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Klimawandel: Crowdfunding-Kampagne für politisches Projekt

Interview Caroline Jung : „Daran kann man sie festmachen“

Die Saarländerin will die Landtagsabgeordneten in ganz Deutschland zu ihren Klimaschutzbemühungen befragen.

Die Saarländerin Caroline Jung hat sich im Kampf um das Erreichen des 1,5 Grad-Ziels eine besondere Kampagne ausgedacht. Sie will sämtliche Landtags­abgeordnete der Republik einen Fragebogen zum Klimawandel ausfüllen lassen. Die Diplom-Juristin will damit Transparenz darüber erzeugen, wer sich für den Klimaschutz einsetzt und wer nicht. Um ihr Projekt namens Klimadialoge verwirklichen zu können, sammelt sie Geld über ein Crowdfunding. Bis zum Jahresende sollen dadurch 67 000 Euro zusammenkommen.

Frau Jung, wie kamen Sie auf die Idee mit den Klimadialogen? 

Jung Ich arbeite ehrenamtlich und freiberuflich im Bereich Klimaschutz. Bei einer Tagung sagte Klaus Wiegandt, Stifter der Stiftung Forum für Verantwortung, „die jungen Leute müssten ihre Politiker so richtig triezen“. Das hat mich gepackt, es war klar, dass ich daraus was machen möchte. Die Klimadialoge sind das Ergebnis. 

Wieso befragen Sie ausgerechnet Landtagsabgeordnete? Sie könnten ja auch an die Mitglieder des Bundestags gehen. 

Jung Weil die Landesebene die politische Ebene ist, die zum Thema Klima nicht adressiert wird, jedenfalls nicht in einer organisierten Bewegung mit persönlichen Gesprächen. Die Bundesebene wird von anderen Bewegungen, etwa von Fridays for Future, GermanZero und den Umweltverbänden angesprochen. Und auf kommunaler Ebene gibt es immer mehr Klima-Entscheide. 

Stellen Sie jedem oder jeder Landtagsabgeordneten dieselben Fragen? 

Jung Ja. Die Bereitschaft der Abgeordneten soll überall vergleichbar sein. Faire Bewertungen sind mir wichtig. Aber Schwerpunkt sind die persönlichen Gespräche. Es hinterlässt Eindruck, wenn Leute persönlich kommen und Klimaschutz einfordern. 

Was fragen Sie da zum Beispiel? 

Jung Das kann ich Ihnen noch nicht sagen. Die Fragen werden auf dem „Klimawegweiser“ basieren. Der beschreibt die Maßnahmen, die wir auf Länderebene brauchen. Den Klimawegweiser kann ich erst in Auftrag geben, wenn das Crowdfunding erfolgreich verlaufen ist. Autor wird Prof. Felix Ekardt sein, er hat mit anderen gemeinsam die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz erstritten. 

Aber Sie haben bereits testweise mit Landtagsabgeordneten gesprochen – wie war das? 

Jung Ja, ich habe im Landtag von Nordrhein-Westfalen mit mehreren Abgeordneten gesprochen. Die Gespräche waren sehr verschieden, aber alle gut. Alle haben gesagt, sie fänden es gut, wenn das persönliche Gespräch gesucht wird. Das hat mich in meiner Idee sehr bestärkt. 

Ist das nicht vorhersehbar, welche Politiker aus welcher Partei welche Antworten geben? 

Jung Schon. Daran kann man sie festmachen. Wenn einer sagt, „ich befürworte die Maßnahmen“, kann man schauen, was er dafür macht. Und wenn welche sagen: „Den Klimawandel gibt’s gar nicht“, oder: „Was wir machen, reicht aus“, dann kann man Druck erzeugen. Wir sehen, wo es jemanden gibt, der schon Klimadialoge hatte, aber dennoch gegen richtigen Klimaschutz ist. Den kann man gezielt als Gesprächspartner aussuchen, um ihn zu überzeugen. 

Was hat denn der Abgeordnete der AfD gesagt, mit dem Sie gesprochen haben? 

Jung Ich habe mit jemandem gesprochen, der den menschengemachten Klimawandel anerkennt. Wenn man einen Abgeordneten hat, der offen dafür ist, könnte man gezielt zu ihm zu gehen und ihn dazu bringen, dass er seine Kollegen überzeugt. 

Sind Sie allein in dem Projekt? 

Jung Ja, bisher bin ich alleine und ehrenamtlich tätig. Ich hoffe, dass es irgendwann ein kleines Team geben wird. 

Auf Ihrer Homepage sagen Sie, Sie wollen die anderen Klimaschutz-Bewegungen ergänzen… 

Jung Genau, das soll keine Konkurrenzveranstaltung sein. Ich finde es gut, wenn es verschiedene Bewegungen gibt. So ist für alle was dabei, die sich engagieren möchten. 

Erfahren Sie von den anderen Unterstützung, etwa von Fridays for Future? 

Jung Da habe ich bisher keinen Kontakt. Mit Teachers for Future Germany gibt es eine Kooperation, weil die Klimadialoge auch für Schulklassen sind. Sie bekommen Infos für Klimadialoge und können in der Datenbank passende Abgeordnete finden. 

Haben Sie nicht versucht, mit den deutschen Galionsfiguren von Fridays for Future, also Luisa Neubauer oder Carla Reemtsma, in Kontakt zu kommen?

Jung Ich bin dabei, solche Kontakte zu knüpfen. Es wäre toll, wenn es da auch eine Kooperation gäbe. Auf Bundesebene habe ich Kontakt mit den Scientists for Future, im Saarland mit Parents for Future. Eine Kooperation gibt es auch mit klimafakten.de. 

Bis zum Jahresende möchten Sie 67 000 Euro sammeln, bisher sind etwa 1700 Euro gespendet worden. Ist das im Plan? 

Jung Es wäre natürlich genial, wenn gleich am ersten Tag jemand das Dankeschön „Klimaheld“ gebucht und damit die ganze Kampagne finanziert hätte. Je mehr Menschen am Anfang spenden, umso besser ist es. Ich bin aber überzeugt, dass das Geld zusammenkommt. Jede kleine Spende hilft. 

Was soll am Ende Ihrer Kampagne stehen? Eine Webseite, wo man jedes einzelne Mitglied eines Landtags anklicken und sehen kann, wie es zum Klimaschutz steht?

Jung Genau, eine Datenbank mit allen Politikern und deren Einstellung. Ganz am Ende soll natürlich stehen, dass die Bundesländer die nötigen Klimaschutz-Maßnahmen umsetzen.

Weitere Informationen auf startnext.com/klimadialoge, dort kann auch gespendet werden.