1. Saarland
  2. Saarbrücken

H&M schließt Filiale in Saarbrücken: 50 Menschen bangen um ihren Job

Hiobsbotschaft kurz vor Weihnachten : H&M schließt eine Filiale in Saarbrücken – 50 Menschen bangen um ihren Job

Plötzliches Aus: Zum 31. Mai 2022 gibt H&M eine Filiale in Saarbrücken auf. Rund 50 Beschäftigte dort bangen um ihre Arbeitsplätze. Die Gewerkschaft Verdi spricht von einer „großen Sauerei“.

H&M gibt sein Modehaus in der Bahnhofstraße auf. „Es ist korrekt, dass wir unseren Standort in Saarbrücken, in der Bahnhofstraße, zum 31. Mai 22 schließen. Wir freuen uns, wenn sich unsere Kollegen und Kolleginnen auf die zahlreichen offenen Stellen bei uns im Unternehmen bewerben“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens, die unsere Zeitung gestern erreichte.

Die Schaufenster sind schon nicht mehr dekoriert, in der Filiale läuft aber noch der normale Betrieb. Mitglieder der Belegschaft räumen ein, dass man sie über die Schließung informiert habe. Während die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Journalisten nicht offen sprechen können, bestätigt die Gewerkschaft Verdi die Schließungs-Pläne. Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Müssig erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion. „Uns ist seit Mitte des Jahres bekannt, dass die Filiale schließt. Der ursprüngliche Plan war, dass die Filiale zum 30. April 2022 schließen soll.“ Müssig ergänzt, der Betriebsrat sei dabei, „einen Interessensausgleich für die Angestellten beim Arbeitgeber auszuhandeln, also einen Sozialplan, um wirtschaftliche Nachteile durch die Arbeitslosigkeit zu verhindern.“

Verdi empört über Schließung bei H&M: „Es ist eine große Sauerei“

Erst vor kurzer Zeit habe man noch in der Filiale modernisiert, daher sei die Hoffnung aufgekommen, dass es weitergehe. Man habe gehofft, dass das Unternehmen nicht investiere, um dann die Filiale aufzugeben. Aber auch da habe es Überraschungen gegeben: „Man hat währenddessen schon mit dem Vermieter in Verhandlungen gestanden und die Mitarbeiter auch schon über die Schließung informiert“, erklärt Müssig. Die Schließung solle „aus wirtschaftlichen Gründen“ erfolgen. Seines Wissens nach solle die Filiale in der Europagalerie aber erhalten bleiben. Aus der Belegschaft erfährt man, dass dort sogar erweitert werden soll. Auch das überrascht die Gewerkschaft. Müssig: „Warum, ist mir nicht ganz klar, denn die Galerie ist zunehmend am Sterben. Warum man nicht in der Europagalerie geschlossen hat und die Bahnhofstraße beibehält, ist mir nicht bekannt, da es in der Filiale in der Galerie keinen Betriebsrat gibt.“

Für die fast 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Bahnhofstraße habe man seitens der Arbeitgeber keine Lösung gefunden. „Es ist eine große Sauerei. Es gibt noch jede Menge Filialen rund herum. Auch im Saarbasar. Überall hätte man den Arbeitnehmern Arbeitsplätze anbieten können. Wenn H&M so sozial wäre, wie es in den Slogans heißt, hätte man eine Lösung finden können, wenn man gewollt hätte. Ich bin der Meinung, sie hätten es auch wirtschaftlich verkraftet, zu viele Angestellte in einer Filiale zu haben, denn unter anderem im Einzelhandel gibt es nie zu viele helfende Hände. Doch der einzige Vorschlag seitens der Arbeitgeber war, dass sich die Leute auf freie Stellen bewerben könnten“, sagt Thomas Müssig und macht seiner Empörung Luft.  Da die Filiale über 20 Jahre existiere, gehe es hier auch um langjährige Mitarbeiter. „Man bekommt das Gefühl, dass sie die älteren Mitarbeiter entsorgen wollen, statt woanders zu versorgen.“ Seiner Meinung nach geht es dem gesamten Einzelhandel derzeit nicht gut, doch H&M stehe nicht am schlechtesten da. Ob der Betriebsrat erfolgreich gute Lösungen für die Betroffenen finden kann, sei derzeit noch nicht klar.