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Klimawandel sorgt für Wildschweinplage, sagt ein Jäger in Saarbrücken.

Plage im Regionalverband : Kreisjägermeister: Darum haben Saarbrücker Wohngebiete so viele Probleme mit Wildschweinen

Wildschweine in Wohngebieten sorgen immer wieder für Ärger. Und immer wieder erschallt der Ruf nach den Jägern. Aber deren Möglichkeiten sind begrenzt, sagt Kreisjägermeister Heiner Kausch. Und führt zwei Gründe auf, die das Problem noch schwerwiegender machen.

Vor ein paar Tagen waren sie wieder da: die Wildschweine. Und sie haben aufgewühlt, Gärten in der Nussbaumstraße auf dem Eschberg und die Gemüter der Menschen, die da wohnen. „Ganz furchtbar ist das“, sagt Ursula Malter. „Die ganzen Beete sind durchwühlt“, erzählt die 84-Jährige. Und das, obwohl sie ihren Garten durch einen Zaun schützt. Ein Balken war morsch, diese Schwachstelle haben die Wildschweine genutzt.

Alle paar Wochen kommen die Tiere aus dem Wald und laufen in die Gärten, sagt Ursula Malter. Das müssen die Jäger doch verhindern, sagt sie. Ja, sie wisse, dass Jäger im Wohngebiet nicht auf Wildschweine schießen dürfen. „Aber dann sollen sie sie im Wald jagen“, sagt die alte Dame.

 Wildschweine haben im Garten von Brigitte Zimmermann in der Nußbaumstraße auf dem Saarbrücker Eschberg Spuren hinterlassen.
Wildschweine haben im Garten von Brigitte Zimmermann in der Nußbaumstraße auf dem Saarbrücker Eschberg Spuren hinterlassen. Foto: Sigrid Veauthier

Auch ihre Nachbarin Sigrid Veauthier hat immer wieder Ärger mit den Wildschweinen. Sie hat auch überlegt, einen Zaun aufbauen zu lassen. Aber das sei wegen der Hanglage des Grundstücks schwierig. Außerdem: „1,40 bis zwei Meter hohe Zäune, das ist nicht so unser Wohngefühl. Wir wollen uns ja nicht einzäunen“, sagt sie. „Wir sollen uns selber schützen, sagt man uns. Aber ich habe gelesen, dass in der Nähe von Berlin die Jäger so viele Wildschweine geschossen haben, dass sie mit dem Verkauf des Fleischs über 100 000 Euro verdient haben. Die Jäger müssen auch bei uns etwas tun“, fordert Sigrid Veauthier.

„Wir tun, was wir können“, versichert Kreisjägermeister Heiner Kausch. Im ganzen Regionalverband seien Wildschweine, die in Wohngebiete vordringen, ein Problem, sagt er. „Wir schießen so viele, wie wir können, aber es sind wahnsinnig viele.“ Und es sei zu einfach, davon auszugehen, dass sich das Problem löst, wenn im Wald mehr geschossen wird. „Je mehr Druck man im Wald macht, desto mehr drängt man die Tiere in bewohnte Gebiete“, gibt Kausch zu bedenken.

 Kreisjägermeister Heiner Kausch versichert, dass die Jäger tun, was sie können, es sei aber nicht einfach, das Wildschweinproblem schnell zu lösen.
Kreisjägermeister Heiner Kausch versichert, dass die Jäger tun, was sie können, es sei aber nicht einfach, das Wildschweinproblem schnell zu lösen. Foto: BeckerBredel

Dass sich das Problem mit den Wildschweinen in Wohngebieten verschärft habe, liegt aus seiner Sicht unter anderem am Klimawandel. „Wir haben keine richtigen Winter mehr“, sagt Heiner Kausch. Es habe Zeiten gegeben, da sei er mit seinem Auto auf dem Weg in den Wald in Schneeverwehungen steckengeblieben. Das gebe es so nicht mehr. Die milden Winter führen dazu, „dass jedes Wildschwein den Winter überlebt“, sagt Kausch. Vor allem einige Frischlinge hätten früher den Winter nicht überstanden. Gerade im Winter treibe es die Tiere nun in die Wohngebiete. „Das ist auch der Hunger, weil im Wald nicht mehr für alle etwas da ist“, erklärt er.

Ein anderes Problem sei mit der Corona-Pandemie gekommen. Für diesen Samstag sei zum Beispiel wieder eine Treibjagd abgesagt worden, „weil der Organisator die Einhaltung der 2G-Regeln nicht sicherstellen kann“. Es sei nicht die erste Jagd dieser Art, die in den vergangenen beiden Jahren wegen Corona abgesagt wurde.

Kausch gibt außerdem zu bedenken, dass die Jäger im Regionalverband bis auf den, den die Stadt Völklingen eingestellt hat, keine Berufsjäger seien. Man könne nicht die ganze Nacht im Wald sitzen und Wildschweine jagen, wenn man morgens im Büro sein muss. Er verstehe, dass die Menschen, deren Gärten durchwühlt werden, eine schnelle Lösung wollen. Und dass Zäune für viele auch einfach zu teuer sind. Aber: „Das ist ein Problem, das nicht schnell zu lösen ist.“