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Intensivstationen sind kein Laufsteg

Kolumne Corona-Visite : Intensivstationen sind kein Laufsteg

In der Kolumne „Corona-Visite“ berichten Ärzte und Pflegepersonal vom Alltag in der Pandemie. Diesmal: Was der Geschäftsführer des Klinikums Saarbrücken von #allesdichtmachen hält.

Erst #allesdichtmachen, dann #allemalneschichtmachen. Kaum eine Aktion hat in den vergangenen Wochen die Gemüter derart aufgebracht. Die Lunte ist kurz geworden, ein Funke reicht, und so ließ eine nicht minder bühnenreife Gegenaktion nicht lange auf sich warten.

#einfachmalneschichtmachen – als wenn dies so einfach wäre. Seit mehr als einem Jahr gehen Intensivpflegekräfte und Intensivmediziner an und über ihre Grenzen – kämpfen um das Leben schwerstkranker COVID-Patienten – leider noch immer viel zu oft erfolglos. Alles on top – denn Schwerstverletzte, Herzinfarkte und Tumorerkrankungen gibt es auch weiterhin.

Intensivmedizin ist high tech und high professional, braucht jahrelange Ausbildung und Erfahrung, die weit über das rein medizinische hinausgeht. Allein der Gedanke, einfach mal eine Schicht mitmachen zu können, lässt aus meiner Sicht nicht nur die Anerkennung und Wertschätzung der dort geleisteten Arbeit, sondern auch und vor allem den Respekt von den dort behandelten Patienten vermissen.

#allesdichtmachen war ein zynischer Schlag in viele Gesichter der Pandemie – im Gesundheitswesen wie in vielen anderen Branchen. Die Intensivstationen jetzt zum Laufsteg medialer Eitelkeiten machen zu wollen, wäre der nächste Schlag.

Dr. Christian Braun (45) ist Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Klinikums Saarbrücken sowie Vorsitzender der Saarländischen Krankenhausgesellschaft. In der Kolumne „Corona-Visite“ berichten Ärzte und Pflegepersonal vom Alltag in der Pandemie.