1. Saarland
  2. Saarbrücken

Immer mehr und größere Autos tragen zum Klimawandel bei

Serie Was schadet unserem Klima? : Mit Vollgas Richtung Klimakatastrophe

Unser Planet heizt sich auf. Schuld daran: der Mensch. Doch wo entstehen die Treibhausgase und wie können sie reduziert werden? Diesen Fragen geht die SZ in einer neuen Serie nach. Teil 2: Verkehr.

Die (scheinbar) gute Nachricht vorweg: Im Sektor Verkehr sank der Treibhausgas-Ausstoß in Deutschland zwischen 1990 und 2020 von 164 auf 146 Millionen Tonnen CO2. Das jedenfalls vermeldet die Bundesregierung auf ihrer Website unter der Überschrift „Klimaschonender Verkehr“. Die Zahlen überraschen: Zwar haben neuere Pkw und Lkw einen geringeren Verbrauch, der durch verschärfte Abgasvorschriften zustande kam. Gleichzeitig stieg allerdings die Pkw-Dichte: Hatten 1990 von 1000 Einwohnern nur 494 ein eigenes Auto, waren es 30 Jahre später 574.

Eine Senkung der CO2-Emissionen durch technische Innovation trotz viel mehr Verkehr – kann das sein? Leider nicht: Während Deutschland in anderen Sektoren seit Anfang der Neunziger über eine halbe Millarde Tonnen Treibhausgase einsparen konnte (eine Reduzierung von 1249 auf 739 Millionen Tonnen), gab es im Bereich Verkehr 29 Jahre lang überhaupt keine Verbesserung. Wieso sanken die Emissionen bis 2020 trotzdem? Schuld ist größtenteils Corona – weil während des ersten Lockdowns viel weniger gefahren wurde. Die Reduzierung der letzten 30 Jahre wurde also allein 2020 erreicht. Zum Glück: Anders hätte die durch das Bundesklimaschutzgesetz festgeschriebene Maximalmenge von 150 Millionen Tonnen im Jahr auch nicht eingehalten werden können.

Im Saarland erhöhte sich die Pkw-Dichte pro 1000 Einwohner seit 1990 sogar von 515 auf 651 – ein Plus von 26,4 Prozent (bundesweit: 16,2). Damit belegt das Saarland unter den Bundesländern einen traurigen Spitzenplatz. Zum Stichtag am 1. Januar 2020 waren hier insgesamt 763 967 Kraftfahrzeuge – dazu zählen neben Pkw beispielsweise auch Krafträder, Lastkraftwagen und Zugmaschinen – zum Straßenverkehr zugelassen.

In der Stadt kein Auto nötig

Auf Kreisebene zeigen sich im Saarland allerdings deutliche Unterschiede: Während die Pkw-Dichte im Regionalverband Saarbrücken mit 583 auf 1000 Einwohner am niedrigsten ist, ist sie im Kreis St. Wendel mit 708 am höchsten. Im Schnitt ist dieser Wert in den saarländischen Städten niedriger als in den Gemeinden. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Stadtbewohner sind im Schnitt seltener auf ein Auto angewiesen, leiden dafür aber umso mehr unter dem Verkehr direkt vor der Haustür. Neben der Belastung durch Lärm, Feinstaub und Abgase sind große Flächen innerhalb der Stadt für den „ruhenden Verkehr“, also geparkte Autos, reserviert. Allein für die 70 000 Pendler, die täglich mit dem Auto in die Landeshauptstadt fahren, muss eine Stellplatz in der Größe von 123 Fußballfeldern zur Verfügung gestellt werden – versiegelte Flächen, die nicht zu Wohnhäusern oder Parks werden können.

Aktuell hat die Europäische Union beschlossen, ab 2035 keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen. Ist von „Verkehrswende“ die Rede, ist aber nicht einfach nur eine Umstellung von Verbrennern auf E-Autos gemeint. Zwar fördert der Bund den Neukauf von Pkws mit Elektro- oder Hybridantrieb aktuell mit einem „Umweltbonus“ von bis zu 6 000 Euro, doch beanspruchen diese ebenso viel Platz wie herkömmliche Pkw. Stattdessen fordern Vereine wie der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Alternativen, die ein eigenes Auto überflüssig machen.

Verbesserungsbedarf bei Infrastruktur

Bisher unterstützt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dieses Vorhaben aber nicht so recht: Im Jahr 2019 wurden unter seiner Leitung 61 Kilometer Autobahn neu gebaut, aber nur 6 Kilometer Bahnstrecke. Dafür wurden 103 Kilometer Radwege entlang von Bundesstraßen errichtet. Was viel klingt, ist allerdings der niedrigste Wert seit einem Jahrzehnt. Auch der von der Saar-Groko im Koalitionsvertrag niedergeschriebene Ausbau von Radschnellwegen im Umfeld der Landeshauptstadt lässt auf sich warten. Dabei hat gerade der Radverkehr noch viel Potential. Laut Umweltbundesamt sind 40 bis 50 Prozent der innerstädtisch zurückgelegen Strecken kürzer als fünf Kilometer, bei denen das Fahrrad sogar das schnellste Verkehrsmittel darstellt. Trotz der schlechten Infrastruktur erleben daher E-Bikes immer mehr Zulauf: Der Absatz der elektrisierten Räder ist von 2019 auf 2020 um satte 43,4 Prozent (auf knapp zwei Millionen) gestiegen.

Der Verkehrssektor kann also zum Klimaschutz noch einiges beitragen. Eine einfache Direktmaßnahme zur CO2-Reduktion stellt im Übrigen ein Tempolimit dar, wie es all unsere europäischen Nachbarn bereits haben. Eine Maximalgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern würde jährlich 1,9 Millionen Tonnen sparen, bei 120 wären es 2,6 Millionen Tonnen, bei 100 sogar 5,4.

Lesen Sie auch:

Saarbrücken bietet beim Verkehr die Vorteile einer Großstadt

Saarlouis bekämpft den Verkehr auf kreative Weise