu Diskussionen an und stellt gewisse Sachen infrage. Aber mit Verschwörungstheorien hat das nichts zu tun.“

Aßmann erklärt weiter: „Ich kenne ihn seit 2018, als ich sein Buch ‚Illegale Kriege‘ gelesen habe. Danach habe ich zwei Veranstaltungen mit ihm organisiert in Erfurt und Leipzig – und die Resonanz war riesig. Beide Veranstaltungen waren ausverkauft. Die Veranstaltung in Saarbrücken musste wegen Corona mehrfach verschoben werden. Jetzt freue ich mich, dass sie endlich stattfinden kann.“

400 Karten wurden demnach für den Vortrag hier verkauft. Der Veranstalter spricht von einer unterdurchschnittlichen Nachfrage, in Stuttgart seien es 1300 Karten gewesen.

(hau/ron)