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Klimakrise: Beim Heizen sorgen fossile Brennstoffe für Emissionen

Serie Was schadet unserem Klima? : Was unsere Erde ins Schwitzen bringt

Unser Planet heizt sich auf. Schuld daran: der Mensch. Doch wo entstehen Treibhausgase und wie können sie reduziert werden? Diesen Fragen geht die SZ in einer neuen Serie nach. Teil 5: Heizen.

Eine schöne warme Dusche tut auch im Sommer gut. Ansonsten stehen die Heizungen aktuell praktisch still: in Deutschland, aber vor allem auch in Südeuropa, wo die Klimakrise derzeit erneut für eine massive Hitzewelle sorgt.

Spätestens ab Oktober beginnt in unseren Breiten dann aber die Heizsaison. Eine feste gesetzliche Regelung existiert zwar nicht, doch hat sich ein Zeitraum bis Ende April etabliert. Obwohl somit die Heizkörper in fünf von zwölf Monaten kalt bleiben, ist Heizen dennoch für einen Großteil der Treibhausgase verantwortlich, die pro Jahr im privaten Wohnsektor ausgestoßen werden. 130 von 206,9 Millionen Tonnen CO2 waren es laut Umweltbundesamt im Jahr 2018 – das sind fast zwei Drittel. Dazu kommen noch rund 26,6 Millionen Tonnen (12,8 Prozent) für die Bereitstellung von warmen Wasser.

Geheizt wird in Deutschland fast ausschließlich mit fossilen Brennstoffen. Auch wenn viele Haushalte einen zusätzlichen Kamin installiert haben, spielt Holz (beziehungsweise Pellets) dabei als Haupt-Heizträger eine untergeordnete Rolle. Laut einer aufwendigen Studie des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wurden 2019 nur 3,3 Prozent der Wohngebäude in Deutschland mit Holz beheizt. Stromheizungen sind auch eine Seltenheit: Nur eine Million Wohngebäude oder 5,7 Prozent beziehen ihre Wärme auf diese Weise.

Gas ist viel schlechter als sein Ruf

Kohle, die von allen fossilen Brennstoffen die schlechteste Treibhausgas-Bilanz aufweist, findet dagegen nur noch bei 0,6 Prozent der Wohngebäude in Deutschland Verwendung. Stattdessen kommt bei fast der Hälfte (49,3 Prozent) Erdgas (Methan) zum Einsatz. Auf dem zweiten Platz landet Heizöl mit 30,4 Prozent. Im Saarland ist es dagegen genau umgekehrt: Hier werden Wohngebäude überwiegend mit Öl (48,2 Prozent) geheizt, mit Erdgas dagegen nur 29 Prozent.

Obwohl Erdgas als wichtige Brückentechnologie angepriesen wird – eine Rechtfertigung für das politisch hochumstrittene Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2, mit dem Russland Methan nach Deutschland liefern soll – ist es kaum weniger klimaschädlich als Öl. Möglicherweise sogar im Gegenteil: Wissenschaftler wiesen kürzlich darauf hin, dass Emissionen, die durch Förderung, Lagerung, Transport und Leckage von Methan entstehen, bisher kaum in der Rechnung berücksichtigt wurden. Weitere Investitionen in eine Erdgas-Infrastruktur seien daher nicht nur aus Klimaschutzaspekten unsinnig, sondern fehlten auch beim dringend benötigten Ausbau erneuerbarer Energien. Zwar verspricht der Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie die flächendeckende Bereitstellung von synthetisch erzeugten „grünen Gas“ bereits in wenigen Jahren. Ob das je in größerer Menge zur Verfügung stehen wird, bezweifeln Experten allerdings.

Maßnahmen reichen nicht aus

Zwar konnten die Emissionen im Wohnsektor in den letzten Jahren bereits gesenkt werden. Aber klar ist: Um das Ziel „Klimaneutralität“ zu erreichen, sind die Tage der mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizungen gezählt. Bisher scheut die Bundesregierung entsprechende Verbote selbst bei Neubauten. Stattdessen setzt man in Deutschland auf Freiwilligkeit durch großzügige Förderungen für Sanierungen und den Austausch der Heizungsanlagen. Auch der Anfang des Jahres eingeführte Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 soll Verbraucher dazu animieren, Treibhausgase zu sparen. Wer zur Miete wohnt, hat hier allerdings schlechte Karten: Ursprünglich sollten Vermieter die Hälfte der so entstandenen Neukosten tragen, um ihnen so eine Sanierung oder den Austausch der Heizung schmackhaft zu machen. Trotz gegenteiligen Versprechens erteilte die CDU diesem Plan am Ende doch eine Absage, was der Deutsche Mieterbund scharf kritisierte.

Saarländer sind von diesem Problem mehrheitlich nicht betroffen: Fast zwei Drittel – die mit Abstand höchste Quote im Bundesländervergleich – lebten hier im Jahr 2018 in den eigenen vier Wänden. Dafür sind die saarländischen Heizungsanlagen laut BDEW-Bericht allerdings im Schnitt auch älter als im Bund: 17,2 Jahre bei Ein- oder Zweifamilienhäusern und sogar 22,6 Jahre bei Mehrfamilienhäusern (Bund: 17,4).

Wer einen Austausch erwägt, leistet mit einer Wärmepumpe derzeit den größten Beitrag für den Klimaschutz. Diese Heizungsart, die ihre Energie praktisch aus der Umgebung bezieht (beispielsweise aus der Luft, Abwasserkanälen oder aus der Tiefe), aber auch Strom für den Betrieb benötigt, ist zwar hierzulande noch nicht weit verbreitet: Laut dem Bundesverband Wärmepumpe gibt es derzeit erst eine Million in Deutschland. Die Nachfrage steige allerdings rasant: Allein im Jahr 2020 seien 140 000 neue Wärmepumpen verkauft worden, 40 Prozent mehr als im Jahr davor. Wegen der im Vergleich zu Gas und Öl hohen Stromkosten in Deutschland schreckten allerdings noch viele Hausbesitzer vor dieser Methode zurück – die ohnehin erst ihr volles Potenzial entfalten kann, wenn der Strom in Deutschland „grün“ geworden ist.

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